Beiträge

Als Afrikaner in der Gemeindeleitung

Dr. Ulrich Wendel

Serie: Unbekannte Personen der Bibel

Luziusʼ Weg von Kyrene nach Antiochia

Beten, auf Gott hören und andere Christen unterrichten: Das waren die Aufgaben von Luzius, als er in der Gemeinde von Antiochia lebte. Diese Stadt am Orontes heißt heute Antakya und liegt im südlichen Zipfel der Türkei. In neutestamentlicher Zeit gehörte sie zur römischen Provinz Syrien. Die Gemeinde in Antiochia war eine der wichtigsten des Urchristentums. Luzius gehörte dort zu einem fünfköpfigen Team von urchristlichen Propheten und Lehrern (Apostelgeschichte 13,1), trug also große Verantwortung, die er mit anderen teilen konnte.

Nordafrikaner in Jerusalem

Wo kam Luzius her und wie kam er nach Antiochia? Seine Heimat war Kyrene. Diese Stadt lag unweit der nordafrikanischen Mittelmeerküste, im heutigen Libyen. Luzius war also Afrikaner – aus einer Region, die berberisch und arabisch geprägt war. Er war vermutlich aber nicht unmittelbar von Nordafrika nach Antiochia übergesiedelt. Denn wir wissen von der dortigen Gemeinde, dass sie entstand, als kyrenische Christen aus Jerusalem fliehen mussten und nach Antiochia kamen (Apostelgeschichte 11,20). Die Annahme liegt auf der Hand, dass Luzius einer von ihnen gewesen ist. Sein Aufenthalt als Afrikaner zuvor in Jerusalem war nichts Ungewöhnliches. Es gibt verschiedene Hinweise auf Juden aus Kyrene, die in Jerusalem lebten. Einer davon ist Simon von Kyrene, der das Kreuz von Jesus nach Golgatha trug (Markus 15,21). Während des Wochenfestes, das dann zum Pfingstfest wurde, weil Gott seinen Geist ausgoss, waren auch Pilger aus Kyrene in der Heiligen Stadt (Apostelgeschichte 2,10). Doch nicht nur Festtagsbesucher, sondern auch dauerhaft angesiedelte kyrenische Juden gab es dort, sodass man sich sogar in einer eigenen „Synagoge der Kyrenäer“ traf (Apostelgeschichte 6,9).

Luzius könnte also einer dieser Kyrener gewesen sein, der während der Pfingstpredigt von Petrus oder etwas später zum Glauben an Christus kam. Eine andere Möglichkeit wäre, dass er in seiner Heimatstadt Christ wurde. Manche nehmen an, dass in Kyrene schon früh eine Gemeinde entstanden war. Der Missionsforscher Eckhard Schnabel weist darauf hin, dass viele Juden zwischen Jerusalem und Kyrene und zwischen Antiochia und Kyrene hin- und herreisten. Frühe christliche Missionare könnten auf diesen Wegen ebenfalls rasch nach Nordafrika gekommen sein. Wenn sie es waren, die Luzius zum Glauben führten, dann wäre er nicht schon mit der Vertreibungswelle aus Jerusalem nach Antiochien gekommen – sie geschah um 31/32 n. Chr., als wohl noch keine Gemeinde in Kyrene existierte –, sondern erst später.

Propheten und Lehrer in Antiochia

Wie auch immer: Um das Jahr 45 n. Chr. treffen wir ihn jedenfalls als einen aus der Gruppe der Propheten und Lehrer in der Gemeinde am Orontes an. Hier war er an einem Gottesdienst beteiligt, der zur ersten Missionsreise von Saulus führte. Und wie das genau vor sich ging, darauf lohnt es sich einen näheren Blick zu werfen.

Barnabas und Saulus wurden von der Gemeinde als Missionare ausgesandt, nachdem der Heilige Geist eine Berufung ausgesprochen hatte. Dieses Reden des Geistes ereignete sich, als die erwähnten fünf Propheten und Lehrer (vielleicht zusammen mit der ganzen Gemeinde) fasteten und beteten. Die späteren Reisemissionare Barnabas und Saulus gehörten selbst zu dieser Fünfergruppe, waren also prophetisch und didaktisch begabt. Die übrigen drei waren eben jener Luzius aus Kyrene, dann ein Mann namens Manaën und schließlich Simeon mit dem Beinamen Niger. Es ergibt sich ein bemerkenswertes Bild. Saulus stammte aus Tarsus in Kilikien, an der Südküste Kleinasiens (der heutigen Türkei). Barnabas kam gebürtig aus Zypern. Manaën war als Jugendlicher mit dem späteren Herrscher Herodes Antipas aufgezogen worden, sicherlich in Jerusalem. Von Luzius kennen wir ja seine Herkunft aus Nordafrika. Und der Fünfte in der Gruppe war höchstwahrscheinlich ebenfalls ein Afrikaner – sein Beiname „Niger“ heißt übersetzt: der Schwarze.

