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10 Zitate für das Leben

Sarah Lang

1. „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ (Franz Kafka)

2. „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“ (Pearl S. Buck)

3. „Aber die auf den Herrn hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor, wie ein Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.“ (Jesaja 40,31)

4. „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“ (Jim Elliot)

5. „Das Wetter und meine Laune haben wenig miteinander zu tun. Ich trage meinen Nebel und meinen Sonnenschein in meinem Inneren.“ (Blaise Pascal)

6. „Man kann nicht hoffen, die Welt zum Besseren zu wenden, wenn sich der Einzelne nicht zum Besseren wendet. Dazu sollte jeder von uns an seiner eigenen Vollkommung arbeiten und sich dessen bewusst werden, dass er die persönliche Verantwortung trägt, was in dieser Welt geschieht, und dass es die direkte Pflicht eines jeden ist, sich dort nützlich zu machen, wo er sich am nützlichsten machen kann.“ (Marie Curie)

7. „In die ersten Augenblicke des Tages gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, auch nicht der Übereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nähe.“ (Dietrich Bonhoeffer)

8. „Vergebung ist keine einmalige Sache. Vergebung ist ein Lebensstil.“ (Martin Luther King)

9. „Ergreife den Schild des Glaubens und halte Gottes schöne, strahlende Gerechtigkeit in deinem Herzen liebend umfangen.“ (Hildegard von Bingen)

10. „Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt. Ich will euch Ruhe schenken.“ (Jesus im Matthäus-Evangelium 11,28)

 

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11 Fragen, die Jesus heute noch genau so stellen würde

Lydia Rieß

 

1 »Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst dabei unheilbar Schaden nimmt? Oder was kann ein Mensch als Gegenwert für sein Leben geben?« Mt 16,26

Wieviel Welt auch immer einem Durchschnittsverdiener im ersten Jahrhundert offen stand: Die Möglichkeiten im 21. Jahrhundert toppen das um ein Vielfaches. Da ist so viel zu erleben, so viel Karriere möglich, so viel schnelles Geld zu machen, wenn man seiner Seele ein bisschen Schaden zumutet. 60-Stunden-Wochen bezahlen wir mit Angst vor morgen und innerer Leere. Jesus rettet hier mit Nachdruck: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um seinetwillen verliert, wird es gewinnen.

In den Augen der Welt ist das Paradox. Dabei stehen uns die Beispiele vor Augen: Menschen, die scheinbar alles erreicht haben und dabei nicht glücklich geworden sind. Was den wunden Punkt noch deutlicher macht: Jesus, weiß, wieviel Angst wir vor einem Verlust unseres Lebens haben, wenn wir uns ganz auf ihn einlassen.

 

2 »Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst?« Mt 7,3

Andere kritisieren ist immer leicht. Es ist doch so offensichtlich, was da schiefläuft und wie man das ganz leicht ändern könnte. Sicher hat man selbst auch seine Schwächen, aber für die gibt es schließlich gute Gründe. Und mal ehrlich, das bei mir sind ja eigentlich nur sympathische Macken und Ticks, die sind doch echt harmlos …

Und hier sagt Jesus: Stop!

Ich bin für mich selbst verantwortlich. Mein Leben ist es, das ich auch vor Gott verantworten muss, nicht das der anderen. Es ist verlockend, die Fehler anderer zu kritisieren, damit man sich nicht mit den eigenen auseinandersetzen muss – oder sie besser schönreden kann. Aber davon wird es nicht besser. Und darum geht es: Es soll besser werden. Nicht moralischer, sondern qualitativ gut. Und damit kann ich nur bei mir selbst anfangen.

 

3 »Warum habt ihr solche Angst?« Mt 8, 26

Jeder kennt Angst. Reicht das Geld am Ende des Monats noch für die Miete? Schaff ich die Abschlussprüfung, obwohl das Lernen einfach nicht geklappt hat? Wurde die Krankheit noch früh genug entdeckt, um sie zu bekämpfen?

