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Tore schiessen!

Christian Gunka

Was im Sport völlig klar ist, scheint noch keine Selbstverständlichkeit fürs geistliche Leben zu sein.

Die Allianz Arena ist ausverkauft. Die Vereinshymne füllt die Luft mit Musik – es ist der Klassiker, das Derby, der Kampf um die Meisterschaft. Nervös kaust du auf den Nägeln, kannst es kaum erwarten – und endlich geht es los! Lewandowski passt den Ball zu Müller. Müller kickt rüber an die rechte Seitenlinie zu Kimmich. Der dreht sich zweimal um sich selbst, macht einen kunstvollen Übersteiger und erntet den anerkennenden Applaus seiner Mitspieler. Der Pass kommt zu Boateng. Er stoppt den Ball, tritt zur Seitenlinie und präsentiert den jubelnden Massen seine neuen, glitzernden Fußballschuhe. Jetzt schlenzt er den Ball zu Neuer, der sich mit einer wunderschönen Ausholbewegung … sein eigenes Autogramm auf das Trikot kritzelt! Und so geht das Spiel weiter, die Stars schieben sich die Kugel hin und her und sind am Ende noch nicht mal über die Mittellinie gekommen. Was für ein grottiger Kick!

Jesus auf dem Trainerposten?

Weißt du, was erschreckend ist? Christen verhalten sich oft genauso wie gerade beschrieben. Sie passen den Ball von Worship-Night zu Gemeinde-Café, kicken rüber zum nächsten Gebetstreffen und präsentieren einen glitzernden JuGo. Dass jemand dabei Jesus kennen und lieben lernt und sein Leben auf den Kopf gestellt wird, passiert allzu selten … Leider haben wir nämlich verlernt, was es heißt, ein „geistliches Tor“ zu schießen. Was uns im Sport völlig logisch erscheint, geht auf geistlicher Ebene verloren. In den letzten Stunden auf der Erde hat Jesus seinen Jüngern einen klaren Spielplan gegeben: „Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Matthäus 28,19-20 a). Jesus möchte, dass seine Jünger Tore schießen, und das sieht ungefähr so aus: Menschen kommen von der Dunkelheit zum Licht. Sie lernen Gott kennen, ordnen ihm ihr Leben unter und werden nach und nach geschult, wie der praktische Alltag mit Jesus auf dem Trainerposten aussieht.

Der Auftrag

Bist du sein Jünger? Dann ist dieses große Bild dein Auftrag. Wenn Menschen durch Jesu Liebe und sein Evangelium neues Leben bekommen, wächst die Kirche, sein Leib. Je mehr Menschen das erfahren, desto besser! Gottes Traum ist es, dass deine Gemeinde vor Ort einen klaren Plan hat, wie sie Menschen für Jesus begeistert und zu Jüngern macht. Und er möchte, dass du mit deinem Leben dazu beiträgst, dass Familie, Freunde, Mitschüler, Bekannte und Kommilitonen ihr Leben Gott anvertrauen und geistlich wachsen. Gott hat mir persönlich vor einigen Monaten einen „Matthäus-28-Spiegel“ vor Augen gehalten. Ich musste erkennen, dass ich seinen Auftrag nur teilweise verfolgte. Obwohl ich durch meinen Beruf in Jugendfreizeiten, Klassenfahrten oder Musicalcamps viel über Jesus geredet und anderen gute Tipps zur Jüngerschaft gegeben habe, waren in meinem persönlichen Leben geistliche Tore eher Mangelware. Ich habe Gott um Vergebung gebeten und ihm versprochen, mein gesamtes Leben neu seinem großen Ziel unterzuordnen. Natürlich geht diese Veränderung nicht von heute auf morgen. Aber es begeistert mich zu sehen, wie viele Gelegenheiten Gott schenkt, in denen ich für ihn Salz und Licht sein darf. Plötzlich drehen sich Gespräche beim Abendessen mit Freunden viel mehr um sinnvolle Themen, um Jesus und die Gemeinde oder sie werden zu Seelsorgegesprächen. Wir erzählen uns als Familie von den Erlebnissen, die wir mit Gott gemacht haben, und ich staune, wie meine Kids mich manchmal glaubensmäßig herausfordern oder überholen. Ich überlege gezielt, wen ich zu uns nach Hause einlade oder in welche Beziehung ich investieren kann.

Geistliche Anzeigetafel

Wünschst du dir dasselbe? Top! Jesus ist stolz auf dich! Und damit du motiviert bleibst, hier ein kleines Hilfsmittel – das „Scoreboard“: Du hast sicher schon mal beobachtet, wie unterschiedlich die Atmosphäre ist, wenn man ein Spiel mit oder ohne Punkte bestreitet. Egal ob Uno, Fussball, Tanzen oder Diät – es wird plötzlich viel intensiver, wenn man die Stoppuhr einschaltet oder auf der Anzeigetafel ein Ergebnis aufleuchtet. Man weiß genau, wie es steht, ob man sein Ziel erreicht oder die Strategie ändern muss. Probiere das in deinem Christsein: Führe ein „Scoreboard“, eine „geistliche Anzeigetafel“, ein. Denn Erfolg im Sinne von Matthäus 28 ist messbar (siehe z. B. Matthäus 13,23 oder Galater 5,22 ff.) – die biblischen Früchte sind sozusagen der geistliche Punktestand. Versteh mich nicht falsch: Es geht nicht darum, dass Gott nur mit dir zufrieden ist, wenn du genug leistest. Gott liebt dich ganz ohne dein Zutun. Aber weil du genau das in deinem Leben erfahren hast, darfst und musst du es weitergeben – aus Liebe! Das, was dich begeistert, sollen auch andere erleben. Und es hilft ungemein zu überprüfen, ob diese Botschaft tatsächlich ankommt oder nicht.

Beziehungsbasis

Wie sagst du deinen Freunden ganz praktisch, dass Gott sie liebt? Als Erstes betest du, am besten gemeinsam mit anderen zusammen. Du kannst niemanden zwingen, Gott zu lieben, aber du kannst für ihn beten. Deine Freunde können deine Argumente ablehnen oder deine Logik nicht verstehen. Aber sie können dich nicht daran hindern zu beten. Kolosser 4,3 sagt: „Betet auch für uns, damit Gott uns eine Möglichkeit gibt, sein Geheimnis zu verkünden: die Botschaft von Christus.“ Weißt du, was passiert, wenn du um Gelegenheiten bittest? Plötzlich siehst du sie überall! Aber bevor du von Jesus erzählst, musst du Beziehungen aufbauen. Was sind eure gemeinsamen Erfahrungen, Interessen und Bedürfnisse? Was könnt ihr gemeinsam unternehmen, damit Vertrauen entsteht und sich so die Tür für Jesus ein Stück weiter öffnet? Und am Ende überprüfst du, ob dein Einsatz deine Freunde näher zu Gott gebracht hat und das Scoreboard des Teams „Reich Gottes“ gute Neuigkeiten verkündet. Du darfst mutig sein – denn im Gewinnerteam bist du sowieso schon!

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Das umgekehrte Prinzip

Melanie Pongratz

Leiten und dienen, widerspricht sich das nicht? Von wegen – Jesus lebt uns vor.

„Jesus aber wusste, dass der Vater ihm Macht über alles gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und wieder zu Gott ging. Er stand vom Tisch auf, zog sein Obergewand aus und band sich ein leinenes Tuch um. Dann goss er Wasser in eine Waschschüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen, das er sich umgebunden hatte.“ (Johannes 13,3-5) So ist er – unser Jesus. König der Könige. Gottes Sohn. Boss des Universums. Krassester Typ. Und da kniet er im Staub, schnappt sich die dreckigen Füße seiner Jünger, wäscht sie und will ihnen damit etwas sehr Wichtiges klarmachen: Leiter sind Diener.

