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Haltepunkte

Jörg Podworny

Das Kopfkino springt sofort an. Es ist ein ungemein spannender, lebenswichtiger und inspirierender Begriff: Halt. Und er wirft sehr schnell die Frage auf: Wann brauche ich eigentlich Halt?

Ein Halt tut gut, wenn ich unsicher bin. Ich habe das gerade wieder im Urlaub erlebt. Wir waren in Dänemark – und außer dem fröhlichen Begrüßungs-„Hej!“ und Straßenschildern mit der Aufschrift „Knallert forbudt“ (etwa „Hier dürfen keine Motorräder – oder ähnliche Fahrzeuge – fahren“) haben wir nicht ganz viel verstanden und sagen können (glücklicherweise sprechen viele Dänen besser Deutsch als viele Deutsche Dänisch). Wenn ich nicht so recht weiß, was ich sagen soll, gehe ich deutlich unsicherer mit anderen Menschen um. Ähnlich ist es, wenn ich (mit dem Auto) im Nebel unterwegs bin und nicht wirklich sehe, wo es langgeht. Ich brauche Halt, wenn ich rutsche oder zu fallen drohe – wenn es im schlimmsten Fall kein Halten mehr gibt. Nochmal das Beispiel Auto: Mehr als einmal habe ich versucht, auf spiegelglatt vereister Straße zu bremsen … es wurde erst besser, als ich – in umgekehrter Fahrtrichtung – am gegenüberliegenden Straßenrand zum Halten kam.

Überhaupt im Leben: Es wird zumindest komplizierter, wenn nicht überhaupt unmöglich, ein Leben zu führen, in dem es keine Sicherheiten (mehr) gibt, wenn ich nichts habe, woran ich mich (fest)halten kann, keine Orientierung, kein Halteseil; wenn ich nicht weiß, wo’s langgeht oder es kein Halten mehr gibt.

Das gilt ebenso für die Fragen und das Leben im Glauben: Wenn Glaube nichts hat, woran er sich halten kann, wenn Orientierungspunkte fehlen, sorgt das für eine enorme Verunsicherung. Wir wünschen uns, wir hoffen, beten und vertrauen darauf, dass unser, dass mein persönlicher Glaube sich als tragfähig erweist. Gerade dann, wenn es schwierig wird, wenn vieles schwankt und vertraute Planken (vielleicht ganz plötzlich) wegbrechen.

Aber – und das ist das Großartige: Der Glaube an Jesus Christus ist kein verzweifeltes Festhalten an theologischen Richtigkeiten, sondern eine Beziehungs-, eine Vertrauenssache. Es werden ziemlich sicher Schwierigkeiten und unsichere Zeiten oder Momente kommen in meinem Leben. Die meisten könnten dazu ihre Geschichten erzählen. Vielleicht sind diese Zeiten nur ein wenig, vielleicht aber auch richtig ernsthaft bedrohlich. Gut zu wissen, dass Jesus mir gerade dann Halt gibt. Auch wenn ich vieles nicht verstehe, wenn mir selbst die Kraft zum Halten fehlt. Die gute Nachricht darin: Ich muss mich – nicht nur in solch bedrängenden Lagen – nicht selber (fest)halten. Sondern ich werde gehalten. Immer. Daran glaube, darauf vertraue ich.

Ergänzend dazu bedarf es noch eines anderen Haltepunktes: Halt im Sinne von Anhalten, Innehalten. Die Stille und Gegenwart Gottes suchen – als ein Halt zum Auftanken, zu einer neuen Inspiration und Motivation. Im ganz normalen Alltag. Und auch an besonderen Haltepunkten.

Als Redaktion wünschen wir Ihnen für das persönliche wie für das Gemeinde-Leben eine gute Haltung!

 

Dieser Kommentar erschien in Christsein Heute. Jetzt kostenlos testen: www.christsein-heute.de

Hoffnung ist das größte Geschenk

Lydia Riess

 

Im vergangenen Jahr drehte der Musiker Chris Lass gemeinsam mit der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ein Video, in dem zwei Mädchen einander durch ein Geschenk näherkommen. lebenslust hat nach dem Grund für das Video gefragt – und warum Hoffnung ein so wichtiges Geschenk ist.