Wo „schwarzes Leben zählte“

Der Kreis der verantwortlichen Propheten und Lehrer war also multikulturell zusammengesetzt und bestand zu zwei Fünfteln aus Afrikanern. Nachdem der Zypriot Barnabas und der Kilikier Paulus auf Reisen geschickt worden waren, waren die Afrikaner – zumindest eine Zeitlang, wir wissen ja nichts, darüber, ob und wie der Kreis dann ergänzt wurde – in der Mehrheit. Mindestens einer dieser beiden Afrikaner war durch seine schwarze Haut unübersehbar als solcher erkennbar. Ob sich auch Luzius durch seine Hautfarbe abhob, ist schwer zu sagen. Der Teint von Libyern und Syrern (wo Antiochia lag) war vielleicht nicht so unterschiedlich wie von – sagen wir – weißen Amerikanern und Afroamerikanern. Doch allen war bewusst, dass auch Luzius aus Afrika kam: Sein Beiname war unmissverständlich.

Unseren westlich geprägten Kulturen muss gerade in diesem Jahr neu bewusst gemacht werden, dass „schwarzes Leben zählt“ (Black Lives Matter, so das Motto einer ursprünglich US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung). Auch unter Christen ist es nicht überall selbstverständlich, Schwarzen ohne Vorbehalte zu begegnen. Luzius aus Kyrene zeigt uns, wie integrativ christliche Gemeinden sein können und sollen. Schon in Jerusalem gehörten ja „Männer aus Kyrene“ fraglos dazu. Und aus Antiochien am Orontes ist uns überliefert, dass Dunkelhäutige (oder People of Color, wie man heute sagen würde) die Gemeinde selbstverständlich prägten und erhebliche Verantwortung in ihr trugen.

Vorhut von Gottes neuer Welt

Luzius und die anderen, die seinen Dienst begrüßten, unterstützten und daraus Nutzen zogen – sie waren eine Vorhut. Die Vorhut der großen Menge „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen“, die in der Vollendung Gott auf seinem Thron anbeten werden (Offenbarung 7,9). Und wenn der neue Himmel und die neue Erde Realität sind, heißt es: Gott „wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein“ (Offenbarung 21,3) – ethnische Vielfalt also auch dann noch! Das ist Gottes Zukunft. Luzius und seine Mitchristen lebten bereits ein Stück davon.

 

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Esther, die Königin

Esther Häde

Geschichten rund um Namen sind spannend. Letztens bat mich ein kleiner Junge: „Esther, komm mal.“ Brav ging ich zu dem Jungen hin und er flüsterte mir einen Namen ins Ohr.  Einen Namen für den Fall, dass mein Mann und ich irgendwann mal einen Sohn bekommen sollten. Dieser Moment war sehr rührend. Ob er sich lange darüber Gedanken gemacht hatte oder ob es eine spontane Eingebung war, ich weiß es nicht. Von meinen Eltern weiß ich, dass sie sich schon lange bevor ich das Licht der Welt erblickte, Gedanken über einen passenden Namen für mich gemacht haben. Nur passte er letztendlich doch nicht mehr so gut.

Nachdem die Ärztin einige Blicke auf das Ultraschallbild geworfen hatte, stand für sie und meine Eltern fest: Es wird ein Junge! Aufgrund der damaligen Faktenlage beschlossen meine Eltern, ihren Sohn Volker zu nennen. Kurz vor meiner Geburt stellte sich heraus, dass ein anderer Name hermusste. Kein Junge, sondern ein Mädchen kündigte sich an. Meine überraschten Eltern beschlossen kurzerhand ihre zweite Tochter Esther zu nennen. Als meine Mutter später mit ihrem Onkel telefonierte und meinen Namen bekannt gab, waren seine Worte: Eine Königin…

Tatsächlich war meine Namensträgerin aus der Bibel eine Königin: Eine hübsche, mutige und gottesfürchtige Frau. Als König Ahasveros auf der Suche nach einer neuen Frau und Königin war, trat Esther eines Tages vor ihn und erwarb sich seine Gunst. In der Bibel wird berichtet, dass der König sie mehr liebte als alle anderen Frauen.