Dieses Konzept klingt erst mal widersprüchlich. Wie kann ich, als Leiter, gleichzeitig Diener sein? Werde ich dann nicht schlicht und ergreifend ausgenutzt? An der Nase rumgeführt? Verliere ich so nicht meine Autorität?

Kein Widerspruch

Dienende Leiterschaft ist eine Haltung, die mittlerweile in der Unternehmenskultur weltweit zu einem Erfolgskonzept für Führungskräfte geworden ist. Bekannt als Servant Leadership, finden sich allerhand Studien, Blogbeiträge und Bücher zu einem Thema, das für uns Christen eigentlich schon ein alter Hut ist.

Laut Hans Lutz Merkle, dem früheren Vorsitzenden der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, sind Dienen und Führen auch keine Gegensätze. In seinen Augen geht die Eignung zum Leiten aus der Bereitschaft zum Dienen hervor. Wissenschaftlich hat es ein Forschungsteam der Uni Istanbul untermauert. Die Ergebnisse von Studien mit insgesamt 148.501 Personen zum Zusammenhang von Leiterschaft und Jobzufriedenheit zeigen: Die größte Zufriedenheit herrscht beim Führungsstil der dienenden Leiterschaft. Und während Jesus jetzt vor meinem geistigen Auge in seinen Bart schmunzelt „War doch klar! Hab’ ich euch doch auch schon vorgemacht!“, sollten wir uns mal genauer anschauen, was das denn nun für Auswirkungen auf unser Handeln hat.

Das Beste rausholen

Der ehemalige CEO von Motorola, B. Galvin, definiert diese Art von Leiterschaft so: „Wir messen die Effektivität eines wahren Leiters nicht anhand seiner Führung, die er ausübt, sondern anhand der Führungsfähigkeiten, die er in anderen hervorruft; nicht anhand seiner Macht über andere, sondern anhand der Macht, die er in anderen freisetzt; nicht anhand der Ziele, die er setzt, und der Richtung, die er vorgibt, sondern anhand der Pläne, die andere mit seiner Hilfe für sich selbst erarbeiten; nicht anhand seiner getroffenen Entscheidungen oder durchgezogenen Events, sondern anhand des Wachstums an Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Zufriedenheit seiner Mitarbeiter.“

Dienende Leiterschaft ist also darauf bedacht, den anderen zu ehren und voranzubringen, das Beste aus ihm rauszuholen, damit er sein volles Potenzial entfalten kann. Heißt: Ich weiß, ich mache meinen Job als Leiter richtig, wenn mein Mitarbeiter, Mentee oder Trainee, ein noch viel geilerer Leiter wird. Als ich das erste Gespräch mit meiner Mentorin hatte, meinte sie: „Ich will all mein Wissen und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, an dich weitergeben und mich so investieren, dass du voll an mir vorbeiziehst und noch krasser wirst, als ich es je sein könnte!“ – Was für ein Privileg und eine Riesenehre, sowas gesagt zu bekommen. Und als Leiterin ein starkes Statement, das von Demut und einem dienenden Herzen zeugt. Denn dieses Herz weiß, wo es steht und welche Identität es hat.

Feste Identität

So auch bei Jesus. Jesus wusste, wer er war, zu wem er gehörte und wohin er ging. Aus dieser Identität heraus war es gar kein Problem, sich auf den Boden vor seine Jünger zu knien und allen die Füße zu waschen. Tatsächlich steht vor der Fußwaschung folgendes: „Jesus wusste, dass für ihn die Zeit gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zu gehen. Darum gab er denen, die in der Welt zu ihm gehörten und die er immer geliebt hatte, jetzt den vollkommensten Beweis seiner Liebe.“ (Johannes 13,1)

Dienende Leiterschaft als vollkommener Liebesbeweis. Eigentlich schon Grund genug. Aber Jesus führt seine Erklärung noch etwas mehr aus: „Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Denkt daran: Ein Diener ist nicht größer als sein Herr, und ein Bote ist nicht größer als der, der ihn sendet.“ (Johannes 13,14-16)

Ernten, was man sät

Auf Leiterschaft bezogen heißt das also: Was ein Leiter pflanzt, wächst auch in seinen Mitarbeitern weiter. Was ich vorlebe, übernehmen auch die Leute, die ich anleite. Ich kann zwar lehren, was ich weiß, aber ich reproduziere dann ja doch das, was ich bin. Wenn ich also das Potenzial aus anderen raushole, so werden auch sie das tun. Wenn ich mich so investiere, dass andere durch den Cocktail meines Wissens und meiner Erfahrungen, gemixt mit ihren Gaben und Talenten, weit an mir vorbeiziehen, dann werden sie sich genauso in andere investieren. Wenn ich vorlebe, wie man ganz natürlich und ohne Fremdschäm-Attacken vom Glauben und dem Evangelium erzählt, dann werden sie das Gleiche tun. Und so werden die Menschen um sie herum nicht nur zu Jesu Nachfolgern, die brav ihr Christsein perfektionieren, sondern zu echten Jüngern, die den Auftrag Jesu ernst nehmen und sich weiter in ihr Umfeld investieren.

Dienende Leiterschaft ist also definitiv etwas, das die Welt braucht. Nicht nur von CEOs, Pastoren und Ältesten, sondern von uns allen. Denn, dass wir alle Leiter sind und Menschen beeinflussen, ob wir wollen oder nicht, das haben wir schon in der ersten Ausgabe dieser Kolumne festgenagelt. Also, auf die Füße, fertig, los!

 

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Richtungsweisend im Auftrag Gottes

Artur Wiebe

Menschen in Leitungspositionen finden im Gemeindekontext oft zu wenig Unterstützung, meint Artur Wiebe. Dabei ruft Gott in die Verantwortung.

Als Pastor im Main-Taunus-Kreis sind mir immer wieder Menschen begegnet, die gesellschaftlich und beruflich in hohen Positionen leidenschaftlich Verantwortung tragen. Doch ihre Lebenswelt und ihre Themen kommen in der christlichen Gemeinde und Kirche so gut wie gar nicht vor. Während der Arbeitswoche abends tauchen sie – wenn überhaupt – wie ein Fremdkörper in den Hauskreis und das Gemeindeleben ein. Sie leben die Woche über in einer Welt und am Wochenende in einer anderen.

Manager als Fremdkörper

Diese Frauen und Männer stehen als Projektmanager/-in, Geschäftsführer/-in, leitende Angestellte und Politiker an exponierter Stelle und machen ihren Job mit Leidenschaft und Hingabe. Aber im Rahmen der christlichen Gemeinde sind sie selten Thema, dafür umso öfter Ziel kirchlicher Gesellschaftskritik, so als seien sie für alle „unchristlichen Gesellschaftsentwicklungen“ mitverantwortlich. Besonders Banker kamen in den vergangenen Jahren aufgrund der Finanzkrise besonders schlecht weg.

Wissenschaftler, Lehrer und Forscher stehen im Gemeindekontext nicht selten im Verdacht, mit dem christlichen Glauben zu fremdeln, da sie vermeintlich im Konflikt mit den biblischen Glaubensaussagen forschen und lehren. Und tatsächlich stehen der Schöpferglaube und ein „methodischer Atheismus“ als Forschungsgrundlage in Spannung zueinander – besonders in den Humanwissenschaften, der Physik und Biologie. Wo gibt es Tipps und Hilfestellungen mit dieser Spannung Glaube und Wissenschaft umzugehen?