Chris, was war der Grundgedanke deines Videos?

Ich kenne die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, seit ich ein kleiner Knirps bin, und fand es total stark, darauf hinzuweisen. Wir haben den Song „Power of Prayer“ von meinem Album ausgewählt, das seinerzeit herauskam, also „Kraft des Gebets“. Dazu haben wir eine Geschichte entwickelt, in der es darum geht, etwas zu verschenken, an andere zu denken, für andere da zu sein. Das passt gut zum Thema „Gebet“, denn beim Beten dreht man sich nicht nur um sich selber, sondern tut das für andere, als Fürbitte. Außerdem finde ich: Für andere zu beten ist gut, aber auch etwas für sie zu tun, ist genauso gut, wenn nicht noch besser!

Manche sagen, kleine Gesten wie die Geschenke von „Weihnachten im Schuhkarton“ verändern nicht viel.

Dahinter steckt der Gedanke: „Man muss Großes tun, damit sich Großes bewegt.“ Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das nicht stimmt. Wer bemisst, was groß und was klein ist? Dinge beginnen oft im Kleinen, bevor sie groß werden. Gerade bei der Aktion geht es ja darum, Kindern eine Freude zu machen und ihnen Hoffnung zu schenken. Ihnen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind und dass es Menschen gibt, die sie wertschätzen. Was das für ein Leben bedeuten kann, ist unermesslich und kann in der Verkettung am Ende etwas ganz Großes bewirken!

Als ich noch ein Kind war, haben wir in unserer Gemeinde diese Kartons gepackt für andere Kinder, und wir haben jedes Mal auch Feedback bekommen. Das war immer stark zu sehen, dass da Kinder sind, die sich total freuen!

Wie kann man konkret Hoffnung schenken, nicht nur an Weihnachten, sondern im Alltag?

Indem man anderen Mut zuspricht, anstatt ihre Hoffnungen und Träume in Frage zu stellen. Das würde dazu führen, dass die Menschen um uns herum mutiger werden und Dinge erleben und schaffen, die sie über sich hinauswachsen lassen – und damit auch andere inspirieren. Ich singe viel mit Leuten gemeinsam. Wenn die dann erleben, dass sie eine Atmosphäre verändern mit ihrer Stimme, ihren Liedern, ihren Botschaften – das ist großartig!

So haben wir es auch beim Video erlebt: Mitten im Dreh schüttete es auf einmal so heftig aus allen Wolken, dass alle so durchnässt waren, dass ans Weiterdrehen nicht zu denken war. Gott sei Dank gab es ganz in der Nähe ein Luxushotel, in dem normalerweise nur die ganz „Großen“, Reichen und Berühmten unterkommen. Und die Angestellten dort waren tatsächlich so lieb und haben unsere ganzen Klamotten in den Trockner geschmissen und uns ein paar Föne gegeben – wir haben uns auf den Toiletten eingeschlossen und uns gegenseitig trockengeföhnt. Als die Sonne wieder rauskam, konnten wir weiterdrehen. Sie haben also das Video für uns gerettet, indem sie uns so beschenkt haben.

Warum ist Hoffnung so wichtig für Menschen?

Ich persönlich glaube, dass Hoffnung der Motor ist, der uns erlaubt, Dinge anzupacken. Hoffnung ist die Kraft, die uns erlaubt, Probleme anzugehen, unser Leben zu verändern, den Glauben nicht zu verlieren an andere Menschen und sich selbst. Man sagt ja nicht umsonst: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, ein biblisches Zitat. Ich glaube, dass das wirklich so ist: Wenn wir anderen Menschen Hoffnung zusprechen und sie ermutigen, dann ist das wahrscheinlich das größte Geschenk, das man jemandem machen kann.

 

Dieses Interview erschien im Magazin lebenslust. Jetzt kostenlos testen: www.bundes-verlag.net/lebenslust

Das schwarze Schaf

Lydia Rieß

Biblische Verheißung und Realität – Wo beide weit auseinanderklaffen, gerät die Hoffnung unter Druck. Lydia Rieß arbeitet sich durch den Schmerz hindurch zum Licht.

