Lass dich nicht gehen!

Tobias Hambuch

 

Flavio Simonetti ist Fitness-Blogger. Sein Fokus liegt auf Gewicht, Bizepsgröße und Massephasen – manchmal regeneriert er auch. Doch zu viel Leerlauf kann er sich nicht erlauben, denn er ist auf neue Klicks angewiesen. Und das Streben nach Reichweite ist nicht sein einziger Kampf.

Ein recht unscheinbarer Raum. Darin eine gemütlich aussehende graue Couch, ein Tisch mit Sitzschalen-Stühlen. Ein paar Regale. Eine Büro-Ecke. Flipchart. Kartons. Und ein großes rotes Poster vor einer Sperrholzwand. Darauf prankt der Mann, der hier bis zu dreimal in der Woche ein neues Video dreht, und es dann bei YouTube mit seinen fast 250.000 Abonnenten teilt: Flavio Simonetti. Betritt er die Bildfläche, gibt es klare Ansagen zu hören wie »Achte auf deinen Körperfettanteil, dein Krafttraining und deine Ernährung – sie haben Auswirkungen auf deinen Testosteron-Wert!« oder „Diese Kohlenhydrate sind die besten Quellen für deinen Muskelaufbau!“ Manchmal ist auch Christian mit dabei. Der war sogar schon mal Deutscher Meister im Natural-Bodybuilding – also im Muskelmasseaufbau ohne Doping. Dann stehen zwei Typen vor der Kamera, deren Oberarme Eindruck hinterlassen und deren Shirts dem Platzen nahe scheinen. Und reden über Einfach- und Mehrfachzucker. Warum das alles? Und warum dreht sich hier eigentlich alles nur um den Körper? Wen bedient Flavio eigentlich?

Neue Formate, neue Follower?

„Die, die seit Jahren ins Fitnessstudio rennen. Die, die sich abquälen und irgendwann frustriert merken: Es hat sich nichts getan.“ Sie hat Flavio im Blick. Weil er ihnen Erfolgserlebnisse schenken will, die er am eigenen Körper erleben durfte. Er will ihr Motivator sein. Und das hat er zu seinem Geschäft gemacht. Der Deutsch-Italiener hat die Trainings-App „Coach Carter“ entwickelt, das Fitnessprogramm „Muskelakademie“ erarbeitet und eine eigene Bekleidungsmarke am Start: „Natural Athlet“. Gleichzeitig will er seine eigene Fitness auf einem hohen Level halten. Und hat mit zwei kleinen Kindern zudem ein prall gefülltes Familien-Leben. Sein Aufruf: »Hol das Beste aus dir raus.« Dazu will er niemanden zwingen. Aber für ihn steckt dahinter auch die biblische Aufforderung, den „Tempel des Heiligen Geistes“ zu pflegen und den eigenen Körper wertzuschätzen. Flavio ist Christ. Auf seinem Insta-Account ist vor allem anderen „God First“ zu lesen. Und doch sagt er: „Meine erste Frage ist: Wie kann ich für das Publikum attraktiv bleiben? Da kann ich nicht jedes Mal über Gott reden. Die Reichweite würde zusammenfallen. Ich will für die Welt interessant bleiben.“

Der „Retter der Dünnen“

Flavios Beruf ist ein Kampf um Klicks. Nur die sichern ihm und seinen Mitarbeitern eine stabile Finanzlage. Das macht auch Druck. „Da muss ich manchmal aufpassen, dass mich das nicht auffrisst. Ich kämpfe immer wieder mit mir selbst und frage mich: Ist dieses Format noch interessant? Was kann ich neu machen? Wie bleibe ich authentisch? Und wenn du dann was startest, über das du dir lang Gedanken gemacht hast, und es trotzdem nicht ankommt, ist das total frustrierend. Dann sehne ich mich manchmal danach, Zahnarzt zu sein und immer wieder den gleichen Prozess wiederholen zu können.“
Für mehr Reichweite polarisiert der Blogger auch gerne. Er nennt sich „Retter der Dünnen“ oder startet eine „Lauch-Challenge“ mit Jungs, die mehr Muskeln haben wollen. Natürlich kommt da auch Kritik ins Haus. Wie er als Christ einen so starken Fokus auf den Körper legen könne?