Gemeindliche Hilfestellung Fehlanzeige

Kritisiert wird viel, doch Hilfestellung findet kaum statt. Diesen gesellschaftlich richtungsweisenden Christinnen und Christen werden von Gemeindeseite kaum konstruktive biblische Prinzipien, Leitlinien und Weisheiten an die Hand gegeben, die sie befähigen, gute und weise Entscheidungen in ihrem beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeitsfeld zu treffen und mit der großen Spannung zwischen Glaube und Lebenswelt umzugehen. Maximal treffen sich gleichgesinnte und Betroffene untereinander in gegenseitig stärkenden Spezialgruppen und Vereinigungen – außerhalb des Gemeindeumfeldes.

Die Auswirkungen sind fatal: Junge Menschen in der Gemeinde, die Leitungsbegabung haben und Verantwortung übernehmen wollen, bekommen dadurch den Eindruck vermittelt, dass christliche Gemeinde und der Job in einer gesellschaftlichen Führungsposition nichts miteinander zu tun haben. Mit der bedauernswerten Folge, dass je erfolgreicher die Karriere ist, desto mehr der Exit aus dem gemeindlichen Kontext erfolgt. Oder der Glaube an Jesus Christus wird in den berufsintensiven Jahren gleich ganz an den Nagel gehängt oder auf unbestimmte Zeit in die fromme Mottenkiste gelegt. Zum Leidwesen der Menschen und der Gemeinde, weil Menschen christliche Gemeinschaft brauchen und die Gemeinde Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen.

Leiten als gemeindliches Stiefkind

Im kirchlichen Raum vor Ort wird selten aktiv Mut gemacht, verantwortliche Positionen in der Gesellschaft, der Wirtschaft, Forschung und Politik als Berufung Gottes anzustreben. Sie gelten als prinzipiell verdächtig. Die Kirche Jesu Christi erweckt so den Anschein, als sei sie nur etwas für den kleinen Mann und die kleine Frau. Wenn man von „Berufung“ spricht, steht einem maximal der Dienst als hauptamtlich Tätigen vor Augen und nicht die Chefetage eines mittelständischen Betriebes oder der Dienst als Chefarzt Krankenhauses. Dies ist eine Prägung, die der Herrschaft Gottes in allen Bereichen des persönlichen Lebens widerspricht, und den Glauben an Jesus Christus auf den kirchlichen Bereich reduziert.

Dazu kommt die Beobachtung, dass Christen in der Gemeinde den Begriff „Leitung“ stiefmütterlich behandeln und scheuen. Sie machen sich klein und wollen nicht als Leiterin oder Leiter bezeichnet und gesehen werden. „Leitung“ kommt ihnen überhöht vor für das, was sie treu und beständig mit in die Gesellschaft oder das kirchliche Gemeindeleben einbringen. Sie tun das halt und merken nicht, wie entscheidend ihr unbewusster Leitungsdienst die Gruppe beeinflusst und nach vorne bringt. Sie stapeln tief und sind auch nicht greifbar, weil auf ihrem Einsatz nicht „Leitung“ draufsteht. Deshalb werden sie auch nicht aktiv für ihren Leitungsdienst geschult. Dadurch werden Chancen verpasst, in seiner Berufung Gottes zu wachsen und besser richtungsweisend zu werden.

Leiterschaft als zentrales Thema

In der Bibel finden wir zahlreiche Beispiele von Menschen, die von Gott verantwortliche Positionen im Kleinen und Großen zugedacht bekommen haben. Sie leiten Menschen oft durch schwierige und gute Zeiten. Diese Frauen und Männer haben mal mehr oder weniger freiwillig in ihrem Umfeld führende Positionen und Dienste übernommen und ausgefüllt. Ihre persönlichen Glaubensüberzeugungen und der Gehorsam Gott gegenüber fanden Ausdruck in ihren öffentlichen Entscheidungen und Äußerungen. Sie haben Gott vertraut und sind auch unter schwierigen Umständen seinen Maßstäben gefolgt.

Ebenso finden sich lehrreiche biblische Zeugnisse des Scheiterns, wenn Leiterinnen und Leiter ihre eigenen Interessen obenan gestellt haben oder dem Druck von außen nachgegeben haben, anstatt Gottes Geboten die erste Priorität zu geben. Nicht selten haben diese Führungspersönlichkeiten und Vorbilder durch ihr Verhalten sich selber und auch andere Menschen mit in den Abgrund gerissen oder sie in von Gott gesegnete und erfolgreiche Zeiten geführt. Leiterschaft ist ein biblisches Thema.

Schaue ich in die Kirchengeschichte, dann ist das gemeindliche Geschehen nicht selten auch von verantwortungsvollen und vermögenden Leitern und Fabrikanten ermöglicht worden, die als Mäzene und Sponsoren evangelistische, diakonische und künstlerische Aufträge der Gemeinde Jesu gefördert haben. Oder sich als Impulsgeber an die Spitze von kirchlichen Initiativen, Bewegungen und Gründungen gestellt haben. Bewusste und richtungsweisende Leiterschaft hat uns viel Segen gebracht.

Zum Leiten ermutigen

Ich möchte dazu ermutigen, Leitung und Verantwortung im Kleinen wie im Großen zu übernehmen: in der Gemeinde, in der Gesellschaft und im Beruf. Dazu bietet die Bibel eine Fülle von positiven und negativen Beispielen, damit wir neu entdecken und lernen, was es bedeutet, richtungsweisend im Auftrag und der Berufung Gottes unterwegs zu sein. Und als Gemeinde Menschen in Verantwortung fördern, mittragen und ermutigen.

 

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Zurück zu den Wurzeln

Nathanael Ullmann

Thomas Sackmann (45) hat den Wald für sich entdeckt. Als zertifizierter Waldbademeister unternimmt er mit Interessierten Ausflüge in die Natur. Stets mit im Rucksack: der Glaube.

 

Ich muss gestehen: Als ich das erste Mal das Wort „Waldbaden“ gehört habe, dachte ich an Planschen im Weiher.

Tatsächlich denkt man bei dem Wort zuerst an Badehose und Bikini und ab in den Wald. Das ging mir auch so. Eigentlich ist es aber eine Übersetzung des japanischen Ausdrucks „Shinrin Yoku“.

Was genau passiert beim Waldbaden?

Es geht um ungezwungenes In-den-Wald-Gehen. Wenn Männer in die Natur gehen, dann geht es oft um Ziele, um Kondition, darum, Strecke zu machen. Waldbaden hat nur einen Sinn: zu entschleunigen, achtsam sich selber wahrzunehmen und in die Atmosphäre des Waldes einzutauchen.

Was begeistert dich daran?

Ich bin durch eigene Erfahrungen auf das Waldbaden gekommen. 2016 hatte ich selber eine Krisenzeit. Ich war für 16 Wochen krankgeschrieben. In der Zeit war ich oft alleine im Wald unterwegs. Jedes Mal bin ich ruhiger und sortierter zurückgekommen. Aber es ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass Waldbaden die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol verringert, die Krebsabwehr unterstützt, das Immunsystem stärkt und den Blutdruck senkt.

Um die Natur zu erleben, braucht es da wirklich einen Waldbademeister?

Sicher kann man auch alleine in den Wald gehen. Aber der moderne Mensch hat sich von der Natur entfremdet. Es gab jetzt eine Studie, dass die Millennials so gut wie nicht mehr draußen sind. Da kann man Hilfe geben.

In Videos zum Waldbaden sieht man Menschen, die an Blättern riechen und Bäume umarmen …

Das ist der Klassiker, den die Leute mich fragen: Muss ich jetzt Bäume umarmen? Das muss man nicht, aber man kann es machen. Eine Buche hat zum Beispiel eine ganz kalte Rinde, die Eiche ist warm. Und wenn wir an irgendetwas im Wald riechen, kommen vielleicht plötzlich Erinnerungen wieder.