Seit einer Weile sitze ich schon an meinem Schreibtisch und versuche, eine Predigt für Sonntag zu schreiben. Mein Text ist Psalm 23, dieser Psalm, der seit Jahrhunderten Menschen so große Hoffnung gibt. Ich fühle mich gerade eher von ihm verspottet. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Ich spüre den Mangel deutlich. Meine Mutter hat kürzlich die Diagnose Brustkrebs bekommen – etwas, woran die Mutter einer Freundin vor nicht allzu langer Zeit gestorben ist. Jetzt kämpft sie sich durch die Chemo. „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Ich bin alles andere als satt und erfrischt. Gerade erlebe ich, wie alle um mich herum heiraten. Ich muss dagegen die Zurückweisung eines Mannes verarbeiten, der mir sehr wichtig war. Es ist nicht nur die zweite innerhalb weniger Monate und die was-weiß-ich-wievielte in den letzten Jahren. Diesmal habe ich dadurch auch eine wertvolle Freundschaft verloren. Meine Schuld. Ich hätte besser damit umgehen müssen.

„Du bereitest vor mir einen Tisch.“ Der randvolle Becher enthält gerade nur ein paar Tropfen. Das Studium fordert mehr, als ich geben kann. Und wozu? Der Beruf, auf den mich alle zu drängen scheinen, passt immer weniger zu mir. Mein Traumjob ist unerreichbar. Mehr noch, ich erlebe, wie jemand anderes da erfolgreich ist, wo ich ständig nur scheitere. Wie Menschen, die mir Unterstützung zugesagt haben, mich im Stich lassen. „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.“ Eine Erkrankung, die vor einigen Jahren eine unangenehme OP nach sich zog, hat sich wieder bei mir zurückgemeldet. Noch ein Krankenhausaufenthalt? Hatte ich davon nicht schon genug? Ich bin ein Blatt im Wind, heimatlos und ohne Sicherheiten. Den guten Hirten kann ich momentan nicht sehen. Und trotzdem soll ich nächsten Sonntag von ihm predigen. Soll erzählen, wie sehr Gott uns liebt und versorgt. Eine Liebe und Fürsorge, die ich nicht erlebe. Viel zu lange schon.

Bin ich das schwarze Schaf, das zurückgelassen wurde?

UNVOLLSTÄNDIG

In der Gemeinde treten mir bei Liedern oft Tränen in die Augen. Nicht vor Rührung. Sondern weil sie von Dingen erzählen, die ich infrage stelle. Ich kann sie nicht mitsingen, ohne mich wie eine Heuchlerin zu fühlen. Ich kann Gott gerade nicht „Vater“ nennen. Mir fällt es schwer zu beten. Und wenn ich doch bete, dann ist „Warum?“ eine sehr häufige Frage. Ich will wissen, was das alles soll. Warum manche Dinge sich einfach nicht verändern. Ob es Bedeutung hat. Es sind diese Momente, in denen Glaube und Leben nicht mehr zusammenzupassen scheinen. In denen der Glaube eher den Gott preist, den man sich wünscht, als den, den man erlebt. Ich wünsche mir das eine Bibelwort, das die Sonne wieder aufgehen lässt. Die eine Antwort, die die Wolken beiseiteschiebt. Das eine Erlebnis, das den Nebel auflöst und mich erkennen lässt, dass Gott die ganze Zeit über da war. Gerade in diesen Zeiten wünsche ich mir am meisten, Gottes Liebe zu spüren. Stattdessen spüre ich gerade dort am tiefsten die Sehnsucht nach Geborgenheit, Zugehörigkeit, Sinn und Wert und erahne, dass sie in diesem Leben niemals ganz erfüllt werden wird. Ich spüre meine eigene Unvollständigkeit.