Manchmal lohnt sich da eine ganz andere Frage: Warum lasse ich zu, dass die Angst hier den Ton angibt? Jesus sagt: „Vertraue mir.“ Er versteht meine Angst. Er sagt aber auch: „Ich bin stärker. Und ich bin auf deiner Seite.“ Das heißt nicht, dass es in Wirklichkeit gar keine angsteinflößenden Dinge in unserem Leben gibt. Es heißt nur, dass wir uns ihnen nicht alleine stellen müssen. Und selbst da, wo wir scheitern und die Angst damit Recht zu bekommen scheint, sagt Jesus immer noch: „Ich bin da. Ich bin auf deiner Seite.“

 

4 »Und ihr, für wen haltet ihr mich?« Mt 16,15

Wer ist Jesus für dich? Irgendeine Antwort hast du bestimmt darauf. Die Leute damals hatten jedenfalls Ideen. Da wurden Vergleiche mit großen Propheten und geistlichen Vorbildern genannt. Schmeichelhaft – aber voll daneben. Denn Jesus ist etwas, das vorher nie dagewesen ist.

Es ist normal, ein Bild von Jesus zu haben – er ist mein Beschützer, mein bester Freund, mein Befreier, … Aber in all dem lohnt es sich, Jesus auch mal wieder genau anzuschauen. Welche seiner Charakterzüge übersehe ich gerne mal? Welche sind mir unangenehm, welche verstehe ich einfach nicht? Wir dürfen Jesus nicht einfach nur für jemanden halten. Sonst machen wir ihn womöglich sehr viel kleiner, als er ist, so wie damals. Die gute Nachricht: Wir dürfen ihn kennenlernen. Und dabei immer mehr herausfinden, wer er wirklich ist.

 

5 »Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern?« Mt 6,27

Im Weltmaßstab betrachtet würde sicher jeder zustimmen: wenn wir fallen, fallen wir relativ weich. Das soziale Netz ist engmaschig, die Grundsicherung gewährleistet. Wie viele existentielle Sorgen müssen wir uns also vor der Zukunft machen?

Trotzdem leben wir nicht unbekümmert. Wir haben die Sorgen der ersten Welt – Angst vor Vereinsamung, schwerer Krankheit, sozialem Abstieg. Die Sorge um die Dinge versaut einem das Leben aber mal so richtig. Vor allem die Sorge um Dinge, die man nicht in der eigenen Hand hat.

Auch davon möchte Jesus uns frei machen.

 

6 »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?« Joh 21,16

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Unser Wert spiegelt sich in dem, was wir zu bieten haben – und vor allem: wie viel wir zu bieten haben. Auch in vielen Gemeinden wächst der Druck, möglichst bei allem dabei zu sein, seine „Gaben einzusetzen“ und sich vorbildlich zu verhalten.

Aber zentral bleibt doch eine andere Frage: „Liebst du mich?“ Es ist keine Frage, die fordert. Sondern eine, in der Jesus sich verletzlich macht. Er wünscht sich die Beziehung zu uns. Keinen möglichst frommen Terminplan, kein detailliertes Gabenprofil, keine großen Pläne. Jesus will unser Herz, uns ganz, so wie wir sind. Das ist manchmal schwieriger, als nur Taten zu geben. Aber auch so viel erfüllender. Denn wo wir zu dieser Liebe bereit sind, begegnen wir einer, die uns gilt und um so vieles größer ist.

 

7 »Was sucht ihr?« Joh 1,38

Warum folge ich Jesus eigentlich nach? Was suche ich bei ihm? Oder anders: Was hoffe ich zu finden?

Manchmal hat man da ganz konkrete Vorstellungen und Wünsche. Suche ich einen Problem-Löser, der mir das Leben leicht macht? Einen Beschützer, der alles Schwierige und Schmerzhafte von mir fernhält? Einen Geber, der mir all das verschafft, was das Leben mir bisher verwehrt hat? Dann werde ich womöglich erleben, dass auch Jesus enttäuschen kann. Weil er nicht alle Erwartungen erfüllt, die ich an ihn herantrage.

Ein fordernder Glaube macht Gott zum Götzen, der nach meinen Vorstellungen zu handeln hat. Ein erwartender, hoffender Glaube dagegen streckt sich aus. Er darf entdecken, dass es auch etwas zu finden gibt. Und dass es größer ist als meine eigenen kleinen Vorstellungen.

