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David, der Geliebte

David Neufeld

Ich bin ein Trendsetter: „Der Name David wurde seit 1970 immer häufiger vergeben“, las ich irgendwo. Tatsächlich wurde ich 1970 geboren. Er „gehörte aber bisher erst einmal, im Jahr 2004, zu den zehn beliebtesten Jungennamen in Deutschland.“ Also doch nicht …

David also. Mein Vater war Prediger, und dass alle fünf Söhne meiner Eltern biblische Namen tragen, ist ganz bestimmt kein Zufall: Emanuel, Andreas, David, Johannes und Markus. Sehnsüchtig haben meine Eltern auf ein Töchterlein gehofft, aber das ist eine andere Geschichte.

Weil mein Name nicht ganz so verbreitet ist, zucke ich immer noch leicht zusammen, wenn eine Mutter im Supermarkt streng ihren „David“ ruft. Einen biblischen Namen zu tragen, in Verbindung gebracht zu werden mit dem legendären Hirten und König, dem Kämpfer und Dichter aus dem Alten Testament, habe ich eigentlich immer als positiv erlebt.

Es war mir eher Ansporn und Ermutigung, als dass es mich genervt hätte. So wie David möchte ich gerne sein – und bin fasziniert von der Bandbreite seiner Persönlichkeit: Lieder schreiben und vor Gott tanzen, mutig kämpfen, leidenschaftlich leben – mit den Schattenseiten, die das eben auch mit sich bringt. Ich bin froh, wie ehrlich diese Vielschichtigkeit in der Bibel zum Ausdruck kommt.

Was mich am stärksten anspricht und mir Mut macht, ist vielleicht dies: Wie König David darf ich mich Gott mit allem anvertrauen. Ich bin gerade in diesen Monaten dabei, die Bibel mal wieder ganz am Stück zu lesen. Vieles ist mir dabei neu aufgefallen, hatte ich nie zuvor wahrgenommen oder längst vergessen. Oder früher ganz anders aufgenommen. Nun stecke ich bei den Psalmen und ich bin froh, dass ich nicht mehr auf Tempo lese, sondern mir endlich die Zeit nehme, um manche Verse oder ganze Psalmen wieder und wieder zu lesen. Mir auf der Zunge zergehen zu lassen. Klar, die sind nicht alle von David, aber in seinen Zeilen wird seine Vertrauensbeziehung zu seinem Gott deutlich. Wie er sich Gott zumutet mit seinem Lob, erfüllt von Dankbarkeit. Wie er Gott genauso seine Furcht bringt, Verzweiflung und sogar seinen Hass. Verdichtete Lebens- und Glaubenserfahrung. Darin kann ich eintauchen. Und mir manches Wort zu Eigen machen.

David bedeutet „der Geliebte“, „Liebling Gottes“. Gibt es einen schöneren „Schirm“, um darunter aufzuwachsen? Ich bin Gott dankbar, dass ich vor wenigen Jahren nochmal ganz deutlich erfahren durfte, dass ich von ihm gemeint und geliebt bin. Hinter diese Erfahrung möchte ich nicht mehr zurück.

Und so bin ich meinen Eltern also dankbar für die „Empfehlung“, für die Wegweisung, die sie mir durch die Wahl meines Namens mit auf den Weg gegeben haben. Das habt Ihr gut gemacht!

 

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Maria, die Widerspenstige

Maria Lang

Ich wurde nach meiner Großmutter benannt, die eine wichtige Bezugsperson für mich war. Gemeinsam feierten wir am 12. September unseren Namenstag. Allerdings wurde mir sehr bald bewusst, dass mein Name unglaublich altmodisch war. In der Schule wurde ich oft mit „heilige Maria“ gehänselt. Die Bandbreite meiner Spitznamen war schier unglaublich. „Mitzi“, „Miezi“ und „Miaz“ fand ich am Schrecklichsten. Gleich danach kam „Mariah“, wie mich mein Englischlehrer nannte. „Marilli“ rief mich meine Tante liebevoll, was für mich aber eher nach „Marille“ (= Aprikose auf österreichisch) klang.