KEINE ERKLÄRUNG

Meine Bachelorarbeit wenig später schreibe ich über das Buch Hiob. Hiob erlebt Leid – mehr noch, sein ganzes Leben zerbricht. Es bleibt nichts mehr übrig. Von Zukunftsperspektiven ganz zu schweigen. Vorher erlebte er, wie Gott ihn segnet und ihm nicht nur alles gibt, was er zum Leben braucht, sondern noch viel mehr darüber hinaus. Es ist leicht, Gott in solchen Phasen zu vertrauen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Und dann bricht alles zusammen. Ohne Erklärung. Manche Theologen sagen, die Szenen im Himmel, in denen Gott mit dem Satan um Hiobs Glauben „wettet“, seien später hinzugefügt worden. Von Leuten, denen dieses „Warum?“ einfach zu groß war und die wenigstens den Ansatz einer Antwort geben wollten. Denn Hiob erhält keine. Etwa vierzig Kapitel lang sitzt er vor Gott, klagt, fragt und darf sich von seinen Freunden auch noch Vorwürfe darüber anhören, dass doch alles seine eigene Schuld ist. Erst ganz am Ende meldet sich Gott selbst zu Wort. Seine Worte sind harsch – und gleichzeitig leuchten sie ein, so unangenehm sie auch sind. Gott erklärt Hiob, dass er kein Recht auf eine Antwort hat. Kein Recht auf eine Erklärung seines Leides. Weil Gott der Schöpfer aller Dinge ist, Herr über die ganze Welt und damit der Einzige, der einen Überblick über alle Geschehnisse und Zusammenhänge hat – und Hiob nicht. Irgendwie verstehe ich es. Gott kann mir nicht die Gesamtzusammenhänge der Welt erklären. Und wenn ich anerkenne, dass Gott größer ist als ich, muss ich auch anerkennen, dass es Dinge gibt, die ich nicht verstehen kann. Trotzdem ist es, milde ausgedrückt, eine sehr unbefriedigende Antwort, wenn man gerade seinen gesamten Besitz, alle Kinder, die gesellschaftliche Stellung und die eigene Gesundheit verloren hat.

GOTT – FREUND ODER FEIND?

Denn das Leben tut trotzdem weh. Kann ich hier noch nachfolgen? Soll ich die Phasen, in denen das Leben schwer ist, einfach aussitzen und mich „in Gottes Hände fallen lassen“? Hoffen, dass Gott mich irgendwie hindurchträgt, meinen Glauben bewahrt und mich schon wieder anspricht, wenn die Zeit „erfüllt“ ist? In jedem Leben gibt es Dinge, die begleiten uns von Anfang bis Ende, ohne jemals besser zu werden, ohne jemals für uns Sinn zu machen. Soll ich sie ignorieren? Gott dort ausklammern?

Nein. Gerade dort nehme ich Gott mit hinein. Auch hier kann ich von Hiob lernen. Auch er hat Wunden, die bleiben. Am Ende bekommt er von Gott zwar alles zurück und hat sogar wieder Kinder – aber die verstorbenen bleiben tot. Mit ihrem Verlust muss er leben, ohne eine Antwort auf seine Klage. In meiner Seelsorgeausbildung habe ich gelernt, dass Klage etwas Gutes ist. Weil sie bedeutet, dass ich mit Gott im Gespräch bleibe. In der Klage darf ich ehrlich sein vor Gott, wie ich es auch vor einem guten Freund wäre. Hier kann ich meine Fragen formulieren, meine Gedanken ordnen und Erwartungen aussprechen. Ich habe Gott sogar schon angeschrien. Und erlebt, dass er das aushält. Klage ist wichtig für meine Beziehung zu Gott. Denn da, wo ich Gott anschweige, erkläre ich ihn zum Feind. In dem Moment, wenn ich ihn doch am meisten als Freund brauche. Es ist ein Gedanke, der mir in meinen dunkelsten Stunden nicht hilft, denn irgendwen muss ich doch verantwortlich machen. Aber: Was nützt es mir, Gott und dem Leben zu grollen? Was ändert sich dadurch? Und kann ich Gott wirklich nur dann vertrauen, wenn ich ihn nachvollziehen kann? Was ist das für ein Gott, auf den ich nicht hoffen kann, solange ich ihn nicht verstehe?