 

8 »Warum verfolgst du mich?« Apg 9,4

Manchmal wünscht man sich diesen Zettel vom Himmel, auf dem alles konkret draufsteht. Gottes guter Wille schwarz auf weiß für meine bestimmte Situation. Dann müsste man nicht mehr so oft im Nebel stochern und könnte endlich eine klare Linie verfolgen.

Aber Glaube ist etwas Lebendiges, das wächst und reifer wird und immer wieder neu nach Jesus‘ Perspektive fragen muss. Wo Glaube starr wird, wird er zum Prinzip. Dort folge ich nicht mehr Jesus nach, sondern verfolge ein Bild, das ich mir irgendwann mal gemacht habe. Und presse auch andere gewaltsam in diese Schablone.

Ich kann meinen Glauben und erst recht nicht Jesus in einer Momentaufnahme festhalten. Nachfolge fordert von mir, immer wieder zu Jesus zu kommen und neu zu lernen, die Dinge mit seinen Augen zu betrachten. Auch wenn mir das meine klare Linie versaut.

 

 

9 »Wollt ihr etwa auch weggehen?« Joh 6, 67

Glaubenskrisen hat man mal. Manchmal sogar bis zu dem Punkt, wo man alles hinschmeißen will. Jesus sagt hier: „Ich zwing dich zu nichts. Geh mit mir – aber überleg dir auch, was das heißt. Kannst du alles unterschreiben, was mir am Herzen liegt? Kannst du die Opfer bringen, die Nachfolge manchmal mit sich bringt? Kannst du mich immer an erste Stelle setzen, obwohl deine eigenen Ideen in manchen Punkten so viel reizvoller erscheinen? Kannst du mir das wirklich glauben, was ich sage, und mir auch da vertrauen, wo du nicht verstehst? Kannst du mir glauben, dass ich es gut mit dir meine?“

Nachfolge lohnt sich. Besonders da, wo man nicht einfach nur aus Gewohnheit mitläuft. Sondern ganz bewusst und aus vollem Herzen sagen kann: „Nein. Ich bleibe. Weil ich bei dir finde, was ich sonst nirgends finden kann.“

 

 

10 »Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?« Mt 12, 48

Jesus stellt die Frage nach den engsten Verbündeten. Und da zählen bei Jesus weniger die Gene als die Brüderschaft im Geiste. Nicht fromme Herkunft, sondern persönliche Überzeugung.

Zähl ich mich dazu? Bin ich sein Bruder? Kann ich diesen Titel mit Würde tragen? Für mich ist das ein guter Test, wie close Jesus und ich wirklich sind. Und dann hat diese Frage auch noch eine andere Dimension: Jesus überrascht seine Jünger, wen er da alles zu seinen Brüdern zählt. Und ich frag mich: Mit welchen „Brüdern“ würde er uns heute vor den Kopf stoßen?

 

 

11 »Warum fragst du mich nach dem, was gut ist?« Mt 19,17

Manchmal hätten wir einfach gerne eine Extraeinladung zum „guten Leben“ – einen Fingerzeig Gottes, eine Alltagsoffenbarung. „Plastikmüll bitte in den Gelben Sack. Und vergiss nicht deine Stille Zeit!“ Dabei ist doch dem Menschen gesagt, was gut ist. Es steckt in unserem Gewissen. Es tropft aus jeder der angehäuften Bibeln, die wir uns ins Bücherregal gestellt haben. Jesus hat sich dort bereits offenbart, wir könnten also anfangen und in dieses Leben hineinwachsen, zu dem uns Jesus ermutigt.

Sollte Jesus also fragen, warum wir ihn fragen, was gut ist, dürfen wir uns ruhig ein bisschen ertappt fühlen. Wollen wir wirklich seine Version dieses Lebens leben?

 

Dieser Artikel erschien in DRAN NEXT, dem Magazin zum Selberglauben. Jetzt kostenlos testen: www.dran-next.de

„Freuet euch im Herrn allezeit!“

Annegret Prause

Was passiert, wenn man die Paulus-Worte aus Philipper 4,4 „Freut euch im Herren allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“ als handfeste Aufforderung versteht? Annegret Prause will es herausfinden und wagt ein kleines Experiment: Freude – eine ganze Woche.