Weniger Körperkult, mehr Selbstannahme

Flavio setzt zwar provokante Titel, aber entscheidend ist für ihn, dass er jeden einzelnen Teilnehmer seiner Programme wertschätzt, geduldig begleitet und motiviert. Einst ging er als Jugendlicher selbst ins Fitnessstudio, um sich besser zu fühlen. Stärker. Entschlossener. Geliebter. „Zwischen 15 und 24 Jahren war ich auf der Suche. Ich wollte herausfinden, was ich überhaupt kann. Frauen, Geld und Fitness dominierten mein Leben.“ Deshalb versteht er die Leute, die Sport und Muskeln gebrauchen, um sich Selbstvertrauen zu holen. „Auch ich habe damals nicht an mich geglaubt und wusste nicht, wer ich bin. Ich kenne die große Challenge, zu trainieren, ohne mich darüber zu definieren. Das ist ein Kampf. Ich will Gott an die erste Stelle setzen. Nur bei ihm finde ich wirklich Identität.“

Berufen

Jungen Menschen zuzusprechen, dass sie aus einem Grund hier sind und nicht einfach so vor sich hin leben sollten – das sieht Flavio als Teil seiner Berufung an. Und er erreicht diese Menschen auf seine eigene Art und Weise. Dahinter steckt seine Geschichte. Flavio hätte den Begriff „Berufung“ lange nicht in den Mund genommen, lenkte sich ab, wurde immer unzufriedener, fühlte sich leer. Mit 24 Jahren nahm er an einem illegalen Autorennen teil, das frontal vor einem Baum endete. Ein vorbeifahrender Autofahrer war sich sicher: Der ist tot! Doch Flavio lebte und wusste: Es muss sich was ändern. In der Rückschau meint er: „Ich brauchte diese Neujustierung. Da war die bohrende Frage, auf die ich endlich eine Antwort finden wollte: Was will ich wirklich? Ich habe plötzlich gespürt, dass Gott mein Leben lenkt und ich nicht mehr an ihm vorbeileben will. Bislang hatte ich alles auf eigene Faust erkundet und war damit nicht weit gekommen.“ Dieser biographische Wendepunkt scheint kaum übertragbar. Wie können dann andere Menschen ihre Berufung finden? Flavio macht klar: „Auch ich bin immer wieder auf der Suche, muss prüfen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, brauche Leute, die mir ins Leben reinreden.“ Er gibt den Tipp: Manchmal sind wir viel zu abgelenkt und brauchen einfach mal Ruhe, Zeiten fern vom Handy, fern vom Unterhalten-Werden, offline. Um dort die eigene Kreativität und Leidenschaft zu entdecken. Zu erkennen, wie man tickt. „Dann besteht auch eine geringere Gefahr, nur von anderen zu kopieren.“ Aber kann Berufung nicht auch manchmal wie eine verheißungsvolle Illusion wirken? Flavio hat genug Rückschläge erlebt und meint: „Gott kann auch da wirken und uns schleifen, wo wir uns im Beruf gerade durchschleppen und keinen Spaß haben.“

Der Bequemlichkeit den Kampf ansagen

Vor einigen Tagen ist er aus Italien zurückgekehrt. Pizza, Pasta und Eis standen auf der Speisekarte, Flavio hat ganze sechs Wochen nicht trainiert. Mit schlechtem Gewissen? „Nein, im Urlaub habe ich das Ziel, zu genießen. Tief im Innern könnte ich jetzt auch ohne Training weiterleben. Aber jetzt beginnt wieder der Kampf mit mir selbst. Ich merke, dass ich nicht auf jedes meiner Gefühle hören sollte. Denn ich habe auch oft keine Lust auf Beten oder keinen Bock auf Bibellesen. Aber davon will ich mich nicht leiten lassen.“
Heute schauen tausende Menschen seine Videos an. Und Flavio will ihnen die Bereitschaft vermitteln, an sich zu arbeiten – „an den Dingen, die andere davon abhalten, dich als Vorbild zu sehen. Am Ende geht es nicht darum, gut dazustehen, sondern deine Talente wachzurufen und dadurch auf Gott zu zeigen, der sie dir gegeben hat.“ Flavio wünscht sich Menschen, die über sich hinauswachsen. Und das muss überhaupt nichts mit dem eigenen Körper zu tun haben. „Auch eine schüchterne Person, die vor einer großen Gruppe von Leuten redet, wächst über sich hinaus.“

 

 

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Macht hoch die Tür!