Du willst das Waldbaden mit christlichen Inhalten füllen, richtig?

Richtig. Als Theologe möchte ich mir das Thema nicht von Esoterikern aus der Hand nehmen lassen. In der Natur gibt es ganz viele biblische Bezüge. Es gibt Geschichten in der Bibel, wo Gott den Menschen durch die Natur und in der Natur begegnet ist. Auch durch die Schöpfung kann ich Gott erfahren.

Wie beschreiben die Teilnehmer das Erlebnis?

Als ungewohnte Erfahrung. Bei allen ist spürbar, dass sie runterkommen. Anfangs sagen die Teilnehmer zum Beispiel, dass sie gestresst, traurig oder frustriert sind. Am Ende hat sich das ins Positive verkehrt, ohne dass man viel gemacht hat.

 

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Gott kann mit unseren Zweifeln umgehen

Erika Weiss im Gespräch mit Elke Werner über die Jahreslosung 2020

Jahreslosungen sind oft trostreiche Zusprüche oder konkrete Aufforderungen. Bei der Jahreslosung 2020 ist das anders. Was war Ihre spontane Reaktion, als Sie die Jahreslosung zum ersten Mal hörten?

Ich war zuerst total überrascht! In dem Satz sind Aussage und Bitte enthalten. „Ich glaube“ – das ist die Aussage und „hilf meinem Unglauben“ – das spricht ja von dem Gegenteil. Dieser Zwiespalt ist sehr interessant. Der erklärt sich eigentlich nur durch die Geschichte, aus der die Jahreslosung stammt.

Was genau hat Sie da angesprochen?

Dazu muss man sich die Rahmengeschichte näher anschauen. Der Vater, dessen Sohn von einem Dämon besessen ist, geht voller Hoffnung zu Jesus. Doch der ist nicht da, er ist auf dem Berg der Verklärung. Die Jünger versuchen alles, was sie von Jesus gelernt haben – nichts funktioniert. Die Jünger beten und nichts passiert. Da wächst natürlich der Zweifel bei allen, ob Jesus wirklich helfen kann. Trotzdem geht der Vater auf Jesus zu und bittet um Hilfe. Somit knüpft er wieder an seinen Glauben an, auch wenn sein Unglaube durch den Frust gewachsen ist. Diese Spannung hat mich total angesprochen.

Wie erging es Ihnen, darüber ein Buch zu schreiben?

Ich persönlich bin keine Zweiflerin. Ich gehe fröhlich im Glauben auf Dinge zu. Wie geht es Menschen, die zweifeln?

Ich arbeite seit Jahren in der Seelsorge und sprach mit zweifelnden Menschen. In diese Empfindungen musste ich mich erstmal einfühlen. Ich las viele Geschichten in der Bibel über Menschen, die auch zweifelten. Da merkte ich, Zweifel gehören zum Glauben dazu. Es ist sogar ein Zeichen von Glauben, wenn man diese Spannung aushält: Ich glaube und trotzdem gibt es da noch Zweifel und Unglauben in meinem Leben.

Um den Vers richtig zu verstehen, müsste man ja zunächst klären, was „glauben“ heißt …

Das Wort „glauben“ wird bei uns im Deutschen sehr unterschiedlich genutzt. Wir sagen zum Beispiel: „Ich glaube, dass es morgen regnet.“ Oder in der Zeit der Abitur-Prüfungen habe ich gesehen, dass Eltern auf große Plakate schreiben „Wir glauben an dich!“, um die Abiturienten zu ermutigen. Das ist ein anderer Glaube als der an Gott.

Das griechische Wort pistis bedeutet „Vertrauen und Treue“ und hat nochmal eine andere Bedeutung als das lateinische Wort credo, welches „Herz schenken“ bedeutet. In verschiedenen Sprachen sucht man nach Möglichkeiten, das Phänomen „Ich mache mich bei Gott fest“ auszudrücken. Das hebräische Wort aman bedeutet „sich fest gründen“. Diese drei Arten, das Wort zu übersetzen, zeigen, welche Spannbreite da drin liegt.

Mögen Sie einen dieser drei Begriffe besonders gerne?

Der Begriff credo hat mich besonders angesprochen: Ich schenke Gott mein Herz. Ich möchte mein Leben, mein Innerstes Gott anvertrauen und sehe, ich brauche ein neues, lebendiges Herz, in dem Gott zu Hause ist. Mein persönlicher Glaube stützt sich auch viel auf Fakten und Tatsachen, z. B. archäologische Funde. Der Begriff pistis gefällt mir auch sehr. Kann ich in bestimmten Lebenssituationen Gott vertrauen, gerade wenn es hart wird; halte ich fest? Oder gehe ich eigene Wege? Der Glaube hat verschiedene Gesichter und Phasen in meinem Leben: Mal stehe ich auf festem Grund und habe das Gefühl, mein Herz ist ganz nah bei Gott. Und mal ist es ganz weit weg. Ich möchte mich auf die verschiedenen Phasen einlassen, dabei an Gott festhalten und ihm vertrauen, denn er ist an der Beziehung zu mir interessiert und hält an mir fest.

Unglaube entsteht ja auch, wenn wir uns zu viele Gedanken machen: ständig hinterfragen und zweifeln …

Ich glaube, es ist gar nicht schlecht zu hinterfragen. Im Gegenteil: Die Gefahr für den Glauben ist eher, wenn wir alles für wahr halten. Dieses Fragen und Hinterfragen zeigt, dass ich mehr wissen und erkennen will, dass ich tiefer gehen möchte. Wir brauchen einen begründeten und keinen übernommenen Glauben. Das heißt, Forschen und Dranbleiben gehört für mich zum Glauben dazu. Denn so kann ich noch mehr von Christus erkennen.

Wie können wir konstruktiv mit unserem Unglauben bzw. unseren Zweifeln umgehen?

Wir können es so wie der Vater in der biblischen Geschichte machen: Zu Jesus gehen, trotz unseres Unglaubens, und ihn um Hilfe bitten. Mit ihm über unsere Zweifel sprechen, damit kann er umgehen. Schon in den Psalmen lesen wir, wie ehrlich Menschen beteten. Im Zweifeln und auch Verzweifeln haben sie alles an Gott gerichtet und erlebten, dass Gott antwortet und da ist. So wie es in Hebräer 10,35 heißt: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“

Sie bringen in Ihrem Buch viele Beispiele über Glaubenshelden, die durch schwere Zeiten gehen mussten. Wer ist ihr Glaubensvorbild?

Ganz viele Menschen. Ich liebe Biographien über Frauen. All diese Menschen gingen durch schwere Zeiten, da ist keiner dabei, der nur von strahlendem Sonnenschein umgeben war. Ich sage manchmal: „Nur beladene Schiffe haben Tiefgang“. Das ist ein Spruch, der sich in meinem Leben bewahrheitet hat. Da wo Gott uns Lasten auflegt, wird auch unser Tiefgang im Glauben gefördert. Der Glaube an den lebendigen Gott braucht diesen Tiefgang. Bei vielen Menschen sehe ich, dass sie gerade durch diese schweren Zeiten gereift und im Glauben gewachsen sind.

Wir brauchen ein festes Fundament, um zu glauben. Was gibt Ihnen Halt im Leben?

Jesu Tod und Auferstehung sind mein Fundament. Ich weiß, meine Schuld ist vergeben. Gott nimmt mich an und liebt mich, auch wenn es mir manchmal schwerfällt, mich selber zu lieben. Zu ihm kann ich kommen, so wie ich bin.