 

Montagmorgen. Mein kleines Experiment beginnt unter verschärften Bedingungen: Es gießt wie aus Eimern, ich habe schlecht geschlafen, bin müde und alles andere als euphorisch. „Jetzt müsstest du anfangen, dich zu freuen …“, denke ich mir. Schwierig.
Der Weg ins Büro ist lang, und ich nutze die Zeit im Auto, um über Freude nachzudenken. „Freut euch im Herrn allezeit!“ – „Allezeit“ wie in immer und den ganzen Tag? Wie soll ich das bloß hinbekommen? Ich komme zu keinem Ergebnis, stelle jedoch einen kleinen Nebeneffekt fest: Wenn ich über Freude nachdenke und mich mit dem Herrn darüber unterhalte, ist der Drang, sich über andere Autofahrer aufzuregen (die zu schnell, zu langsam und sowieso total komisch fahren) deutlich geringer. Ich komme ziemlich entspannt an …

Der Tag ist voll mit Dingen und Aufgaben, die meine gesamte Aufmerksamkeit fordern. Erst auf dem Heimweg fällt mir auf, dass ich mich währenddessen überhaupt nicht gefragt habe, ob ich mich jetzt gerade freue oder nicht. Ich habe gearbeitet, ich habe Dinge erledigt, ich habe Alltag erlebt. Das meiste davon freudetechnisch eher unauffällig.

Spät abends kann ich meinen Autoschlüssel nicht finden. Wo ich auch nachschaue, er ist nicht da. „Nimm den Regenschirm“, schießt es mir durch den Kopf. Ich ziehe den Regenschirm aus dem Schirmständer, öffne ihn – und heraus fällt mein Schlüssel. Ich bin ja eher ein stiller Freuer, lasse mich aber dazu hinreißen, ein bisschen vor Freude zu hüpfen. Nur wegen des Experiments natürlich. Eins zu Null für die Freude.

 

Freude als Widerstand

Der nächste Tag beginnt wieder mit Regen und Müdigkeit. Ich versuche, stimmungsmäßig dagegenzuhalten und singe im Auto laut „Summer in the city“ mit – während ich im Regen übers Land fahre. Trotzdem schwant mir schon an Tag zwei, dass das mit dem „sich allezeit Freuen“ anders gemeint sein muss. Es setzt mich unter Druck, und Druck und Freude vertragen sich nicht so gut.

Ich möchte dem Vers theologisch auf den Grund gehen und frage bei den Bibel-Kollegen nach, was Paulus sich hier gedacht haben könnte. Wir stellen fest, dass es wohl weniger um Dauer-Euphorie geht, als darum, sich freuen zu können, auch wenn die Umstände das nicht unbedingt nahelegen. „Freude als Widerstand“ nehme ich mir mit. Sich freuen, um zu zeigen, dass die Umstände hier nicht das letzte Wort haben, sondern Gott.

Soweit die Theorie. Ich sammle in den nächsten Tagen Freude-Momente und schreibe sie auf, denn ich habe festgestellt, dass ich in dieser Hinsicht ziemlich vergesslich bin. Ein spontaner (regenfreier) Abendspaziergang, Zeit mit Lieblingsmenschen, ein abgeschlossenes Projekt, Momente der Muße, Dankbarkeit für mein Zuhause. Aufschreiben und erinnern macht mich dankbar. Dankbarkeit macht mich fröhlich. Nicht als Dauerzustand, aber immer wieder. „Läuft“, denke ich mir.

 

Der Praxistest

Aber dann kommt im Laufe der Woche ein ziemlich großes Paket Alltagssorgen vorbei. Von der Sorte, die sich nicht so leicht weglächeln lässt. Und ja, ich sorge mich. Mit meiner Guerilla-Taktik der „Freude als Widerstand“ ist es in der Praxis nicht so weit her. Ich gebe einen ziemlich erbärmlichen Widerstandskämpfer ab. An solchen Tagen kann ich mich nur entscheiden, welchen Erlebnissen und Dingen ich erlaube, in den Vordergrund zu treten. Wird der Tag im Rückblick freudebunt, weil eigentlich immer auch gute Dinge passieren, oder wird er sorgengrau? An manchen Tagen fällt die Antwort leicht, an manchen ist die Antwort ein trotziges „Mir doch egal, ich entscheide mich für die Freude“. Es gibt aber auch Tage, und ich bin dankbar, dass es wenige sind, da siegt das Grau. Wie wird dieser Sorgentag im Rückblick aussehen? Ich bin unentschlossen.