MIT GOTT IM TAL

Ich erlebe, wie Gott mit mir im Gespräch bleibt. Nicht täglich, aber manchmal. Keine Antworten auf meine Fragen. Sondern das, was ich in dem Moment brauche: „Ich bin da. Ich sehe dich. Dein Leben hat Wert. Auch da, wo du dir verzweifelt wünschst, es würde anders verlaufen.“ Einen Vers habe ich bei meiner Predigtvorbereitung noch ausgelassen. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal …“ Erst beim zweiten Lesen erkenne ich: Es ist keine Bitte, vor dem finsteren Tal bewahrt zu werden. Es ist die Bitte an Gott, dort mitzugehen. Sich mit mir gemeinsam durchzukämpfen zu meiner unerfüllten Hoffnung. Ich erinnere mich an etwas, das ich zu oft vergesse: Gott weiß, wie sich Leid anfühlt. Nicht nur am Kreuz hat Jesus gelitten. Sein Leben lang hat er Ablehnung, Mangel und Spott erlebt. Und auch Einsamkeit. Wie oft haben seine engsten Freunde ihn nicht verstanden? Seine eigenen Eltern? Jesus war Mensch. Diese Dinge haben ihn getroffen, wie sie jeden von uns treffen würden. Und glaube ich wirklich, es lässt Gott unberührt, wenn Menschen sich von ihm abwenden, nur weil er Gott ist und alles weiß und kann? Wenn seine Liebe echt ist, enthält sie auch echten Schmerz. Dort, wo Gott mir die finsteren Täler meines Lebens zumutet, aus welchen Gründen auch immer, tut er es nicht von hoch oben herab. Sondern als jemand, der da bereits durchgegangen ist. Als jemand, der möchte, dass ich am anderen Ende heil rauskomme.

GEBROCHEN GLAUBEN

Mal wieder sitze ich an einer Predigt. Ich habe weitere Zurückweisungen erlebt. Weitere Stolpersteine und Rückschläge in meinem beruflichen Werdegang. Meine Mutter hat den Krebs besiegt – vorerst – aber jetzt ist es mein Vater, der zwei Gehirntumore hat. Ich selbst brauchte keine OP. Das kann aber noch kommen. Trotzdem stelle ich mich am Sonntag auf die Kanzel und erzähle von Vertrauen. Von Jesus, der im Sturm auf den Wellen läuft und uns die Hand entgegenstreckt. Und von begründeter Hoffnung. Warum? Weil Gott derselbe bleibt. In den guten und in den schlechten Zeiten. Gerade in solchen Phasen ist Glaube für mich auch eine Entscheidung. Halte ich fest an der Hoffnung, wenn die Stürme der Welt gerade lauter erscheinen als seine Stimme? Glaube ich den Verheißungen, die gültig bleiben, dass ich gerettet, gesegnet und geliebt bin, auch wenn ich konkrete Situationen eher als Fluch empfinde? Noch immer erlebe ich, dass ich Lieder nicht mitsingen kann. Und dann lasse ich es. Erzähle Gott, warum ich es nicht kann. Ich bete darum, dass diese Dinge für mich wahr werden. Ich danke für die vielen kleinen Bereiche, in denen sie es schon sind. Und manche sprechen dann doch: „I will praise you in this storm.“ An manchen Tagen kann ich das. Von ganzem Herzen. Mein Glaube bleibt etwas Gebrochenes. Und das ist in Ordnung, weil es mir nicht die Hoffnung raubt. Denn Gott geht mit. Auch durch das finstere Tal.