Von Julia Kallauch

Seit drei Jahren öffnen Achim Bißbort und seine Gemeinschaft „k.turn“ ihre Türen für Menschen, die Weihnachten allein sind. Statt mit der Familie verbringen sie Heiligabend mit Fremden.

Wie sieht der Heiligabend bei euch aus?
Wir feiern den Heiligen Abend mit einem großen Essen, zu dem wir alle Menschen einladen, von denen wir wissen, dass sie sonst Weihnachten einsam verbringen würden. Wir sind eine Wohngemeinschaft und wohnen in einem Haus im sozialen Brennpunkt in Kaiserslautern. Dort laden wir zunächst alle Menschen aus der Nachbarschaft ein, die allein sind. Darüber hinaus schalten wir eine Einladung in der Facebook-Gruppe „Zu verschenken in Kaiserslautern“.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, so zu feiern?
Zuerst haben wir mit den Menschen in einer Kneipe gefeiert. Seit wir in dem Haus wohnen, haben wir selbst Platz, um Menschen einzuladen. Weihnachten ist ein Familienfest – für Menschen, die keine Familien haben oder mit ihren Angehörigen zerstritten sind, ist Weihnachten schlimm. Viele sind einsam. Aus der Not dieser Menschen kam unsere Idee, unser
Haus zu öffnen und zusammen zu feiern.

Wie läuft das Fest ab?
Abgesehen davon, dass wir zusammen essen, hat jedes Weihnachtsfest eine ganz eigene Dynamik. Es kommen immer Menschen, die ganz unterschiedliche Dinge mitbringen. Teilweise im wörtlichen Sinne, denn über die Facebook-Einladung folgen uns nicht nur Menschen, die sonst einsam wären, sondern auch Menschen, die uns unterstützen möchten. Zu Beginn begrüßen wir alle und erklären, warum wir Weihnachten feiern. Dann beten wir und danken für das Essen und die Gemeinschaft. Manchmal sitzen wir am Ende auf der Couch und singen gemeinsam Weihnachtslieder.

Gibt es Geschenke?
Manchmal spenden uns Freunde Geschenke zum Weitergeben, oder Leute aus der Facebook-Gruppe kommen und bringen Geschenke für alle Anwesenden mit.

Gibt es eine besondere Situation, an die du dich gerne zurückerinnerst?
Es gibt keine bestimmte Situation, es ist vielmehr die besondere Atmosphäre. Die Tatsache, dass so unterschiedliche Menschen zusammenkommen und etwas Einzigartiges entsteht, ist großartig. Ich weiß nicht, was dieses Jahr an Heiligabend bei uns geschehen wird – das wissen wir vorher nie –, aber ich weiß, dass es bunt und schön wird.

Weitere Infos unter: www.k-turn.de

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Nick Vujicic

von Jörg Podworny

Der Hoffnungs-Botschafter

Nick Vujicic ist ein Phänomen: Er hat keine Arme und Beine. Aber als witziger und nachdenklicher Motivationscoach begeistert er Millionen Zuhörer in aller Welt. Protokoll eines Deutschland-Besuchs:

Auftritt. Nick. Oben auf der Leinwand flimmern Szenen aus seinem Leben, Besuche in Afrika, in Asien. Auftritte vor jungen und älteren Zuhörern. Lachende Menschen, nachdenkliches Publikum. Umarmungen. Währenddessen teilt sich unten der Vorhang und ein kantiger roter Rollstuhl mit kleinen Rollen wird auf die Bühne geschoben. Ein Mitarbeiter packt sich mit beiden Armen den Mann im Rollstuhl – es sieht ein wenig so aus, als ob ein voller Seesack gehoben wird – und setzt ihn vorn auf der leicht erhöhten Extra-Bühne ab.