 

Freude. Einfach so

Sonntag. Gottesdienst. Ein völlig normaler, aufgrund der Ferienzeit übersichtlich besuchter Gottesdienst. Und mittendrin ist da plötzlich: Freude. Einfach so. Weil Gott da ist. Keine „Ich hüpfe vor Euphorie durchs Zimmer“-Freude, sondern Freude wie die Wärme eines Kachelofens. Und eine weitere Erkenntnis: „Freude im Herrn“ ist ein Geschenk, für das ich nichts machen kann/muss. Freude ist ein Teil Gottes, von der ich mich einhüllen lassen kann, wenn ich ihm begegne. Ich muss mir eigentlich nur die Zeit nehmen, um Zeit mit ihm zu verbringen. So einfach ist das. Und so schwer.

Was bleibt von dieser Woche? Staunen, dass Freude für Gott ein ziemliches Thema ist. Der Gedanke „Freude ist eine Form des Widerstandes“, der mich weiter begleitet. Und die Erkenntnis, dass es sich deutlich leichter freuen lässt, wenn man sich damit nicht so unter Druck setzt.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift JOYCE. Jetzt kostenlos testen: www.JOYCE-magazin.net

 

Die Gottesdienst-Wirkung verstärken

Von Dr. Ulrich Wendel

Die Bibel mit in den Gottesdienst bringen: Ist das nützlich? Oder lenkt es ab von dem, was man von vorne hört?

Die Diskussionsteilnehmer in einem Forum auf www.jesus.de waren geteilter Meinung. Einige bringen aus Überzeugung ihre Bibel in die Kirche mit und lesen den Predigttext nach. Andere bringen ihre Bibel nicht mit – weil sie sie bereits in der Kirche deponiert haben. Manche empfinden es als respektlos dem Pfarrer gegenüber, während der Predigt Bibel zu lesen – als ob man ihn kontrollieren wolle.

Natürlich kann es sein, dass man eine andere Übersetzung dabei hat als die, aus der im Gottesdienst vorgelesen wird. Auch hier finden die einen das dann ablenkend, die anderen begrüßen die Variante als Ergänzung. Die Zahl derer aber ist groß, denen es zur Konzentration hilft, in ihrer eigenen Bibel mitzulesen. Und auch dieser Hinweis kam im Forum: Wenn die Predigt mal langweilig sein sollte, hat man immer noch was Interessantes dabei…

Ich persönlich meine, es kann die Wirkung einer Predigt oder eines Gottesdienstes ziemlich verstärken, wenn ich meine Bibel dabei habe und die Lesungstexte aufschlage. Ich begreife den Zusammenhang des Textes besser, um den es geht. Ich kann einen bedeutsamen Vers mit Bleistift unterstreichen. Und wenn ich den Predigttext zu Hause noch mal in derselben Bibel nachlese, vielleicht mit meinen Anstreichungen, ist das eine gute Verknüpfung zwischen Sonntag und Montag. Das sind Wirkungen, die der Bibeltext, der auf Leinwand gebeamt wird, so nicht leisten kann.

Ich kenne eine Gemeinde, in der es fast schon zum Standard gehört, die eigene Bibel dabei zu haben. Es hat mich beeindruckt, wie die Gemeindemitglieder ermutigt werden, alles Gehörte mit der Bibel zu vergleichen. Auch das persönliche Bibellesen wird so geprägt.

Ich weiß aber, dass es natürlich auch noch die „andere Hälfte“ der Kirchgänger gibt, die im Gottesdienst lieber nur hören und nicht auch noch lesen. Zu welcher Gruppe gehören Sie – und warum?