Dieser Artikel erschien in DRAN NEXT. Jetzt kostenlos testen: www.dran-next.net

10 Zitate für das Leben

Sarah Lang

1. „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ (Franz Kafka)

2. „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“ (Pearl S. Buck)

3. „Aber die auf den Herrn hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor, wie ein Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.“ (Jesaja 40,31)

4. „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“ (Jim Elliot)

5. „Das Wetter und meine Laune haben wenig miteinander zu tun. Ich trage meinen Nebel und meinen Sonnenschein in meinem Inneren.“ (Blaise Pascal)

6. „Man kann nicht hoffen, die Welt zum Besseren zu wenden, wenn sich der Einzelne nicht zum Besseren wendet. Dazu sollte jeder von uns an seiner eigenen Vollkommung arbeiten und sich dessen bewusst werden, dass er die persönliche Verantwortung trägt, was in dieser Welt geschieht, und dass es die direkte Pflicht eines jeden ist, sich dort nützlich zu machen, wo er sich am nützlichsten machen kann.“ (Marie Curie)

7. „In die ersten Augenblicke des Tages gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, auch nicht der Übereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nähe.“ (Dietrich Bonhoeffer)

8. „Vergebung ist keine einmalige Sache. Vergebung ist ein Lebensstil.“ (Martin Luther King)

9. „Ergreife den Schild des Glaubens und halte Gottes schöne, strahlende Gerechtigkeit in deinem Herzen liebend umfangen.“ (Hildegard von Bingen)

10. „Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt. Ich will euch Ruhe schenken.“ (Jesus im Matthäus-Evangelium 11,28)

 

Diese 10 Zitate erschienen im Magazin LebensLauf. Jetzt kostenlos testen: www.lebenslauf-magazin.net

Mein Lieblingsvers

Von Susanne Tobies

„Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Römer 5,3-5

Ein so unbequemer Abschnitt der Bibel als Lieblingsvers? Wer will schon Bedrängnis, geschweige denn sich dessen rühmen? Ich sicher nicht! Und doch war unsere Familie Ende der Neunzigerjahre in einer existenziellen Bedrängnis – und das für längere Zeit. Ich war emotional am Ende und fragte mich, ob Gott uns überhaupt sieht – keine unserer Bitten hatte er bis dahin erhört. Er schien taub und stumm uns gegenüber zu sein. Wieder einmal saß ich damals mit der Bibel in der Hand und rang mit Gott um Hilfe und Antwort. „Zufällig“ schlug ich Römer 5 auf. Vorher hatte ich diese Sätze nie wirklich verstanden – mir hatte meine Bedrängnis keine Geduld gebracht, und mit meiner Hoffnung war es nach Jahren unbeantworteter Gebete auch nicht mehr weit her.

Doch genau in diesem Moment passierte das Wunder, von dem der Vers sprach: Die Liebe Gottes wurde „ausgegossen in mein Herz durch den Heiligen Geist“. Ich wusste auf einmal mit absoluter Sicherheit, dass Gott mich liebt und daher auch nicht vergessen hat. Das war ein überwältigendes Gefühlserlebnis, das ich nie vergessen werde. Seitdem bin ich überzeugt, dass Gottes Liebe das Allerwichtigste ist, über das ich Gewissheit haben muss, damit ich befreit und unbesorgt leben kann. Alles andere tritt dagegen in den Hintergrund – unsere Lebensumstände, unsere Schwierigkeiten und sogar die erhoffte Hilfe. Heute glaube ich, dass meine „Bewährung“ darin bestand, trotz aller Bedrängnisse und Verwirrung beharrlich an Gott festzuhalten. Und Gott hat seine Zusage wahr gemacht: Hoffnung lässt uns nicht zuschanden werden; er hat uns damals geholfen, so wie wir es uns niemals selbst hätten ausdenken können. Immer wenn ich heute in Bedrängnis komme, erinnere ich mich daran, dass Gott mich liebt. In dieser Geborgenheit kann ich es wagen, auch schwierigen Situationen ins Auge zu schauen – und auf Gott zu vertrauen.