Ich muss zugeben, dass ich mir während meiner Kindheit und Jugendzeit einen anderen Namen wünschte, einen besonderen. Warum konnte ich nicht so wie die anderen Jacqueline, Yvonne oder Silke heißen? Wenn schon ein biblischer Name, dann hätte ich Judith oder Esther vorgezogen. Das waren wenigstens mutige, starke Frauen. Von Maria hatte ich die Vorstellung, sie sei ein kleinlautes, angepasstes Mauerblümchen, das zu allem „Ja“ sagte. Die Bedeutung „die Widerspenstige“ war mir unerklärlich. Wogegen hatte sie sich denn aufgelehnt? Nett und fromm war sie und das wollte ich als Jugendliche definitiv NICHT sein. Ich war eine Rebellin und forderte das Leben ordentlich heraus. Meine Abenteuerlust führte mich rund um den halben Globus und fast überall begegnete mir „Mary“ in religiösem Kontext. Kirchen waren nach ihr benannt. Sonst gab’s für mich nichts Spannendes zu entdecken.

Ich lernte, mit diesem Namen zu leben, ohne besonders stolz darauf zu sein. Witzig war manchmal, dass ich als „Maria Lang“ auf meine Schriftstellertätigkeit angesprochen wurde. Schließlich gibt es eine schwedische Krimiautorin mit diesem Namen, wobei ich eindeutig die Unbekanntere von uns beiden bin.

Eine deutliche Veränderung hat meine Israelreise gebracht, die ich vor kurzem unternahm. Viele Menschen, die ich kennenlernte, äußerten sich sehr positiv über meinen Namen. „Zufällig“ entdeckte ich in Jerusalem den Geburtsort Marias ganz in der Nähe des Löwentors. Als mir dann noch ganz praktisch bewusst wurde, wie weit Nazareth von Betlehem entfernt liegt und dass Maria den etwa 14-tägigen Fußmarsch hochschwanger zurückgelegt hat, stieg meine Achtung deutlich. Von wegen Mauerblümchen; diese Frau stand mit beiden Beinen im Leben! Bald darauf die Flucht nach Ägypten. Keine Sache für schwache Nerven …

„Shalom, Maria, du bist voll der Gnade …“ langsam begreife ich, dass dieser Name tatsächlich ein ganz Besonderer ist. Seine Bedeutung „die Widerspenstige“ könnte man auslegen als: „Die, die sich nicht unterkriegen lässt.“ So eine Person war Maria ganz sicher. Ich bin dankbar, so heißen zu dürfen.

Und noch etwas: Meine Oma ist vor kurzem gestorben. Im dankbaren Andenken an sie trage ich „unseren“ Namen nun mit ganz besonderer Freude.

 

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Judith, die Bekennerin

Judith Herm

„Judith“ kann man auch einfach mit „Frau aus Judäa“ übersetzen. Dass mein Name biblisch ist, scheint nicht überraschend, wenn man diese Bedeutung kennt. Mir war diese Herkunft allerdings einige Jahre nicht bewusst. Meine Eltern hatten den Namen gewählt, weil sie ihn schön fanden. Und da ich in einer evangelischen Freikirche aufwuchs, brauchte es meine katholische Oma, die mir als Kind erklärte: „Judit ist ein Buch in den Apokryphen.“

Das fand ich spannend! Ein eigenes Buch in der (katholischen) Bibel, das meinen Namen trug! Die Geschichte, die dort von meiner Namenspatin erzählt wird, gefiel mir zunächst allerdings weniger. Eine Frau, die dem Feldherrn Holofernes den Kopf abschlägt? Hätte es nicht etwas Netteres sein können? Nach und nach freundete ich mich jedoch mit der Geschichte an und erzählte sie sogar gerne, wenn man auf meinen Namen zu sprechen kam. Langweilig war sie wenigstens nicht – manchmal konnte man damit sogar ein bisschen schocken.