So weit so märchenhaft. Doch Esther hütete ein Geheimnis – sie war Jüdin. Ihr Onkel Mordechai, der sie nach dem Tod ihrer Eltern in sein Haus genommen und sie wie seine eigene Tochter aufgezogen hatte, hatte ihr befohlen, über ihre Herkunft zu schweigen. Als der Palastbeamte Haman mit Erlaubnis des Königs beschloss, das Volk der Juden zu vernichten und Mordechai davon erfuhr, bat er Esther um Hilfe. Besonnen und voller Zuversicht trat sie beim König für die Juden ein und rettete mit Gottes Hilfe ihr Volk.

Das Leben mit Gott steckt voller Überraschungen und spannender Wendungen – das zeigt die Geschichte der Königin Esther unmissverständlich. Mich begeistert, dass diese Geschichte zeigt, wie Gott auch in unserem Leben wirkt. Oft können wir den Sinn von etwas nicht direkt erkennen oder denken, dass eine Situation ausweglos ist: Dabei hat Gott einen perfekten Überblick über das Geschehen und als unser Schöpfer und Herr weiß er, wie er unser Leben zum Guten führt.

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Jonathan, ein Geschenk Gottes

Jonathan Bauer

Jonathan. Dieser Name ist meinen Verwandten und Freunden wohl etwas zu lang. Deshalb überrascht es vielleicht auch nicht, wenn ich von ihnen kaum so genannt werde. Denn für einen so langen Namen haben sich diese eine ebenso lange Liste an Spitznamen überlegt: Joni, Jonny, Johny, John sind da nur ein kleiner Vorgeschmack auf die ganze Bandbreite. Wenn ich als Kind doch mal bei meinem vollen Namen genannt wurde, dann häufig von meinen Eltern – und auch nicht selten nur aus dem folgenen Grund: Ich hatte mal wieder etwas angestellt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich mag meinen Namen. Er ist eine Ableitung aus dem Hebräischen: Jeho-nathan. „Jeho“ ist eine Kurzform des Namens Jahwe, mit dem sich Gott im Alten Testament immer wieder dem Volk Israels vorstellt. „Nathan“ bedeutet „hat gegeben“. Jonathan bedeutet dann also: „Jahwe hat gegeben“ oder „Geschenk Jahwes“. Ich bin ein Geschenk. Daran erinnert mich mein Name immer wieder. Aber für wen war ich ein Geschenk? Für meine Eltern? Meine Freunde? Meine Mitmenschen?

Auch die Bibel kennt einen Menschen mit dem Namen Jonathan, der ein Geschenk für einen besonderen Mann war: David, als dieser noch nicht König von Israel war. Jonathan war der Sohn des Königs Saul. Zwischen Jonathan und David entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Denn Jonathan rettete David mehrmals vor seinem Vater, der David aus Eifersucht und Angst um sein Königreich umbringen wollte. Als Jonathan schließlich bei einer Schlacht gegen die Philister starb, weinte David sehr um seinen verlorenen Freund, weil er ihn so sehr geliebt hatte. Eine krasse Geschichte. Jonathan war ein wirklich großes Geschenk für David. Ohne ihn wäre David wohl nie König geworden. Und doch zeigt es mir, dass auch ich ein Geschenk sein kann für meine Mitmenschen. Vielleicht nicht unbedingt, indem ich sie vor dem Tod rette, aber indem ich ihnen mit Liebe und Akzeptanz im Lichte Jesu gegenübertrete. Jeder Mensch ist ein Geschenk, auf einzigartige Weise erschaffen. Mein Name erinnert mich daran. Jeden Tag. Lasst uns ein Geschenk sein – für unsere Familienmitglieder, Freunde und alle anderen Menschen.

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Andreas, der Abschlepper

Andreas Klotz

Als Kind habe ich mich „selbstverständlich“ für meinen Namen interessiert und mir gewünscht, dass damit ein besonderer Sinn oder eine außergewöhnliche Persönlichkeit verbunden wäre. Durch Nachfrage bei meinen Eltern und Namensgebern konnte ich in Erfahrung bringen, dass sie diesen Namen einfach nur schön gefunden haben, dass die Bedeutung von Andreas „der Männliche“ wäre und dass auch in der Bibel ein Andreas vorkommt.