Als ich schwer an Krebs erkrankte, konnte ich nicht mehr in den Gottesdienst gehen oder verreisen. Ich konnte gar nicht mehr tun. Aber ich habe erlebt, dass Gott da war. Ich spürte seinen Trost. Gott ist allezeit bei mir: Das ist mein Fundament.

Wie haben Sie Gott in Krisen erlebt?

Ich habe ihn nicht so emotional erlebt mit einem Kribbeln im Bauch oder einem Gefühl, sondern als eine Kraftquelle. Eine Quelle, die mir innerlich Kraft gegeben hat. Sobald ich zu Gott schrie, auch manchmal voller Panik, wenn die nächste Chemo anstand oder ich Angst vor dem Tod hatte, durfte ich Gott als Kraftquelle erleben. Ich merkte, wie ich innerlich ruhig und getröstet wurde. Ich konnte wieder durchatmen. Ich persönlich darf erleben, wann immer ich zu Gott rufe: Er ist da.

Wie läuft der Prozess von Unglauben zu Glauben ab, geschieht es nacheinander oder nebeneinander?

Ich glaube, dass es um eine Umorientierung im Glauben geht: Wohin lenke ich meine Aufmerksamkeit, wenn es um den Sinn im Leben geht? Danach suchen wir alle. Ob wir ihn in Menschen oder Religionen suchen, diese Suche beschäftigt alle Menschen. Die Frage ist nur: Wie lenke ich meinen Glauben hin zum lebendigen Gott? Und dazu brauche ich die Bibel, wo Gott sich zeigt. Der Schritt vom Glauben an irgendetwas hin zum Glauben an den lebendigen Gott beginnt damit, dass ich ihn kennenlernen will und das kann ich, wenn ich die Bibel lese.

Was würden Sie jemandem raten, dem es schwerfällt zu glauben?

Ich würde ihm raten, im Kontakt mit anderen Christen zu sein. Menschen sind in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens an unterschiedlichen Punkten mit Gott unterwegs. Wenn ich dann miterlebe, wie sie Gott erleben, kann ich mich davon ermutigen lassen. Denn wenn die das erleben, dann kann und will ich das auch erleben.

Auch die Jünger zweifelten und waren nicht von Anfang an die Glaubenshelden. Aber trotzdem hielten sie an Jesus fest. Daraus können wir lernen: Wir sollten bei Jesus bleiben, auch wenn wir vielleicht nicht selber großartige Erfahrungen gemacht haben. Bei Jesus bleiben, das heißt auch, bei seinen Leuten bleiben. Denn bei und in denen lebt Jesus.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

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Haltepunkte

Jörg Podworny

Das Kopfkino springt sofort an. Es ist ein ungemein spannender, lebenswichtiger und inspirierender Begriff: Halt. Und er wirft sehr schnell die Frage auf: Wann brauche ich eigentlich Halt?

Ein Halt tut gut, wenn ich unsicher bin. Ich habe das gerade wieder im Urlaub erlebt. Wir waren in Dänemark – und außer dem fröhlichen Begrüßungs-„Hej!“ und Straßenschildern mit der Aufschrift „Knallert forbudt“ (etwa „Hier dürfen keine Motorräder – oder ähnliche Fahrzeuge – fahren“) haben wir nicht ganz viel verstanden und sagen können (glücklicherweise sprechen viele Dänen besser Deutsch als viele Deutsche Dänisch). Wenn ich nicht so recht weiß, was ich sagen soll, gehe ich deutlich unsicherer mit anderen Menschen um. Ähnlich ist es, wenn ich (mit dem Auto) im Nebel unterwegs bin und nicht wirklich sehe, wo es langgeht. Ich brauche Halt, wenn ich rutsche oder zu fallen drohe – wenn es im schlimmsten Fall kein Halten mehr gibt. Nochmal das Beispiel Auto: Mehr als einmal habe ich versucht, auf spiegelglatt vereister Straße zu bremsen … es wurde erst besser, als ich – in umgekehrter Fahrtrichtung – am gegenüberliegenden Straßenrand zum Halten kam.

Überhaupt im Leben: Es wird zumindest komplizierter, wenn nicht überhaupt unmöglich, ein Leben zu führen, in dem es keine Sicherheiten (mehr) gibt, wenn ich nichts habe, woran ich mich (fest)halten kann, keine Orientierung, kein Halteseil; wenn ich nicht weiß, wo’s langgeht oder es kein Halten mehr gibt.

Das gilt ebenso für die Fragen und das Leben im Glauben: Wenn Glaube nichts hat, woran er sich halten kann, wenn Orientierungspunkte fehlen, sorgt das für eine enorme Verunsicherung. Wir wünschen uns, wir hoffen, beten und vertrauen darauf, dass unser, dass mein persönlicher Glaube sich als tragfähig erweist. Gerade dann, wenn es schwierig wird, wenn vieles schwankt und vertraute Planken (vielleicht ganz plötzlich) wegbrechen.

Aber – und das ist das Großartige: Der Glaube an Jesus Christus ist kein verzweifeltes Festhalten an theologischen Richtigkeiten, sondern eine Beziehungs-, eine Vertrauenssache. Es werden ziemlich sicher Schwierigkeiten und unsichere Zeiten oder Momente kommen in meinem Leben. Die meisten könnten dazu ihre Geschichten erzählen. Vielleicht sind diese Zeiten nur ein wenig, vielleicht aber auch richtig ernsthaft bedrohlich. Gut zu wissen, dass Jesus mir gerade dann Halt gibt. Auch wenn ich vieles nicht verstehe, wenn mir selbst die Kraft zum Halten fehlt. Die gute Nachricht darin: Ich muss mich – nicht nur in solch bedrängenden Lagen – nicht selber (fest)halten. Sondern ich werde gehalten. Immer. Daran glaube, darauf vertraue ich.

Ergänzend dazu bedarf es noch eines anderen Haltepunktes: Halt im Sinne von Anhalten, Innehalten. Die Stille und Gegenwart Gottes suchen – als ein Halt zum Auftanken, zu einer neuen Inspiration und Motivation. Im ganz normalen Alltag. Und auch an besonderen Haltepunkten.

Als Redaktion wünschen wir Ihnen für das persönliche wie für das Gemeinde-Leben eine gute Haltung!

 

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Kreuz, nein danke?

Nathanael Ullmann

Wer mein Bürozimmer betritt, der sieht es in der Regel sofort: In leuchtenden Farben prangt ein Kreuz an der Wand. Das Gemälde befindet sich in bester Gesellschaft: Ihm gegenüber hängen zwei Sprüche aus der Theaterwelt und eine Leinwand mit Bioshock-Motiv; direkt neben dem Kreuz findet sich ein Plakat, das mir einmal ein Künstler während meiner Zeit beim Radio geschenkt hat. In dieser Kombination macht das Kreuz für mich Sinn. Die Zimmerwände zeigen, wer ich bin: Theatermacher, Spiele-Nerd, Journalist – und Christ.

Bekenntnis auf der Brust

Etwas anders verstehe ich das Kreuz, das ich mir (fast) jeden Morgen um den Hals hänge. Es fungiert für mich mehr als ein Bekenntnis: „Hey, hier steht Christus drauf und ist (hoffentlich) auch ein wenig Christus drin.“ Ich verstehe es als eine Art Erkennungszeichen. Außerdem zeigt mir meine Kreuzkette noch etwas Anderes: Ich habe mich mit meiner Taufe zu einem Leben mit Jesus Christus verpflichtet. Die Kette ist für mich so etwas wie ein Brandmal – nur weniger schmerzhaft und definitiv hübscher. Jeden Morgen aufs Neue mache ich mir bewusst, dass ich ein Teil der christlichen Gemeinde bin, mit allem, was dazugehört. Das Ritual des Kette-Anziehens macht aus der Entscheidung mit Gott zu gehen, immer wieder eine konkrete Tat. Und das hilft mir ungemein.