Dieser Artikel erschien im Magazin Faszination Bibel. Jetzt kostenlos testen: www.faszination-bibel.net

Mein Lieblingsvers

Von Susanne Tobies

„Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Römer 5,3-5

Ein so unbequemer Abschnitt der Bibel als Lieblingsvers? Wer will schon Bedrängnis, geschweige denn sich dessen rühmen? Ich sicher nicht! Und doch war unsere Familie Ende der Neunzigerjahre in einer existenziellen Bedrängnis – und das für längere Zeit. Ich war emotional am Ende und fragte mich, ob Gott uns überhaupt sieht – keine unserer Bitten hatte er bis dahin erhört. Er schien taub und stumm uns gegenüber zu sein. Wieder einmal saß ich damals mit der Bibel in der Hand und rang mit Gott um Hilfe und Antwort. „Zufällig“ schlug ich Römer 5 auf. Vorher hatte ich diese Sätze nie wirklich verstanden – mir hatte meine Bedrängnis keine Geduld gebracht, und mit meiner Hoffnung war es nach Jahren unbeantworteter Gebete auch nicht mehr weit her.

Doch genau in diesem Moment passierte das Wunder, von dem der Vers sprach: Die Liebe Gottes wurde „ausgegossen in mein Herz durch den Heiligen Geist“. Ich wusste auf einmal mit absoluter Sicherheit, dass Gott mich liebt und daher auch nicht vergessen hat. Das war ein überwältigendes Gefühlserlebnis, das ich nie vergessen werde. Seitdem bin ich überzeugt, dass Gottes Liebe das Allerwichtigste ist, über das ich Gewissheit haben muss, damit ich befreit und unbesorgt leben kann. Alles andere tritt dagegen in den Hintergrund – unsere Lebensumstände, unsere Schwierigkeiten und sogar die erhoffte Hilfe. Heute glaube ich, dass meine „Bewährung“ darin bestand, trotz aller Bedrängnisse und Verwirrung beharrlich an Gott festzuhalten. Und Gott hat seine Zusage wahr gemacht: Hoffnung lässt uns nicht zuschanden werden; er hat uns damals geholfen, so wie wir es uns niemals selbst hätten ausdenken können. Immer wenn ich heute in Bedrängnis komme, erinnere ich mich daran, dass Gott mich liebt. In dieser Geborgenheit kann ich es wagen, auch schwierigen Situationen ins Auge zu schauen – und auf Gott zu vertrauen.

Susanne Tobies ist Redaktionsassistentin beim Magazin AUFATMEN. Jetzt kostenlos testen: www.aufatmen.de

Was bringt’s?

von Pascal Görtz

Glaube und Vertrauen – wie sich beide gegenseitig bedingen, zeigt eine biblische Episode

Es gibt Verse in der Bibel, die erstaunen einen auch noch nach dem 50. Mal lesen. Weil sie einem ermöglichen, Mäuschen zu spielen, wie die Jünger zweifelnd und stolpernd wichtige Fortschritte im Glauben machen. Da ist zum Beispiel die Episode, in der ein reicher, in vielerlei Hinsicht vorbildlicher Jüngling zu Jesus kommt und dieser ihm barsch die Grenzen seines Gottvertrauens aufzeigt. Die Szene muss ordentlich Eindruck bei den Aposteln hinterlassen haben. Es scheint, als seien sie mit dem armen Jung gleich mit abgebügelt worden. Von jetzt auf gleich wissen auch sie nicht mehr so genau, was sie von der Zukunft erwarten dürfen. Wenn der es nicht ins Reich Gottes packt, wer denn dann? Am Ende des kurzen Dialogs muss Petrus doch mal allen Mut zusammennehmen und so ganz offen fragen: „Wir haben alles aufgegeben, um dir nachzufolgen. Was werden wir dafür bekommen?“

Paulus‘ Frage könnte auch unsere sein: Was werden wir dafür bekommen, dass wir unsere Wochenenden zwischen 16 und 30 in muffigen Gemeinderäumen statt in der weiten Welt zugebracht haben, um Lobpreisbands auszuleuchten? Dass wir unsere Karrieren aufgegeben haben, ehe sie richtig ins Laufen kamen, weil wir dem missionarischen Herz nach Nepal gefolgt sind? Hat sich das gelohnt, alles auf eine Karte zu setzen?

 

Glaube – Vertrauen, das Werke fordert

In Momenten wie diesem merkt auch der Letzte, dass der Glaube mehr ist als das bloße Fürwahrhalten philosophischer Optionen. Er braucht den Vertrauensschritt, die Tat, fordert den Glaubenden mit Haut und Haaren heraus. Der Glaube betrifft das große Bild, nicht nur den philosophischen Zweikanalton.