Die Beschäftigung mit diesem Namensvetter im Jüngerteam von Jesus führte für meinen damaligen Geschmack aber zu einem enttäuschenden Ergebnis: Andreas wird kaum erwähnt und steht im Schatten seines deutlich berühmteren Bruders Simon Petrus (Markus 1, 16).

Erst später habe ich in den wenigen biblischen Notizen zu Andreas etwas entdeckt, das für mich ein wichtiger Impuls geworden ist: Andreas war gerne behilflich, wenn Menschen zu Jesus wollten. Er war aber nicht nur unterstützend tätig (Johannes 12, 22), sondern als Abschlepper hat er Menschen auch proaktiv eingeladen. Ein Beispiel dafür ist, wie er seinen leiblichen Bruder Simon zu Jesus führte (Johannes 1, 41-42). Einen wichtigeren Dienst können wir anderen Menschen, auch den direkten Familienangehörigen, nicht tun.

Selbst wenn sein Bruder Simon der einzige Mensch gewesen sein sollte, den Andreas für Jesus gewonnen hat, dann war das eine große Sache. Denn Simon wurde zu einer Schlüsselperson, die anschließend als Apostel Petrus eine bewegte und wirkungsvolle Segensgeschichte entfalten sollte. So kann ein einziger missionarischer Vermittlungsdienst eine großartige Kettenreaktion zur Folge haben. Das finde ich sehr verheißungsvoll.

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Rahel, die Wertvolle

Rahel Täubert

„Wie heißt du…?“ Diesen Satz höre ich seit meiner Kindheit immer wieder. „Karin?“ „RaCHel“? „Ra-eeel?“ „Räischtel?“. Es wird normal, das Buchstabieren. „R-A-H-E-L. Ohne C.“ Ein seltener Name. In der Schule hieß keiner so.

„Woher kommt der Name? Aus der Bibel?“ Hundert Punkte, wenn das einer weiß! In der Schweiz ist der Name verbreiteter. Ja, meine Mutter kommt aus der Schweiz, und mein Vater ist Pastor … Dass er in Deutschland so selten geworden ist, hat viel mit der Vertreibung und Ermordung der deutschen Juden zu tun. Ein tragischer Aspekt meines Namens.

„Bist du Jüdin? Oder irgendwie religiös?“ Solche Fragen sind oft ein Türöffner, um über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Vorsichtig, denn in meiner Berufswelt gibt es kaum bekennende Christen.

Auch Kinder können mit dem Namen oft nichts verbinden. „RA- HELL – wie ein heller Rabe!“, sage ich dann. Als Eselsbrücke. Das hilft. Meistens. Aber wenn man sich den Namen erst einmal gemerkt hat, vergisst man ihn nicht mehr. Und man weiß sofort, wen man damit verbinden muss. Sabine, Susanne, Tanja – davon gibt es viele. Man braucht zusätzliche Attribute, um sie auseinander zu halten. „Die Susanne mit den kurzen braunen Haaren.“ Eins zu null für mich.

Die Bibel berichtet von Rahel, der schönen Aramäerin, für die Jakob sieben Jahre arbeiten musste. Am Ende wurde er betrogen. Sein Schwiegervater Laban schmuggelte ihm in der Hochzeitsnacht die ältere Schwester Lea unter. Um doch noch Rahel zur Frau zu bekommen, musste Jakob weitere sieben Jahre schuften. Jakob, der Betrüger, wurde selbst betrogen. (1. Mose 29)

„Das (Mutter)schaf“ bedeutet der Name im Hebräischen. Man kann ihn auch mit „Das Wertvollste der Familie“ übersetzen. Unser Name macht etwas mit uns. Weil wir ihn täglich hören. Es hat Einfluss auf unsere Entwicklung, ob wir ihn lieben oder nicht. Was er bedeutet, wie man ihn ausspricht, wie er klingt.

Die Schreibweise meines Namens in unterschiedlichen Sprachen habe ich vor Jahren im Deutschen Bibelmuseum erforscht. Ich habe entdeckt: Mein Name ist international. Das ist ein großer Vorteil, wenn ich reise. Englisch: Rachel. Italienisch: Rachele. Französisch: Rachél. Spanisch: Raquel. Arabisch/Persisch: Rahil.

Spitznamen oder Abkürzungen gibt ‚s für mich übrigens nicht. Gab es noch nie. Gut so. Ich fühle mich geehrt, einen außergewöhnlichen Namen zu tragen. Dass ich ihn immer wieder erklären muss, daran habe ich mich im Laufe der Jahre gewöhnt. Irgendwie.