Setze dein Kreuz mit Bedacht

Als Erkennungszeichen und Symbol des gelebten Glaubens finde ich das Kreuz legitim. Jede Privatperson, Initiative und Vereinigung, die sich bewusst und in Absprache mit allen Beteiligten dafür entscheidet, deswegen auf das Kreuz zurückzugreifen, kann ich nur beglückwünschen. Und trotz allem (oder gerade deswegen) habe ich den Beschluss des bayerischen Landeskabinetts, dass in allen Behörden der Staatsverwaltung Kreuze im Eingangsbereich hängen müssen, nicht gefeiert. Denn hier liegt eine gänzlich andere Geisteshaltung vor.

Revier markieren

Wenn Ministerpräsident Markus Söder behauptet, das Kreuz solle kein religiöses Symbol des Christentums sein, sondern ein „Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung“, wird klar, was hier Sache ist: Von der rettenden Botschaft des Evangeliums ist dieser Schachzug so weit entfernt wie ein Apple-Produkt vom Ein-Euro-Laden. An die Stelle der guten Nachricht tritt ein leerer Traditionsbegriff. Das Glaubensbekenntnis verkommt von einem „Ich bin für euch gestorben“ zu einem „Halt Stopp, das Kreuz bleibt, wo es ist (weil das schon immer so war)“. Es ist, als wolle die CSU hier schlichtweg ihr Revier markieren. Nur, dass sie nicht das Beinchen hebt, sondern ein Symbol an die Wand tackert. Es wirkt wie eine Machtgeste: „Wir waren zuerst hier!“ Zudem werden hier Menschen dazu gezwungen, zu etwas zu stehen, mit dem sie sich unter Umständen gar nicht identifizieren.

Und das ist noch eine freundliche Auslegung dieses Spektakels. Viel eher ließe sich dahinter schnöder Stimmenfang vermuten. Deutlich effektiver wäre es allerdings, den Inhalt neu zu überdenken, statt die Verpackung aufzumotzen. Oder, anders gesagt: Es wäre besser, das zu leben, was das Kreuz bedeutet, statt es als Kulturobjekt zu vereinnahmen.

Was ich hier am Beispiel der Amtskreuze durchexerziert habe, gilt nebenbei für alle Kreuze aus reiner Tradition. Wer dieses Symbol benutzt, muss auch zu der christlichen Bedeutung stehen. Und im Bestfall hinterfragt er immer wieder aufs Neue, ob er das noch kann. Insofern: Kreuz, ja bitte! Aber bitte aus Überzeugung.

Lass dich nicht gehen!

Tobias Hambuch

 

Flavio Simonetti ist Fitness-Blogger. Sein Fokus liegt auf Gewicht, Bizepsgröße und Massephasen – manchmal regeneriert er auch. Doch zu viel Leerlauf kann er sich nicht erlauben, denn er ist auf neue Klicks angewiesen. Und das Streben nach Reichweite ist nicht sein einziger Kampf.

Ein recht unscheinbarer Raum. Darin eine gemütlich aussehende graue Couch, ein Tisch mit Sitzschalen-Stühlen. Ein paar Regale. Eine Büro-Ecke. Flipchart. Kartons. Und ein großes rotes Poster vor einer Sperrholzwand. Darauf prankt der Mann, der hier bis zu dreimal in der Woche ein neues Video dreht, und es dann bei YouTube mit seinen fast 250.000 Abonnenten teilt: Flavio Simonetti. Betritt er die Bildfläche, gibt es klare Ansagen zu hören wie »Achte auf deinen Körperfettanteil, dein Krafttraining und deine Ernährung – sie haben Auswirkungen auf deinen Testosteron-Wert!« oder „Diese Kohlenhydrate sind die besten Quellen für deinen Muskelaufbau!“ Manchmal ist auch Christian mit dabei. Der war sogar schon mal Deutscher Meister im Natural-Bodybuilding – also im Muskelmasseaufbau ohne Doping. Dann stehen zwei Typen vor der Kamera, deren Oberarme Eindruck hinterlassen und deren Shirts dem Platzen nahe scheinen. Und reden über Einfach- und Mehrfachzucker. Warum das alles? Und warum dreht sich hier eigentlich alles nur um den Körper? Wen bedient Flavio eigentlich?

Neue Formate, neue Follower?

„Die, die seit Jahren ins Fitnessstudio rennen. Die, die sich abquälen und irgendwann frustriert merken: Es hat sich nichts getan.“ Sie hat Flavio im Blick. Weil er ihnen Erfolgserlebnisse schenken will, die er am eigenen Körper erleben durfte. Er will ihr Motivator sein. Und das hat er zu seinem Geschäft gemacht. Der Deutsch-Italiener hat die Trainings-App „Coach Carter“ entwickelt, das Fitnessprogramm „Muskelakademie“ erarbeitet und eine eigene Bekleidungsmarke am Start: „Natural Athlet“. Gleichzeitig will er seine eigene Fitness auf einem hohen Level halten. Und hat mit zwei kleinen Kindern zudem ein prall gefülltes Familien-Leben. Sein Aufruf: »Hol das Beste aus dir raus.« Dazu will er niemanden zwingen. Aber für ihn steckt dahinter auch die biblische Aufforderung, den „Tempel des Heiligen Geistes“ zu pflegen und den eigenen Körper wertzuschätzen. Flavio ist Christ. Auf seinem Insta-Account ist vor allem anderen „God First“ zu lesen. Und doch sagt er: „Meine erste Frage ist: Wie kann ich für das Publikum attraktiv bleiben? Da kann ich nicht jedes Mal über Gott reden. Die Reichweite würde zusammenfallen. Ich will für die Welt interessant bleiben.“

Der „Retter der Dünnen“

Flavios Beruf ist ein Kampf um Klicks. Nur die sichern ihm und seinen Mitarbeitern eine stabile Finanzlage. Das macht auch Druck. „Da muss ich manchmal aufpassen, dass mich das nicht auffrisst. Ich kämpfe immer wieder mit mir selbst und frage mich: Ist dieses Format noch interessant? Was kann ich neu machen? Wie bleibe ich authentisch? Und wenn du dann was startest, über das du dir lang Gedanken gemacht hast, und es trotzdem nicht ankommt, ist das total frustrierend. Dann sehne ich mich manchmal danach, Zahnarzt zu sein und immer wieder den gleichen Prozess wiederholen zu können.“
Für mehr Reichweite polarisiert der Blogger auch gerne. Er nennt sich „Retter der Dünnen“ oder startet eine „Lauch-Challenge“ mit Jungs, die mehr Muskeln haben wollen. Natürlich kommt da auch Kritik ins Haus. Wie er als Christ einen so starken Fokus auf den Körper legen könne?