Drastisch fasst das der Verfasser des Jakobus-Briefes in Worte, wenn er schreibt: „Ohne Taten ist der Glaube tot.“ (Jakobus 2,26). Was für eine radikale Zuspitzung! Kaum haben sich die ersten Christen von der Werkgerechtigkeit verabschiedet, da werden sie auch schon wieder von der Bedeutung der Tat eingeholt. Weil sich gelebter Glaube konsequenterweise in Taten äußert. Sie sind einerseits Resultat des Glaubens, aber auch sein Katalysator: Menschen, die gelernt haben, aus dem Boot auszusteigen und im übertragenden Sinne „auf dem Wasser zu gehen“, erleben Gottes Gegenwart als belastbares Fundament ihres Glaubens. Wer Gotteserfahrungen machen will, muss sich auf Wagnisse einlassen. Insofern fordern wir unseren Glauben durch unser Handeln tagtäglich heraus, indem wir Gott unser Vertrauen vorschießen. Mal bedeutet es, eine Sache anzupacken, wann anders, auf Gottes Moment zu warten oder uns auf neue Wege einzulassen.

Der Glaube ist nichts, was wir besitzen könnten. Er will in jedem Augenblick durch Vertrauen erworben werden. Denn unser Glaube ist nie letzte Gewissheit, sondern „Glaubensgewissheit“. Dazwischen passt eine gute Portion Vertrauen, ohne die es nicht geht. Zurück auf Anfang: Lohnt sich das Ganze? Wir haben alles aufgegeben. Was werden wir dafür bekommen? „Ich versichere euch: jeder, der um meines Namens willen sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz aufgegeben hat, wird hundertmal so viel wiederbekommen und das ewige Leben erlangen. Doch viele, die heute wichtig erscheinen, werden dann die Geringsten sein, und die, die hier ganz unbedeutend sind, werden dort die Größten sein.“ (Matthäus 19, 29)

Der Rest ist Vertrauen.

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Tobi, der Blinde?

von Tobias Hambuch

Namen sind mehr als Schall und Rauch: Sie können ihren Träger sympathisch und klug wirken lassen – oder auch das Gegenteil bewirken. Dabei haben Namen ihre ganz eigene Bedeutung. Viele stammen aus der Bibel und tragen oft eine Botschaft in sich.

Mein Name ist doch super, dachte ich immer. Ich heiße nicht Lukas, Johannes oder Mose und bin damit nicht nach einem hinlänglich bekannten Bibelbuch benannt. Andererseits ist mein Name dennoch biblisch, denn in den Apokryphen gibt es doch dieses kleine, aber feine Buch: Tobi(t). Da ist er schon, mein Spitzname! Alles bestens also: Mein Name hat biblisches Fundament und ist gleichzeitig nicht schnöde und langweilig, weil er in jedem dritten Kapitel vorkommt – wie beispielsweise Allerweltsnamen à la Nebukadnezar, Melchisedek und Co.

Wenn ich in die weite Welt hinausschaue, mache ich eine weitere durchaus interessante Beobachtung: Einen Politiker, Schauspieler oder Sportler, der regelmäßig in den Gazetten auftaucht und dabei den Vornamen Tobias trägt, gibt es nicht (belehrt mich gerne eines Besseren!). Damit will ich keinesfalls ausdrücken, dass jeder Tobi(as) nur Durchschnitt und nicht besonders erwähnenswert wäre. Vielmehr scheinen die Tobis dieser Welt nicht so stark interessiert am Blitzlichtgewitter, neigen also eindeutig zur Bescheidenheit.

Nähern wir uns nun aber diesem Tobit, Sohn eines Tobiel, und seinem Sohn Tobias (sehr erfindungsreiche Familie!). Denn da kommen doch tatsächlich die ersten Makel an der Perfektion dieses ach so wunderschönen Vornamens ans Tageslicht: Tobit ist alles andere als der Held der Bibel, der voller Tatendrang und Furchtlosigkeit ins Ungewisse schreitet – er ist zuallererst blind! Wie bitte? Blind? Das ist für mich auf den ersten Blick nicht die beste Voraussetzung, um etwas bewegen zu können. Möglicherweise soll mir das aber auch einfach einen Hinweis darauf liefern, woher meine Hornhautverkrümmung rührt und warum ich eine Brille auf der Nase trage! Spannend ist: Tobit wird durch Zutun seines Sohnes Tobias von seiner Blindheit geheilt und wird 112 Jahre alt. Das sind doch mal Aussichten! Gerne komme ich da nach meinen Namensvetter.