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Samuel, von Gott erhört

Samuel Moser

Samuel Moser konnte als Kind wenig mit seinem biblischen Namen anfangen. Das hat sich gründlich geändert.

 

Als meine Mutter mich zur Welt brachte, war sie bereits 32 Jahre alt. Bedingt durch einen schweren Unfall in der frühen Kindheit, war sie körperlich behindert. Weil sie so lange warten mussten, haben meine Eltern den Namen ihres Ältesten bewusst ausgewählt, und zwar in Anlehnung an die alttestamentliche Geschichte der Hanna. Diese bat Gott lange um ein Kind – und nannte ihren Erstgeborenen dann Samuel, „Ich bin von Gott erhört“. Für meine Eltern war ich offensichtlich ebenfalls ein vom Herrn Erbetener. Ob damit auch ein Gelübde, wie bei Hanna, verbunden war, weiß ich nicht.

Seit mehr als 80 Jahren lebe ich nun mit meinem Vornamen Samuel – und bejahe ihn zunehmend. Im Berner-Land, in dem ich aufwuchs, nannte man mich schon früh Sämi, auch meine Mutter rief mich bei diesem Namen. Ich hatte meine Mühe damit, denn das war auch ein häufiger Name für Berner Sennen-Hunde. Ansonsten war der Name Samuel damals eher selten; ich kann mich nicht erinnern, dass in den Schulen, die ich besuchte, außer mir noch jemand Samuel hieß. Auch stand ich immer unter dem Eindruck, der biblische Name würde mich zum „Frömmler“ stempeln. Wenn ich gelegentlich auf die mächtige Gestalt des biblischen Samuel angesprochen wurde, war mir das unangenehm. Diese Schuhe waren viel zu groß für mich.

Als ich meine Gattin Eve, mit der ich nun mehr als 56 Jahre verheiratet bin, kennenlernte, nannte sie mich schlicht Sam. Das gefiel mir. Eve und Sam, das passte. Von jetzt an stellte ich mich meist mit diesem Vornamen vor und wurde hinfort auch so angesprochen. In der Schweiz kennt man mich bis heute meist unter diesem Namen. Als ich vermehrt mit ausländischen Freunden zu tun hatte, nannten sie mich fast ausnahmslos Samuel. Auch meine Bücher und Beiträge in Zeitschriften erschienen unter diesem Namen. Und ich begann, mich damit anzufreunden. Wie beim Wein, das Alter macht milder. Heute ist mir der Name Samuel kostbar – nicht zuletzt wegen seiner biblischen Hintergrundgeschichte.

 

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Hilferuf eines Angefochtenen

Von Levian Scheidthauer

Eine Auslegung von Psalm 13

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? 

Es ist ein Markenzeichen der Psalmen, dass sie uns die labilen Stimmungslagen großer Glaubenshelden auf dem Silbertablett servieren. „Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen?“ Ist das nicht allzu menschlich? Wie oft fühlen wir uns in unserem Scheitern von Gott verlassen. In der Stunde der großen Niederlagen, wenn es einsam um einen wird. Solange es läuft, feiern wir seinen Segen, aber unser Scheitern erleben wir auf uns selbst zurückgeworfen. Gott, bist du nur der Gott der Siegertypen? David macht aus diesem Gefühl keinen Hehl, auch wenn er es – wie sich zeigen wird – besser weiß.

 

Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Da versinkt einer in einer Mischung aus Angst und Selbstmitleid. Nicht aus Selbstzweifeln, sondern aus Gottverlassenheit. Die Angst versperrt uns den klaren Blick auf die Dinge, zerstört auch das stabilste Lebensgefühl. Mit Angst ist alles bitter. Ohne Gott ist alles bitter. Und David leidet wie ein Schlosshund.

Aber David bleibt nicht bei seinen eigenen Gefühlen. Seine Klage wird persönlicher. Das Gefühl, Gott sei irgendwie abwesend in einer Phase, in der David Gottes Beistand mehr denn je brauchen könne, hinterfragt Gottes Gameplan. Gott, bist du wirklich auf der Seite der Unterdrückten? Bist du bereit, dich bei Ungerechtigkeit auf meine Seite zu schlagen? Oder brauche ich auf seine Unterstützung nicht zu hoffen, wenn ich angefeindet werde?

 

Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott! Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe, dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden, und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke. 