Weniger Körperkult, mehr Selbstannahme

Flavio setzt zwar provokante Titel, aber entscheidend ist für ihn, dass er jeden einzelnen Teilnehmer seiner Programme wertschätzt, geduldig begleitet und motiviert. Einst ging er als Jugendlicher selbst ins Fitnessstudio, um sich besser zu fühlen. Stärker. Entschlossener. Geliebter. „Zwischen 15 und 24 Jahren war ich auf der Suche. Ich wollte herausfinden, was ich überhaupt kann. Frauen, Geld und Fitness dominierten mein Leben.“ Deshalb versteht er die Leute, die Sport und Muskeln gebrauchen, um sich Selbstvertrauen zu holen. „Auch ich habe damals nicht an mich geglaubt und wusste nicht, wer ich bin. Ich kenne die große Challenge, zu trainieren, ohne mich darüber zu definieren. Das ist ein Kampf. Ich will Gott an die erste Stelle setzen. Nur bei ihm finde ich wirklich Identität.“

Berufen

Jungen Menschen zuzusprechen, dass sie aus einem Grund hier sind und nicht einfach so vor sich hin leben sollten – das sieht Flavio als Teil seiner Berufung an. Und er erreicht diese Menschen auf seine eigene Art und Weise. Dahinter steckt seine Geschichte. Flavio hätte den Begriff „Berufung“ lange nicht in den Mund genommen, lenkte sich ab, wurde immer unzufriedener, fühlte sich leer. Mit 24 Jahren nahm er an einem illegalen Autorennen teil, das frontal vor einem Baum endete. Ein vorbeifahrender Autofahrer war sich sicher: Der ist tot! Doch Flavio lebte und wusste: Es muss sich was ändern. In der Rückschau meint er: „Ich brauchte diese Neujustierung. Da war die bohrende Frage, auf die ich endlich eine Antwort finden wollte: Was will ich wirklich? Ich habe plötzlich gespürt, dass Gott mein Leben lenkt und ich nicht mehr an ihm vorbeileben will. Bislang hatte ich alles auf eigene Faust erkundet und war damit nicht weit gekommen.“ Dieser biographische Wendepunkt scheint kaum übertragbar. Wie können dann andere Menschen ihre Berufung finden? Flavio macht klar: „Auch ich bin immer wieder auf der Suche, muss prüfen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, brauche Leute, die mir ins Leben reinreden.“ Er gibt den Tipp: Manchmal sind wir viel zu abgelenkt und brauchen einfach mal Ruhe, Zeiten fern vom Handy, fern vom Unterhalten-Werden, offline. Um dort die eigene Kreativität und Leidenschaft zu entdecken. Zu erkennen, wie man tickt. „Dann besteht auch eine geringere Gefahr, nur von anderen zu kopieren.“ Aber kann Berufung nicht auch manchmal wie eine verheißungsvolle Illusion wirken? Flavio hat genug Rückschläge erlebt und meint: „Gott kann auch da wirken und uns schleifen, wo wir uns im Beruf gerade durchschleppen und keinen Spaß haben.“

Der Bequemlichkeit den Kampf ansagen

Vor einigen Tagen ist er aus Italien zurückgekehrt. Pizza, Pasta und Eis standen auf der Speisekarte, Flavio hat ganze sechs Wochen nicht trainiert. Mit schlechtem Gewissen? „Nein, im Urlaub habe ich das Ziel, zu genießen. Tief im Innern könnte ich jetzt auch ohne Training weiterleben. Aber jetzt beginnt wieder der Kampf mit mir selbst. Ich merke, dass ich nicht auf jedes meiner Gefühle hören sollte. Denn ich habe auch oft keine Lust auf Beten oder keinen Bock auf Bibellesen. Aber davon will ich mich nicht leiten lassen.“
Heute schauen tausende Menschen seine Videos an. Und Flavio will ihnen die Bereitschaft vermitteln, an sich zu arbeiten – „an den Dingen, die andere davon abhalten, dich als Vorbild zu sehen. Am Ende geht es nicht darum, gut dazustehen, sondern deine Talente wachzurufen und dadurch auf Gott zu zeigen, der sie dir gegeben hat.“ Flavio wünscht sich Menschen, die über sich hinauswachsen. Und das muss überhaupt nichts mit dem eigenen Körper zu tun haben. „Auch eine schüchterne Person, die vor einer großen Gruppe von Leuten redet, wächst über sich hinaus.“

 

 

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Haifischfüttern

Rüdiger Jope

Ein Outdoor-Erlebnis mit Jesus.

Die Sonnenstrahlen brachen sich auf dem Atlantik. Ein Fischerboot sollte mich mit fünfzehn anderen raus auf hohe See zum Haifischangeln bringen. Das Boot legte ab. Nach etwa einer Stunde schaukelte unsere Nussschale inmitten von Wellen so hoch wie Zweifamilienhäuser. Ein kleiner Junge, der mit seinem Opa dieses Abenteuer gebucht hatte, machte den Anfang. Aus einem fröhlichen Haifischangeln wurde ein nicht enden wollendes Haifischfüttern. Ich robbte fast fünf Stunden von meinem Sitzplatz über die Planken an die Reling, um immer wieder meinem längst leeren Magen Entlastung zu verschaffen. Nie habe ich mich mehr nach festem Boden unter den Füßen gesehnt.

In den Turbulenzen des Lebens

Die Jünger Jesu sind unterwegs auf dem See Genezareth (Matthäus 14,22-33). Jesus hat sie dazu gedrängt! (V. 22) Für einige von ihnen ist es ihre Heimat, ihr Handwerkszeug. Und gerade in dem Gewohnten passiert es. Es wird für die Jünger sprichwörtlich eine finstere Nacht. Sie erleben ihr persönliches Haifischangelerlebnis. Sie geraten in einen Sturm. Die Wellen werden höher und höher. Klatschnass und verzweifelt klammern sie sich an die Reling. Die Verzweiflung der erfahrenen Schiffer ist buchstäblich. Sie sind mit ihrem Fischerlatein am Ende. Ruhe, Land unter den Füßen ist ihr sehnlichster Wunsch.

So ist das Leben. Man muss nicht unbedingt auf einem Schiff gewesen sein. Man muss nicht in tückische Fallwinde aus dem Gebirge geraten, um ähnliche Turbulenzen zu kennen. Da strahlt gerade noch die Sonne über dem Job, der Familie, der Gesundheit, den Eltern … Plötzlich tobt ein Sturm. Der betriebliche Standort wird geschlossen. Der Sohn wird mit Drogen erwischt. Das Röntgenbild zeigt einen Schatten. Der Vater wird zum Pflegefall.

So ist das Leben. Plötzlich bricht ganz unabänderlich die Seekrankheit des Lebens herein. Plötzlich steckt man in Stürmen, in Finsternis, in der einem Hören und Sehen vergeht. Man werkelt, wurschtelt und stemmt sich vehement mit allen Kräften gegen die hohen Wellen im Lebensschiff.

Haifischfüttern gehört zum Glauben

Etwa sechs Stunden kämpfen die Jünger, um festzustellen: Wir packen das nicht! Wir sind mit unserem Fischerlatein am Ende. Sie erfahren: Als Christ zu leben, heißt nicht nur, an tollen Speisungsprogrammen (Matthäus 14,13ff) teilzuhaben, sich auf Bergen der Verklärung zu sonnen (Matthäus 17,1ff) oder auf Hochzeiten Wein zu genießen (Johannes 2,1ff). Im Unterwegssein mit Jesus kann es passieren, dass unerwartete Stürme und Schwierigkeiten über einen hereinbrechen, dass Gott schweigt und Jesus nicht da zu sein scheint. Die Niederlage, das Schwanken, das Verzweifeln an den Stürmen, sich selbst und seiner Ohnmacht ist die christliche Outdoor- und Tiefenerfahrung des Lebens. Und genau in dieser Situation gilt: Glaube riskieren trotz Wellen. In den Wellen und Bergtälern reift der Glaube. Und dieser Reifungsprozess geschieht gerade auch in der Nichtverfügbarkeit Jesu, und indem das Schweigen Gottes über Stunden, Tage und vielleicht auch Jahre ausgehalten wird.