Gespannt richten sich über 5.000 Augenpaare in der Halle auf den nur rund 80 Zentimeter kleinen Mann. Wegen ihm sind sie heute hier in die Arena nach Oberhausen gekommen, wollen hören, was er aus seinem Leben erzählt: Nick Vujicic. Was erwarten seine Zuhörer? Nun, sagt Nick, die Fragen sind überall auf der Welt gleich: „Warum bin ich eigentlich hier? Wo finde ich Hoffnung, gerade dann, wenn’s mir dreckig geht? Wie finde ich Frieden für meine Seele? – Eine echte Hoffnung ist alles.“ Und die Zuhörer bewundern seinen Mut, seine Fröhlichkeit, der man sich nur schwer entziehen kann, und seine Lebenskraft. Er inspiriert, motiviert, bringt zum Lachen und „zündet einen Funken“, wie viele bekennen.

Nick Vujicic (33) ist Australier serbischer Abstammung und lebt heute in Los Angeles. Er wurde wegen eines seltenen Gendefekts ohne Arme und Beine geboren, hat nur einen kleinen linken Fuß mit zwei Zehen am Rumpf, mit dem er erstaunlich beweglich ist. Als 10-Jähriger denkt er darüber nach, sich in der Badewanne zu ertränken, überlegt es sich aber im letzten Moment anders. Danach stürzt er sich ins Leben, lernt mit E-Rollstuhl und Joystick zu fahren oder zu telefonieren (ohne Arme!), düst auf dem Skateboard über die Pisten und surft auf dem Brett vor der Küste von Hawaii. Heute reist er als Motivationstrainer, Sprecher und Buchautor um die Welt. Er hat in seinen Vorträgen vor mehr als drei Millionen Menschen gesprochen, dabei nach eigener Zählung fünf Millionen (Flug-) Kilometer in etwa 2.500 Flugzeugen zurückgelegt. In Deutschland hat Nick im Sommer nur diesen einen Auftritt, schon am nächsten Tag jettet er weiter, ans andere Ende des Globus, nach Malaysia, Singapur und auf die Philippinen. Er wird von Regierungen und Gemeinden eingeladen, referiert in Schulen und großen Veranstaltungshallen wie hier.

 

„Low Two“ statt „High Five“

Eine zentrale Botschaft Nicks wird schnell klar: „Du bist wunderbar – so, wie du bist!“ Wenn einer wie er das sagt, nimmt man ihm das sofort ab. Und es geht weiter: Dankbarkeit, der nächste bedeutsame Punkt; dankbar zu sein für das, was man hat, statt zu meckern über das, was man nicht hat. „Ein gebrochenes Herz kann schlimmer sein als keine Arme und Beine zu haben“, sagt er. Nick redet häufig in solchen Gegensatz-Beispielen, um seine Gedanken zu verdeutlichen.

Er tut das höchst unterhaltsam. Es macht ihm sichtlich Spaß zu erzählen: Einmal hat er in Flugkapitäns-Uniform die verdutzten Fluggäste beim Einsteigen begrüßt. Ein anderes Mal, im Straßenverkehr, ist der Fahrerin im Auto neben ihm die Kinnlade herunter geklappt, als er sich auf seinem Autositz einmal um 360 Grad gedreht hat. Nick Vujucic ist ein guter Entertainer, der knochentrocken seine Pointen abfeuert: „Manchmal nervt mich die viele Aufmerksamkeit auch. Dann tarne ich mich – setze eine Sonnenbrille und einen Hut auf …“

Seinen Zuhörern nimmt er schnell die Befangenheit, weil er sich ständig selbstironisch auf die Schippe nimmt. Während er noch berichtet, dass sein Vater nach der Geburt fast in Ohnmacht gefallen wäre, erzählt er, wie er mit seinen Handicaps umgeht: Dann spricht er von Daniel Martinez, einem Jungen, der ähnlich behindert ist wie er, und wie er sich mit ihm „abklatscht“. Weil das mit Händen nicht geht, „High Five“ also ausscheidet, muss eben das „Low Two“ der beiden Stummel-Zehen herhalten.