Endlich wandelt sich der Tonfall. David überwindet die Distanz, die aus den ersten Versen heraus spricht. Statt weiter mit Gott über dessen Schweigen zu hadern, beginnt er zu flehen. Es geht um Leben und Tod – wie viel Selbstmitleid kann sich David da noch leisten? David vertraut sich Gott neu an. In seiner Ohnmacht lässt er sich retten.

 

Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; / mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut.

„Ich traue aber darauf“ – David besinnt sich auf seinen Gott, den er in der Vergangenheit als gnädig und hilfsbereit erfahren hat. Er wankt, aber fällt nicht. Natürlich registriert er seine Gefühle, bleibt aber nicht bei ihnen stehen, sondern konfrontiert sie mit der Wahrheit über Gottes Wesen. David muss die Wahrheit nicht spüren, um sich auf sie stellen. Gott, der Gnädige und Hilfsbereite, wird „wohl an mir“ tun – auch wenn ich seine Hand in diesem Augenblick nicht spüre. Deshalb endet sein Psalm auch nicht im Moll, sondern im Lobpreis: ein Vorgriff auf Gottes Treue, die David schon heute feiern kann, weil er sie glaubensgewiss morgen erleben wird.

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Legenden über die Bibel: Das Nadelöhr

Von Dr. Ulrich Wendel

Das Kamel im Nadelöhr

Über die Bibel kursieren viele Ideen, die zwar populär sind, aber der Nachprüfung nicht standhalten: Maria Magdalena war eine Prostituierte, der Rauch von Abels Opfer stieg senkrecht zum Himmel auf – und manches mehr…

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt!“ (Matthäus 19,24). Mit diesem Wort hat Jesus Wohlhabende zu allen Zeiten herausgefordert. Meinte er wirklich, dass kein Reicher in Gottes Reich kommen könnte? Betonte Jesus die Unmöglichkeit?

In vielen Predigten landauf landab hört man eine Erklärung für dieses steile Wort von Jesus. „Nadelöhr“ war damals der volkstümliche Name für ein ziemlich kleines Tor in der Jerusalemer Stadtmauer. Fußgänger passten hindurch, aber wenn jemand sein Lastkamel durch dieses Tor führen wollte, dann musste sich das Kamel dazu niederknien. Für das Wort von Jesus ist damit klar: Das Kamel kommt nur schwer hindurch, aber zur Not kommt es hindurch. Und Gleiches gilt dann für die Reichen und das Himmelreich. Diese Erklärung ist so populär, dass in einem Torbogen am Kirchplatz einer Dortmunder Kirche das Kamel als Steinplastik abgebildet ist.

Bei landeskundlichen oder archäologischen Erklärungen für Bibeltexte findet man in den Kommentaren immer eins von beiden: Entweder den Hinweis auf einen archäologischen Fund, eine Ausgrabung – oder den Verweis auf einen alten Text, der vom betreffenden Sachverhalt spricht. Für das antike Jerusalem würde man vielleicht bei sehr alten Talmudsprüchen oder beim Geschichtsschreiber Josephus suchen. Bloß: Für dieses angebliche Tor gibt es nicht den geringsten historischen Hinweis! Weder hat jemand im Laufe der Geschichte es gesehen noch einen antiken Text als Beleg gefunden.

Auf Knien laufen?

Es handelt sich bei der Stadttor-These also um eine Art Ente, eine Falschmeldung. Genauer: eine urban legend, eine umlaufende Legende, die seit Jahrzehnten ungeprüft weitererzählt und abgeschrieben wird. Gerade die Bibel hat allerlei solcher urban legends an sich gezogen.

Das harte Wort von Jesus wäre durch diese vermeintliche Erklärung leichter geworden. Aber schon einfaches Nachdenken weckt Zweifel: Hätte man damals wirklich so ein unpraktisch kleines Tor gebaut? Wozu wäre das gut gewesen? Und – wenn ein Kamel sich niederkniet, wie sollte es dann noch durch das Tor kommen? Auf Knien laufend? Oder robbend?