Inmitten der männlichen Hilflosigkeiten erscheint plötzlich Jesus. Er kommt ihnen um vier Uhr morgens auf den Wellen entgegen. Die Jünger erkennen ihn erst mal nicht. Sie schreien: „Hilfe, ein Gespenst!“ Doch Jesus blickt seine Jünger an und ruft ihnen zu: „Fürchtet euch nicht. Ich bin es: euer guter Hirte. Macht euch locker!“ (V. 27)

Das Komische ist jedoch: Das erbetene Wunder bleibt erst mal aus. Jesus reagiert anders als gewünscht und erwartet. „Für die Jünger heißt die entscheidende Frage: ‚Wie werde ich den Sturm los?’ Für Jesus dagegen heißt die Frage: ‚Wie gelangt ein Mensch mitten im Sturm zum Frieden?‘“ (Klaus Douglass in „Expedition zum Anfang“)

Vertrauen bewährt sich in den Stürmen

Jesus ärgert sich über die Panik seiner Jünger. Er ärgert sich darüber, dass ihre innere Einstellung mehr von der Angst statt dem Vertrauen geprägt ist. Jesus ist der Ruhepol. Er ist die Gelassenheit im Sturm. Und seine Gegenwart sollte auch uns ruhig machen. Nicht im Sinne einer Untätigkeit, sondern im Sinne der inneren Gelassenheit.

Noch stürmt es. Und inmitten von Wind und Wellen nimmt einer dieses Jesuswort „Habt keine Angst“ für bare Münze. Petrus kriegt sich am schnellsten wieder ein. Er brüllt Jesus impulsiv entgegen: „Darf ich auf dem Wasser zu dir kommen?“ Das gab mehr als ein Gemurmel im Boot. „Der hat ein Rad ab!“ „Dem hat der Sturm die Gehirnzellen durcheinandergewirbelt!“ „Der will sich doch bloß wieder wichtigmachen!“ „Das hat doch noch nie funktioniert!“ „Jesus, still erst mal den Sturm, dann können wir über das Jüngerschafts-Bonusprogramm nachdenken!“ Während sie sich noch rumärgern, befiehlt Jesus dem Petrus: „Komm!“ (V. 29)

Raus in die Wellen, Männer

Und Petrus? Vorsichtig stellt er einen Fuß aufs Wasser, zieht den zweiten nach. Lässt beide Hände vom Boot los. Unglaublich! Er steht! Er dreht sich. Er hüpft. Er ballt die Fäuste. Wow! Er macht die Erfahrung: Das Wasser trägt! Er geht Schritte auf Jesus zu. Aber plötzlich dämmert ihm, was er da tut. Er sieht die Wellen. Und sein Glaube wird kleiner. Er verlässt ihn. Die Angst hat ihn wieder und er beginnt, unterzugehen.

Hat Petrus versagt? Ja, das hat er. Er hat mit seinem Glauben Schiffbruch erlitten. Er schafft es nicht, auf Jesus zu sehen. Aber: In dem Boot sitzen elf viel größere Versager. Sie versagen unauffällig und in der Stille. Sie stellen nicht die kecke Frage: „Herr, wenn du willst, werden wir auf dich zukommen?“ Ihr Scheitern bleibt unbemerkt, kann daher nicht kritisiert werden. Nur Petrus erlebt wieder mal die Schmach des öffentlichen Versagens – aber nur Petrus erlebt auch: Wasser trägt! Nur Petrus erfährt auf eindrückliche Weise: Wenn man zu versinken droht – ist Jesus da! Petrus erlebt die rettenden, zupackenden Arme Jesu, wie sonst keiner der elf Boothocker.

Eine Entscheidung für ein Leben in der Nachfolge Jesu ist eine Entscheidung dafür, immer wieder mit der Angst konfrontiert zu werden. Die Angst wird uns einreden: Bleib im Boot! Lass bloß die Finger von den Dingen, die du nicht übersehen kannst. Ein Jünger zu sein, bedeutet, ein Lernender zu sein, sich dafür zu entscheiden, dass man wachsen will. Wachsen bedeutet, vollkommen neuen Boden, hohe Wellen zu betreten. Und jedes Mal, wenn wir dies tun, ist auch Angst dabei.

Angst gehört dazu

Nachfolge ist immer eine Entscheidung zwischen Gemütlichkeit und Angst, zwischen Wasserwandler oder Boothocker sein. Wer zum Aussteiger wird, wird Angst haben, wird sich nass machen, aber das ist nicht das Entscheidende. Denn Jesus ist in der Lage, Männer (und Frauen) zu retten, die zu versinken drohen. Petrus‘ Ruf nach Rettung und seine Einsicht, dass Jesus die Situation im Griff hat, reichen aus. Wenn wir aus dem Boot aussteigen, kann Erstaunliches passieren. Bei Petrus wird mitten im Versinken die rettende Hand Jesu offenbar (V. 31). Durch den mutigen Schritt von Petrus lernen alle anderen Jesus ganz neu kennen. Sie erleben eine bis dahin unbekannte Dimension des Glaubens.

„Die Hoffnung weiß, dass große Dinge ungetan bleiben, wenn wir großen Anfechtungen aus dem Weg gehen, und da Wachstum damit gehindert wird“, schreibt Brennan Manning. Welche Wachstums- und damit Wasserschritte sind von dir gefragt? Jesus sucht Männer, die sich aufs Boot begeben, die aus dem Boot aussteigen, die kleine und große Dinge in ihrem Leben anpacken, die sich nasse Füße holen, die Wasserläufer und Wellenbewältiger werden. Angst und Scheitern gehören zum Jünger- und Mannsein dazu. Das Versagen ist mit eingepreist, gerade darin wird uns Jesus die Hand reichen. Er wird uns herausziehen, mitten im Versinken in seine Arme schließen und festhalten.

Am Ende steht ein Wunder: Wind und Meer kommen zur Ruhe. Doch das entscheidende Wunder besteht nicht darin, dass Wind und Wellen Jesus gehorchen, sondern dass Jesus mit ins Boot steigt (V. 32) und wir inmitten der Haifischangelerlebnisse des Lebens seine Gegenwart mit einem Staunen erkennen.

10 Zitate für das Leben

Sarah Lang

1. „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ (Franz Kafka)

2. „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“ (Pearl S. Buck)

3. „Aber die auf den Herrn hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor, wie ein Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.“ (Jesaja 40,31)

4. „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“ (Jim Elliot)

5. „Das Wetter und meine Laune haben wenig miteinander zu tun. Ich trage meinen Nebel und meinen Sonnenschein in meinem Inneren.“ (Blaise Pascal)

6. „Man kann nicht hoffen, die Welt zum Besseren zu wenden, wenn sich der Einzelne nicht zum Besseren wendet. Dazu sollte jeder von uns an seiner eigenen Vollkommung arbeiten und sich dessen bewusst werden, dass er die persönliche Verantwortung trägt, was in dieser Welt geschieht, und dass es die direkte Pflicht eines jeden ist, sich dort nützlich zu machen, wo er sich am nützlichsten machen kann.“ (Marie Curie)

7. „In die ersten Augenblicke des Tages gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, auch nicht der Übereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nähe.“ (Dietrich Bonhoeffer)

8. „Vergebung ist keine einmalige Sache. Vergebung ist ein Lebensstil.“ (Martin Luther King)

9. „Ergreife den Schild des Glaubens und halte Gottes schöne, strahlende Gerechtigkeit in deinem Herzen liebend umfangen.“ (Hildegard von Bingen)

10. „Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt. Ich will euch Ruhe schenken.“ (Jesus im Matthäus-Evangelium 11,28)

 

Diese 10 Zitate erschienen im Magazin LebensLauf. Jetzt kostenlos testen: www.lebenslauf-magazin.net