Susanne Tobies ist Redaktionsassistentin beim Magazin AUFATMEN. Jetzt kostenlos testen: www.aufatmen.de

Nick Vujicic

von Jörg Podworny

Der Hoffnungs-Botschafter

Nick Vujicic ist ein Phänomen: Er hat keine Arme und Beine. Aber als witziger und nachdenklicher Motivationscoach begeistert er Millionen Zuhörer in aller Welt. Protokoll eines Deutschland-Besuchs:

Auftritt. Nick. Oben auf der Leinwand flimmern Szenen aus seinem Leben, Besuche in Afrika, in Asien. Auftritte vor jungen und älteren Zuhörern. Lachende Menschen, nachdenkliches Publikum. Umarmungen. Währenddessen teilt sich unten der Vorhang und ein kantiger roter Rollstuhl mit kleinen Rollen wird auf die Bühne geschoben. Ein Mitarbeiter packt sich mit beiden Armen den Mann im Rollstuhl – es sieht ein wenig so aus, als ob ein voller Seesack gehoben wird – und setzt ihn vorn auf der leicht erhöhten Extra-Bühne ab.

Gespannt richten sich über 5.000 Augenpaare in der Halle auf den nur rund 80 Zentimeter kleinen Mann. Wegen ihm sind sie heute hier in die Arena nach Oberhausen gekommen, wollen hören, was er aus seinem Leben erzählt: Nick Vujicic. Was erwarten seine Zuhörer? Nun, sagt Nick, die Fragen sind überall auf der Welt gleich: „Warum bin ich eigentlich hier? Wo finde ich Hoffnung, gerade dann, wenn’s mir dreckig geht? Wie finde ich Frieden für meine Seele? – Eine echte Hoffnung ist alles.“ Und die Zuhörer bewundern seinen Mut, seine Fröhlichkeit, der man sich nur schwer entziehen kann, und seine Lebenskraft. Er inspiriert, motiviert, bringt zum Lachen und „zündet einen Funken“, wie viele bekennen.

Nick Vujicic (33) ist Australier serbischer Abstammung und lebt heute in Los Angeles. Er wurde wegen eines seltenen Gendefekts ohne Arme und Beine geboren, hat nur einen kleinen linken Fuß mit zwei Zehen am Rumpf, mit dem er erstaunlich beweglich ist. Als 10-Jähriger denkt er darüber nach, sich in der Badewanne zu ertränken, überlegt es sich aber im letzten Moment anders. Danach stürzt er sich ins Leben, lernt mit E-Rollstuhl und Joystick zu fahren oder zu telefonieren (ohne Arme!), düst auf dem Skateboard über die Pisten und surft auf dem Brett vor der Küste von Hawaii. Heute reist er als Motivationstrainer, Sprecher und Buchautor um die Welt. Er hat in seinen Vorträgen vor mehr als drei Millionen Menschen gesprochen, dabei nach eigener Zählung fünf Millionen (Flug-) Kilometer in etwa 2.500 Flugzeugen zurückgelegt. In Deutschland hat Nick im Sommer nur diesen einen Auftritt, schon am nächsten Tag jettet er weiter, ans andere Ende des Globus, nach Malaysia, Singapur und auf die Philippinen. Er wird von Regierungen und Gemeinden eingeladen, referiert in Schulen und großen Veranstaltungshallen wie hier.

 

„Low Two“ statt „High Five“

Eine zentrale Botschaft Nicks wird schnell klar: „Du bist wunderbar – so, wie du bist!“ Wenn einer wie er das sagt, nimmt man ihm das sofort ab. Und es geht weiter: Dankbarkeit, der nächste bedeutsame Punkt; dankbar zu sein für das, was man hat, statt zu meckern über das, was man nicht hat. „Ein gebrochenes Herz kann schlimmer sein als keine Arme und Beine zu haben“, sagt er. Nick redet häufig in solchen Gegensatz-Beispielen, um seine Gedanken zu verdeutlichen.

Er tut das höchst unterhaltsam. Es macht ihm sichtlich Spaß zu erzählen: Einmal hat er in Flugkapitäns-Uniform die verdutzten Fluggäste beim Einsteigen begrüßt. Ein anderes Mal, im Straßenverkehr, ist der Fahrerin im Auto neben ihm die Kinnlade herunter geklappt, als er sich auf seinem Autositz einmal um 360 Grad gedreht hat. Nick Vujucic ist ein guter Entertainer, der knochentrocken seine Pointen abfeuert: „Manchmal nervt mich die viele Aufmerksamkeit auch. Dann tarne ich mich – setze eine Sonnenbrille und einen Hut auf …“