Der Witz mit Herz ist aber nicht alles. Nick Vujicic präsentiert sich ebenso als nachdenklicher, ruhiger Typ, der über Gott und die Welt nachgedacht hat. Ein wichtiges Thema für ihn sind junge Menschen, Teenager. Er hat in den USA in Schulen geforscht und herausgefunden, dass 40 von 1.000 Schülern Selbstmordgedanken haben. Weil sie gemobbt werden. Darum mahnt er: Überlegt euch gut, was ihr zu anderen sagt! Darum spricht er oft über Selbstannahme und sagt: „Du musst nicht ‚perfekt‘ sein!“

 

Glaube. Liebe. Und Hoffnung.

Dabei lautet seine Botschaft nicht oberflächlich: Denk positiv! Nimm‘s leicht! Das wird schon!

Es steckt mehr dahinter. Nick Vujicic ist Christ und er sagt das auch. Der alte christliche Dreiklang klingt hörbar bei ihm durch.

Der Glaube ist seine Grundlage. „Nachdem ich entschieden hatte, mich nicht umzubringen, dachte ich: Wenn Gott einen Plan für mich hat, dann will ich wissen, was für einen!“ Nick hat für sich eine Antwort gefunden und sagt sie auch anderen: „Wenn ich selbst keine Wunder erlebe, kann ich immer noch ein Wunder für jemand anderes sein!“ Sagt es und wippt auf seinem kleinen Füßchen; er selbst ist ein lebendes Beispiel dafür.

Die Liebe zählt für ihn: Die Liebe zu seiner Frau Kanae, mit der er seit 2012 verheiratet ist: „Ich kann zwar nicht ihre Hand halten – aber ihr Herz.“ Die Liebe zu seinen beiden Kindern, mit denen er auf dem Trampolin tollt. Oder auch die Liebe für Menschen, die eigentlich keine Liebe verdient haben, sagt er, und erzählt die bewegende Geschichte einer Bordellmutter in Indien, die nach langer Behinderung eine wundersame Heilung erlebt hat.

Und nicht zuletzt die Hoffnung. Nicks wichtigster Gedanke ist der: „Wenn jemand wie ich es schaffen kann, dann schaffst du es auch! Und du musst dabei nicht ‚perfekt‘ sein!“ Gleich witzelt er wieder: „Sehe ich etwa so aus, als ob mir etwas fehlt?“, ruft er in die Zuschauermenge – und antwortet: „No!“ Und das hat seinen tieferen Sinn: „Ich bin nicht ‚der Mann ohne Arme und Beine‘, sondern ein göttliches Königskind!“ Humorvoll schiebt er nach – indem er auf die Gemeinschaft von Christen in aller Welt verweist: „Seht her, ich bin euer Halbbruder!“

„Leben ohne Limits“ heißt Nicks Motto. Er hat viele persönliche Grenzen überwunden, war Surfen, Skateboarden, Golfen, Tauchen, ist mit dem Fallschirm abgesprungen … Hat er noch eine „Löffelliste“ der Dinge, die er unbedingt noch machen möchte? Nein, meint er, er will vor allem für seine Familie da sein.

Wenn er von Reisen heimkommt, erzählt er, hat er „1.189 SMS“ auf dem Smartphone, die er alle gern beantworten würde. Aber seine Frau legt sein Handy dann ganz oben auf ein Regal, wo er auf keinen Fall rankommt.

Infos auf Nicks Webseite: www.nickvujicic.com

 

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Judy Bailey

Interview: Jörg Podworny

„Wir sind eine Welt“

Die Sängerin Judy Bailey über Songs zwischen Reggae und Disco und die vereinende Kraft der Musik.

Judy, du bist schon von deiner Lebensgeschichte her – auf Barbados aufgewachsen, jetzt in Deutschland – eine Weltmusikerin und Weltbürgerin, die in vielen Teilen der Welt unterwegs ist. Welche Rolle spielt das für deine Art, Musik zu machen?