Auch die Ankertau-Deutung hilft nicht

Übrigens ist auch eine andere Erklärung für das Jesuswort kaum zutreffend: Das Wort „Kamel“ („kamelos“) soll im Griechischen damals „kamilos“ ausgesprochen worden sein, was auch Ankertau bedeutet. Dagegen spricht dreierlei: An anderer Stelle meint Jesus sicher ein Kamel, wenn er Kamel sagt (Matthäus 23,24). Das Ankertau würde die Sache ja nicht besser machen, denn es geht genauso wenig durch ein Nadelöhr wie das Höckertier. Und schließlich: Jesus benutzte oft groteske Worte, um auf eine bestimmte Wahrheit aufmerksam zu machen, so zum Beispiel das Wort vom Balken im Auge (Matthäus 7,3). Ähnlich gelagert ist auch das Wort von Salz. Wenn es kraftlos geworden sei, kann es nicht mehr salzen (Matthäus 5,13). Was ist gemeint? Nun, Salz kann einfach seine Salzkraft nicht verlieren. So lautet auch eine alte rabbinische Äußerung sinngemäß: So wie eine Mauleselin (die ja biologisch unfruchtbar ist) keine Nachgeburt haben kann, so kann Salz nicht unsalzig werden. Es ist unmöglich.

Die gleiche Unmöglichkeit meinte Jesus auch mit seinem Bildwort vom Kamel im Nadelöhr.

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Was uns bewegt

von Ansgar Hörsting

 

Seit einigen Wochen spreche ich in Gemeinden immer wieder einmal über die Leitsätze, die unser Leben bestimmen. Oft unbewusst, aber doch sehr wirksam. Oder Leitsätze, die wir über unsere Gemeinden stellen. Sie wirken wie Überschriften über einem Zeitungsartikel. Sie bestimmen darüber, was wir als Hauptnachricht mitnehmen werden, egal, was im Artikel selbst steht.

Irgendwo haben wir sie gelernt. Irgendwann haben sie sich uns tief eingeprägt, die Leitsätze unseres Lebens. So wie diese: „Aus dir wird nie etwas.“ − „Was sollen die Leute denken?“ − „Eigentlich solltest du gar nicht geboren werden.“ Solche Leitsätze können eine Macht ausüben und uns sogar zerstören. Es gibt auch diese hier: „Egal was passiert: Wir stehen immer zu dir.“ oder „Du darfst alles, du darfst dich nur nicht erwischen lassen.“

Bei mir kamen später andere Sätze hinzu: „Weil es dir gut geht, geht es anderen Menschen auf der Welt schlecht.“ − „Denke an die hungernden Kinder in Afrika und iss deinen Teller leer“ − „Pass immer auf deine Sachen auf!“

 

Fromme Leitsätze

Andere erzählten mir von frommen Leitsätzen: „Pass auf, kleines Auge, was du siehst!“ − „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Viele haben das als Druck empfunden und Gott als Aufpasser erlebt. Nicht alle jedoch! Denn solche Sätze wirken immer im Gesamtbild der Herkunftsfamilie und der Verlässlichkeit und Liebe, die dort herrschen.

Es gibt hilfreiche und lähmende Leitsätze. Und oft ist einem gar nicht bewusst, welche Sätze wirklich leiten. Es kann sein, dass man zwar ein Lebensmotto haben möchte, aber tief drinnen wird man von einem ganz anderen regiert.

Ich bekomme viel Resonanz auf meine Predigten, wenn ich auf die Leitsätze zu sprechen komme. Wir verlieren viel Lebenskraft durch schlechte Leitsätze. Ich bin überzeugt: Satan kann uns durch seine Lügen verführen. Er liebt es, Menschen mit lügenhaften Leitsätzen zu quälen.

 

Das sagt Gott

Deswegen ist es eine entscheidende Frage, was Gott eigentlich über unser Leben sagt. Ich bin überzeugt, dass die Antwort darauf immer zwei Aspekte hat. Der eine ist negativ. Gott sieht unser Leben, wie es ohne ihn aussieht: verloren, abgeschnitten vom Leben, in Schuld verwickelt, in Lügen verstrickt. Beladen mit Sorgen, mit Bitterkeit, mit eigener Schuld oder auch der Schuld anderer. „Der Lohn der Sünde ist der Tod.“, diagnostiziert die Bibel (Röm 6,23). Es nützt nichts, diese Wahrheit zu leugnen, denn wer sie leugnet, kann ihr nicht begegnen.

Aber als Lebensmotto, als Leitsatz, taugt dieser Aspekt nicht. Dafür müssen wir uns den zweiten Aspekt ansehen, die Wahrheit, die Gott in Jesus über uns ausspricht. Zum Beispiel diese hier: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.“ (Röm 8,38f) oder: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jes 43,1). In Jesus hat Gott uns alles geschenkt (Röm 8,32). Er macht unsere Leben reich. Nicht durch unser Tun, sondern durch Gott allein können wir leben. „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7). Das sind Leitbilder, die uns lebenstauglich machen.