Kommen wir zum Schluss noch zur ursprünglichen Wortherkunft. Das Hebräische „tobijah“ bedeutet „Gott ist gut und gnädig“. Das spricht eine klare Sprache: Meine Eltern sehen mich als Geschenk Gottes an. Wahnsinn! Außerdem ist es eine über mein Leben ausgesprochene, gültige Wahrheit – schön, dass ich diese noch 88 Jahre lang kräftig auskosten darf.

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Gestaltete Zitate

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So wäre ich gerne …

Von Pfarrer Hanspeter Wolfsberger

Der 13. Opferkasten im Tempel – aussehend wie eine auf dem Trichter stehende Posaune –war der Platz für Spenden mit dem Zweck „wo am Nötigsten“. Der dabei stehende Priester nahm die laut zu äußernde Spendensumme zur Kenntnis, bestätigte sie, kommentierte sie wohl auch manchmal – vor allem, wenn sie gering war in seinen Augen –, und wer in der Nähe war, hörte es.

Jesus war in der Nähe. Und hörte deshalb, wieviel diese Frau einlegte. Eine verarmte Witwe, heißt es. Das heißt: So sah sie auch aus. Sie hatte einen ungünstigen Moment erwischt, ihre Gabe abzugeben. Vor ihr waren etliche reiche Leute „benannt“ worden. Nun kam sie – mit fast nichts. Der laut gewordene Unterschied war schon akustisch krass. Als die Frau abdrehte und die sogenannten „Schatzkammer“ verließ, kam sie an Jesus vorbei. Er sah sie an, und er sah – das Mehr. Das in ihrer Gabe Verborgene umwehte sie. Das Eigentliche. Der von Gott gesuchte „wohlgefällige Geruch“, wie die Rabbinen lehrten. Das, was Gott aufregend findet, weil es sein Herz berührt. Und Jesus sagte leise zu seinen Jüngern: „Sie hat ihre Armut gegeben, ihren bios, ihr Leben.“ (Markus 12,41ff / Lukas 21,1 ff)

Was da in den Opferkasten hinunter klimperte, war materiell zu vernachlässigen. Schon das Porto für eine Zuwendungsbescheinigung war teurer als die Gabe selbst. Aber diese Mini-Gabe war etwas seltsam Ganzes. Etwas zum Himmel hinauf Gegebenes. Etwas dort Angekommenes und Verwandeltes.

 

Man erlaube mir die Assoziation: Wenn so meine Mitarbeit im Reich Gottes wäre, auch und vor allem als Verkündiger und in Beziehungen: Das Wenige, die eigene Armut Gott hinhalten, weil ich mehr nicht habe: „Da, Jesus, mein Leben. Mach was draus. Egal was. Aber mach was draus!“

Zeuge sein ohne künstliche Ergänzungsmittel. Ohne die Armut schönredende Performance. Ohne „Auftritt“, ohne verbale Vorführung. Ohne gestische oder auditive Wirkungsverstärker. Dafür zutiefst bescheiden, entwaffnend ehrlich, heiter und spürbar darauf angewiesen, dass der Himmel selbst sich erbarmt und Feuer auf die hingehaltene Opfergabe fallen lässt…

Ein chassidischer Rabbi besuchte ein auswärtiges Bethaus. Unter der Tür blieb er jedoch stehen und weigerte sich, hinein zu gehen. Er erklärte: „Ich kann nicht hinein. Das Haus ist vom Boden bis zur Decke voll mit hier geäußerter Lehre und mit Gebeten.“ Er fuhr fort: „Die Worte, die über die Lippen der Lehrer und Beter gehen und die nicht aus einem auf den Himmel ausgerichteten Herzen kommen, die verlassen den Raum nicht, sondern füllen ihn nur. Darum ist hier kein Platz mehr.“

„Sie hat ihre Armut gegeben, ihren bios, ihr Leben.“

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