Viele andere Judiths kannte ich nicht in meinem Alter, wenn überhaupt las oder hörte ich von erwachsenen Frauen mit diesem Namen. Ich weiß noch, wie in unserer Lokalzeitung über die Autorin Judith Hermann berichtet wurde und ich mir einen Spaß daraus machte, die Überschrift auszuschneiden, den letzten Teil des Nachnamens entfernte und stolz meiner Grundschullehrerin den Artikel zeigte – sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es dort gar nicht um mich ging.

Eine weitere berühmte Judith begegnete mir später im Radio: Judith Holofernes, die Sängerin der Band „Wir sind Helden“. Diese Kombination aus Vor- und Nachnamen irritierte mich ziemlich. Wieso wollte jemand in seinem Namen Mörderin und Opfer vereinen? Lange zweifelte ich sowohl an der Allgemeinbildung als auch am Geschmack der Eltern dieser Frau – bis ich herausfand, dass „Holofernes“ ein Künstlername ist. Welche Botschaft die Sängerin damit vermitteln will, ist mir allerdings bis heute unklar – hoffentlich nicht, dass sie für ihre Musik über Leichen geht.

Da ich kaum andere Judiths in meinem Alter kannte, erschien mir der Name oft altmodisch und brav. Das verstärkte sich, als amerikanische Freunde mich darüber aufklärten, dass bei ihnen Judith ein typischer Großmutter-Name sei. Na toll! Die fanden auch die deutsche Aussprache des Namens belustigend, klang es für sie doch wie „you did“ (du machtest). Von anderen hörte ich das Wortspiel: „Judith, you did it, and you did it jut.“ (Judith, du machtest es, und du machtest es gut.) Nun gut.

Mittlerweile habe ich mich mit meinem Namen gut angefreundet. Die kopflose Geschichte dahinter kennen allerdings immer noch nicht viele in meiner Generation. Da habe ich noch einige Aufklärungsarbeit zu leisten – hoffentlich mit ein paar erheiternden Schockmomenten.

 

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Samuel, von Gott erhört

Samuel Moser

Samuel Moser konnte als Kind wenig mit seinem biblischen Namen anfangen. Das hat sich gründlich geändert.

 

Als meine Mutter mich zur Welt brachte, war sie bereits 32 Jahre alt. Bedingt durch einen schweren Unfall in der frühen Kindheit, war sie körperlich behindert. Weil sie so lange warten mussten, haben meine Eltern den Namen ihres Ältesten bewusst ausgewählt, und zwar in Anlehnung an die alttestamentliche Geschichte der Hanna. Diese bat Gott lange um ein Kind – und nannte ihren Erstgeborenen dann Samuel, „Ich bin von Gott erhört“. Für meine Eltern war ich offensichtlich ebenfalls ein vom Herrn Erbetener. Ob damit auch ein Gelübde, wie bei Hanna, verbunden war, weiß ich nicht.

Seit mehr als 80 Jahren lebe ich nun mit meinem Vornamen Samuel – und bejahe ihn zunehmend. Im Berner-Land, in dem ich aufwuchs, nannte man mich schon früh Sämi, auch meine Mutter rief mich bei diesem Namen. Ich hatte meine Mühe damit, denn das war auch ein häufiger Name für Berner Sennen-Hunde. Ansonsten war der Name Samuel damals eher selten; ich kann mich nicht erinnern, dass in den Schulen, die ich besuchte, außer mir noch jemand Samuel hieß. Auch stand ich immer unter dem Eindruck, der biblische Name würde mich zum „Frömmler“ stempeln. Wenn ich gelegentlich auf die mächtige Gestalt des biblischen Samuel angesprochen wurde, war mir das unangenehm. Diese Schuhe waren viel zu groß für mich.

Als ich meine Gattin Eve, mit der ich nun mehr als 56 Jahre verheiratet bin, kennenlernte, nannte sie mich schlicht Sam. Das gefiel mir. Eve und Sam, das passte. Von jetzt an stellte ich mich meist mit diesem Vornamen vor und wurde hinfort auch so angesprochen. In der Schweiz kennt man mich bis heute meist unter diesem Namen. Als ich vermehrt mit ausländischen Freunden zu tun hatte, nannten sie mich fast ausnahmslos Samuel. Auch meine Bücher und Beiträge in Zeitschriften erschienen unter diesem Namen. Und ich begann, mich damit anzufreunden. Wie beim Wein, das Alter macht milder. Heute ist mir der Name Samuel kostbar – nicht zuletzt wegen seiner biblischen Hintergrundgeschichte.