 

Bewegt von Gottes Liebe

Dieses Prinzip betrifft auch Gemeinden. Wir sehen sie häufig mit negativen Vorzeichen: Wir sehen die Fehler, die problematischen Leute, die Streitereien. Und keine Frage, das alles gibt es ja auch. Aber wenn uns das leitet, dann werden wir irgendwann der Gemeinde Jesu den Rücken zuwenden.

Gemeinden geben sich häufig Leitbilder. Drucken diese vierfarbig in unsere Veröffentlichungen oder schreiben es auf Leinwände. Aber es kommt darauf an, dass diese Leitbilder in unsere Herzen geschrieben werden. Dazu braucht es die ständige Erinnerung und positive Erfahrungen. Dann wird ein Leitbild zu dem, was es sein soll: Es leitet unser Denken, Fühlen und Handeln. Es ist die Überschrift über unser Tun und Lassen. In diesem Sinne: „Bewegt von Gottes Liebe bauen wir lebendige Gemeinden.“

 

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Gabriel, der Mann Gottes

von Gabriel Furchert

Namen sind mehr als Schall und Rauch: Sie können ihren Träger sympathisch und klug wirken lassen – oder auch das Gegenteil bewirken. Dabei haben Namen ihre ganz eigene Bedeutung. Viele stammen aus der Bibel und tragen oft eine Botschaft in sich.

„Daniel, Daniel, Daaaanieeeeeel – Sag mal hörst Du schwer?“ Dieser Satz, so oder in ähnlicher Form dargebracht, war vor allem in meiner Schulzeit ein Dauerbrenner und sollte mich lange begleiten. Zumeist gepaart mit meiner Antwort: „Nee, meinen Ohren geht es bestens, aber mein Name ist Gabriel.“ „Ach ja, der Erzengel“, worauf ich mir als Kind ein „Na meistens Scherzbengel“ nicht verkneifen konnte. Später wurde ich flexibler, auf Daniel hörte ich bald automatisch und die Geschichte von der Löwengrube hörte ich an manchen Tagen auch lieber als den Erzengel.

War ich ein glücklicher Erzengel? Als Kind hatte ich da so meine Schwierigkeiten. Der einzige Gabriel auf dem Schulhof, kein bejubelter Namensvetter in Funk, Fernsehen oder Sport. Und ein eindeutig biblischer Name schien Mitte der 80er in der DDR für Neugeborene wohl auch nicht im Trend gewesen zu sein. Mich umgaben Sebastian, Katharina, Susanne und Henning. Dazu mein gelocktes, fast goldenes Haar – nein der brave Engel wollte ich an den meisten Tagen einfach nicht sein. Ich erinnere mich noch an den verzweifelten Versuch, meine Freunde so umzuerziehen, dass sie mich mit Mike ansprachen, was ich als Kind besonders cool fand.

Just in dem Moment wo sich das Bewusstsein dafür, einen besonderen Namen zu tragen, in meinem Kopf Bahn brach und mich stolz und erhobenen Hauptes den Schulalltag meistern ließ, passierte es: Meine neue Mathelehrerin am Gymnasium fing plötzlich an mich „Gabi“ zu rufen. Stets mit einem Lächeln im Gesicht und einer kitschig sanften Stimme, als wolle sie mir damit eine ganz besondere Liebkosung zuteilwerden lassen. Ganz neue Zeiten brachen an. Von der 4 in Mathe wollte ich runter, daher war Widerspruch nicht angebracht. Mitschüler fanden ebenfalls schnell Gefallen daran und so war ich irgendwann zu dritt: Gabriel, Daniel und Gabi – fast schon ein kleiner Hauskreis.

Zuweilen sorgte das auch für ordentliche Verwirrung – und wurde doch zum Segen. Denn meine Frau lernte ich zu dieser Zeit kennen. Sie 14, ich 18. Geschickt vermittelte sie ihren Eltern, dass sie am Abend noch bei Gabi sei. „Alles kein Problem – Mädels unter sich ging“, wohl durch den elterlichen Kopf. Das ermöglichte uns das Kennenlernen. Die Überraschung war später groß und sollte auch zehn Jahre danach noch als Anekdote bei unserer Trauung für Erheiterung sorgen.

Und heute? Bin ich immer noch zu dritt, manchmal ist auch Samuel dabei. Schätzen gelernt habe ich Gabriel aber schon lange. Eines aber hat sich nicht geändert – der Scherzbengel.

 

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