Seinen Zuhörern nimmt er schnell die Befangenheit, weil er sich ständig selbstironisch auf die Schippe nimmt. Während er noch berichtet, dass sein Vater nach der Geburt fast in Ohnmacht gefallen wäre, erzählt er, wie er mit seinen Handicaps umgeht: Dann spricht er von Daniel Martinez, einem Jungen, der ähnlich behindert ist wie er, und wie er sich mit ihm „abklatscht“. Weil das mit Händen nicht geht, „High Five“ also ausscheidet, muss eben das „Low Two“ der beiden Stummel-Zehen herhalten.

Der Witz mit Herz ist aber nicht alles. Nick Vujicic präsentiert sich ebenso als nachdenklicher, ruhiger Typ, der über Gott und die Welt nachgedacht hat. Ein wichtiges Thema für ihn sind junge Menschen, Teenager. Er hat in den USA in Schulen geforscht und herausgefunden, dass 40 von 1.000 Schülern Selbstmordgedanken haben. Weil sie gemobbt werden. Darum mahnt er: Überlegt euch gut, was ihr zu anderen sagt! Darum spricht er oft über Selbstannahme und sagt: „Du musst nicht ‚perfekt‘ sein!“

 

Glaube. Liebe. Und Hoffnung.

Dabei lautet seine Botschaft nicht oberflächlich: Denk positiv! Nimm‘s leicht! Das wird schon!

Es steckt mehr dahinter. Nick Vujicic ist Christ und er sagt das auch. Der alte christliche Dreiklang klingt hörbar bei ihm durch.

Der Glaube ist seine Grundlage. „Nachdem ich entschieden hatte, mich nicht umzubringen, dachte ich: Wenn Gott einen Plan für mich hat, dann will ich wissen, was für einen!“ Nick hat für sich eine Antwort gefunden und sagt sie auch anderen: „Wenn ich selbst keine Wunder erlebe, kann ich immer noch ein Wunder für jemand anderes sein!“ Sagt es und wippt auf seinem kleinen Füßchen; er selbst ist ein lebendes Beispiel dafür.

Die Liebe zählt für ihn: Die Liebe zu seiner Frau Kanae, mit der er seit 2012 verheiratet ist: „Ich kann zwar nicht ihre Hand halten – aber ihr Herz.“ Die Liebe zu seinen beiden Kindern, mit denen er auf dem Trampolin tollt. Oder auch die Liebe für Menschen, die eigentlich keine Liebe verdient haben, sagt er, und erzählt die bewegende Geschichte einer Bordellmutter in Indien, die nach langer Behinderung eine wundersame Heilung erlebt hat.

Und nicht zuletzt die Hoffnung. Nicks wichtigster Gedanke ist der: „Wenn jemand wie ich es schaffen kann, dann schaffst du es auch! Und du musst dabei nicht ‚perfekt‘ sein!“ Gleich witzelt er wieder: „Sehe ich etwa so aus, als ob mir etwas fehlt?“, ruft er in die Zuschauermenge – und antwortet: „No!“ Und das hat seinen tieferen Sinn: „Ich bin nicht ‚der Mann ohne Arme und Beine‘, sondern ein göttliches Königskind!“ Humorvoll schiebt er nach – indem er auf die Gemeinschaft von Christen in aller Welt verweist: „Seht her, ich bin euer Halbbruder!“

„Leben ohne Limits“ heißt Nicks Motto. Er hat viele persönliche Grenzen überwunden, war Surfen, Skateboarden, Golfen, Tauchen, ist mit dem Fallschirm abgesprungen … Hat er noch eine „Löffelliste“ der Dinge, die er unbedingt noch machen möchte? Nein, meint er, er will vor allem für seine Familie da sein.

Wenn er von Reisen heimkommt, erzählt er, hat er „1.189 SMS“ auf dem Smartphone, die er alle gern beantworten würde. Aber seine Frau legt sein Handy dann ganz oben auf ein Regal, wo er auf keinen Fall rankommt.

Infos auf Nicks Webseite: www.nickvujicic.com

 

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