Es hat auf jeden Fall etwas miteinander zu tun. Ich bin auf Barbados aufgewachsen – das ist sowieso viel Reggae, Rhythmus, Calypso, afrikanische Einflüsse … Aber auch da hatte ich schon viele Poplieder in meinem Kopf. Und das ist weiter gegangen, seit ich mit Musik um die Welt reise: Was ich erlebe, das taucht auch in meiner Musik auf. Was mir gefällt, das fließt mit ein, auch unbewusst. Und wenn Leute fragen: „Wie nennst du deine Musik?“, dann ist das wirklich schwer zu beantworten. Weil es ist so gemischt: Reggae, Rock, Soul, Balladen, auch ein Disco-Song ist auf meinem neuen Album. Es ist schwer für mich, zu sagen: Das ist jetzt meine Musik. Es ist alles meine Musik irgendwie.

„Judy-Music“ sozusagen.

Ja, wirklich (lacht). Und Menschen aus buchstäblich aller Welt singen mit mir gemeinsam.

Neue Lieder haben oft zu tun mit Erinnerungen und Begegnungen. Gibt es im Rückblick auf die vergangenen Monate besonders bewegende Geschichten?

Oh, da gibt es einige! Ich habe eine ruhige Ballade getextet: „Let love have the last word“. Die habe ich geschrieben, als mein Schwiegervater gestorben ist. Das war keine einfache Geschichte. Vieles war nicht gelöst. Es gab noch viele Fragen, es war eine Herausforderung für die ganze Familie. Und das Lied soll ausdrücken: Obwohl man nicht alles versteht, soll die Liebe das letzte Wort haben – ohne dass es naiv oder simpel ist. Egal, was deine Gefühle sagen: Lass Liebe das letzte Wort haben! Auch wenn es schwer ist – lass nicht deine Wut oder deine Gefühle gewinnen! Das hat natürlich viel mit Vergebung zu tun.

Und eine zweite Geschichte: Als bei uns im Dorf viele Flüchtlinge ankamen, sind nach einiger Zeit ganz viele Leute zusammengekommen und wir haben ein Begegnungsfest gefeiert. Daraus ist das Lied „Home“ entstanden: ein Lied über Zuhause, besonders für die Flüchtlinge in meinem Dorf. Es begleitet uns irgendwie jeden Tag.

Gleichzeitig lag mein Bruder in diesen Tagen auf dem Sterbebett. Er hatte nicht das beste Verhältnis zu meinen Eltern, aber jetzt war er wieder zu Hause. Und als er gestorben ist, war das auch wie nach Hause gehen, zu Gott.

Zwei sehr eindrückliche Geschichten. Nun hat das Album den Titel One – und es trägt diesen Titel nicht einfach so …  

Ja. Ganz allgemein heißt „One“: Egal, wer du bist, wo du herkommst, wie du aussiehst und nach welcher Religion du lebst – wir sind eins! Durch die Adern jedes Menschen fließt Blut, jeder atmet, kennt Enttäuschungen, hat Freude: Wir teilen so viel gemeinsam. Als Christ heißt „One“ für mich: Wir sind eins, egal welcher Glaubensrichtung wir angehören, wenn wir den grundsätzlichen Kern des Glaubens haben. Und zusammen: Wir sind eine Kirche, haben einen Glauben, eine Hoffnung. Wir sind eine Welt.

Was ist dein Wunsch, wenn Menschen sich begegnen, wenn sie deine Musik hören oder auch gemeinsam singen?

Ich wünsche mir, dass meine Musik Leute zusammenbringt, dass wir zusammen tanzen und singen und sehen, dass wir eins sind. Und wenn wir von unserem Glauben singen, dann kann man den nicht sehen, nicht mit Händen greifen. Aber ich hoffe, dass Menschen es spüren und dass der Glaube anziehend ist für Menschen. Dazu möchte ich ermutigen mit meiner Musik.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Daniel Kallauch

Interview: Bettina Wendland

Kinder stark machen

Über ein Vierteljahrhundert steht Daniel Kallauch schon auf der Bühne. Und macht dabei nicht nur eine professionelle Show für Kinder und Eltern, sondern vermittelt auch wichtige Werte.

Du bist seit über 25 Jahren Kindermusiker. Macht es dir immer noch Spaß?

Ja, es macht mir richtig Spaß. Vor einigen Jahren dachte ich, mit Mitte 50 mache ich mehr für Erwachsene. Aber dann hatte ich so etwas wie ein Gotteserlebnis, wo ich auf einmal wusste: „Du bist und bleibst bei den Kindern.“ Das war befreiend für mich.

Wie bist du denn überhaupt zur Kindermusik gekommen?

Seit ich 16 bin, bin ich mit Musik unterwegs – zuerst mit einem Freund, dann mit Anke, meiner Frau. Bei meiner ersten Arbeitsstelle als Vikar bin ich im Kinderbereich gelandet. Der Diakon brauchte für einen Einschulungsgottesdienst ein Lied zur Speisung der 5.000. Da ich kein passendes Lied kannte, habe ich eins geschrieben: „4999 und 1“. Danach entstand ein Kinderlied nach dem anderen und die kamen viel besser an als die Lieder, die ich vorher gemacht hatte.

Ist der Willibald auch schon 26 Jahre dabei?

Ja. Vom ersten Kinderkonzert im Januar 1991 bis heute. Der Spaßvogel sah zwar noch etwas anders aus, hatte aber immer seinen Charakter, der sich im Lauf der Jahre weiterentwickelte. So wie bei mir!

Wie hast du das Bauchreden gelernt?

Bei einen Wochenend-Kurs. Mit dem Bauchreden ist es wie mit dem Klavierspielen. Man braucht eine halbe Stunde, um zu wissen, wo welcher Ton ist. Aber es dauert zehn Jahre, bis es klingt.

Du hast in den letzten  Jahren viele Kinder erlebt. Würdest du sagen, dass die Kinder sich verändert haben?

Ja, die Aufnahmefähigkeit hat nachgelassen. Aber auch die Eltern haben sich verändert. Viele sind nicht mehr so konzentriert dabei. Bei fast jedem Auftritt gibt es eine Mutter, die mit ihrem Kind auf dem Schoß ihr Smartphone bearbeitet. Für die Veranstalter ist es auch nicht leichter geworden. Früher war eine Familienshow oft zwei Wochen vorher ausverkauft. Heute bezahlen die Leute lieber den teureren Tagespreis, um spontan entscheiden zu können, ob sie hingehen.

Hast du dein Showprogramm an diese Veränderungen angepasst?

Eigentlich nicht. Häufig bekomme ich die Rückmeldung von Eltern, sie hätten noch nie erlebt, dass ihr Kind 80 bis 90 Minuten so konzentriert bei einer Sache dabei war. Mal hören sie zu, dann kommt Willibald wieder, kurz darauf heißt es aufstehen zum Mitmachen … Wir wechseln ständig die Impulse, alles mit Regisseur und viel Erfahrung geplant.

Auf deiner neuen CD „Ganz schön stark“ geht es darum, Kinder stark zu machen. Was sind denn die größten Herausforderungen für sie?

In unserer Gesellschaft müssen alle richtig viel Leistung bringen, auch die Kinder schon. Unser Schulsystem ist darauf aufgebaut. Das ist zunehmend eine große Herausforderung für Kinder und Familien. Kreativität zum Beispiel ist kaum gefragt. Ich hoffe, dass ich Kindern, die sensibler und kreativer sind, Mut mache, stark zu sein und zu sich zu stehen.

Wie können Eltern das fördern?

Eltern müssen sich nicht dem Diktat der Schule und der Gesellschaft unterwerfen. Sie sollten den Mut haben, ihren eigenen Weg mit ihren Kindern zu gehen und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entfalten. Eltern dürfen mutig als Vorbilder vorangehen und dem Nachwuchs zeigen, dass nicht immer alles glatt läuft. Sie sollten bereit sein, ihre Kinder mehr in ihr Leben mit hineinzunehmen und ihnen zeigen, wie jemand mit Schwierigkeiten umgeht, der Gott vertraut.

Dieses Interview erschien in der Zeitschrift Family. Jetzt kostenlos testen: www.family.de