 

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Aus der Gnade herausfallen?

Von Dr. Ulrich Wendel

Falsch verstandene Bibelverse erklärt

„Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen (Galater 5,4).“

„Man kann auch aus der Gnade herausfallen!“ Ich habe die besorgte Stimme desjenigen noch im Ohr, der mir das sagte. Erst viel später entdeckte ich, dass er sich auf diesen Vers aus der Bibel bezog. Alle, die ich über diesen Bibelvers sprechen hörte, waren im Glauben eher unsichere Menschen, denen der Zweifel näher lag als die Gewissheit. Diese Verunsicherung hat offenbar ihren biblischen Grund: Wenn man aus der Gnade herausfallen kann, dann scheint es ja noch keine ausgemachte Sache zu sein, dass Gott einen errettet und angenommen hat.

Was aber hat Paulus gemeint, als er den Galatern diesen Satz über das Gesetz und die Gnade schrieb?

Zunächst müsste man exakter übersetzen. Das Wort „aus“ steht nicht im Grundtext. In diesem Falle hat dann auch das Verb eine andere Bedeutung; es heißt: „etwas verlieren“. Unter bestimmten Voraussetzungen können Glaubende also das Geschenk Gottes – die Gnade – wieder verlieren. Welche Voraussetzungen sind das?

Paulus richtet sich im Galaterbrief an Christen, die zum Glauben gekommen sind, aber dann nachträglich noch eigene Leistungen hinzufügen wollen, um bei Gott anerkannt zu sein. Das bloße Glauben reicht ihnen nicht aus, es scheint ihnen nicht verlässlich genug zu sein. Sie halten zusätzlich noch Vorschriften ein, die Gott seinem Volk, den Juden gegeben hatte. Dabei waren die Christen aus Galatien mehrheitlich gar keine Juden.

Wer so etwas tut und zu Gottes Gnade sicherheitshalber noch eigene Leistung hinzufügen will, der ergänzt die Gnade nicht, sondern verliert sie. Das ist es, was Paulus warnend sagen will. Denn Gnade kann man nur ganz oder gar nicht annehmen.

Paulus wendet sich also nicht an unsichere, angefochtene Glaubende, sondern im Gegenteil: an allzu sichere Christen. Er meint niemanden, der in seinem Glauben auf schwankendem Boden steht, sondern er meint Leute, die ihren Glauben durch eine Extrakonstruktion stabilisieren wollen. Die laufen Gefahr, die Gnade zu verlieren.

Für unsichere oder zweifelnde Christen gilt eher das Pauluswort aus dem Philipperbrief (1,6): „Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.“

 

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Legenden über die Bibel: Das Nadelöhr

Von Dr. Ulrich Wendel

Das Kamel im Nadelöhr

Über die Bibel kursieren viele Ideen, die zwar populär sind, aber der Nachprüfung nicht standhalten: Maria Magdalena war eine Prostituierte, der Rauch von Abels Opfer stieg senkrecht zum Himmel auf – und manches mehr…

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt!“ (Matthäus 19,24). Mit diesem Wort hat Jesus Wohlhabende zu allen Zeiten herausgefordert. Meinte er wirklich, dass kein Reicher in Gottes Reich kommen könnte? Betonte Jesus die Unmöglichkeit?

In vielen Predigten landauf landab hört man eine Erklärung für dieses steile Wort von Jesus. „Nadelöhr“ war damals der volkstümliche Name für ein ziemlich kleines Tor in der Jerusalemer Stadtmauer. Fußgänger passten hindurch, aber wenn jemand sein Lastkamel durch dieses Tor führen wollte, dann musste sich das Kamel dazu niederknien. Für das Wort von Jesus ist damit klar: Das Kamel kommt nur schwer hindurch, aber zur Not kommt es hindurch. Und Gleiches gilt dann für die Reichen und das Himmelreich. Diese Erklärung ist so populär, dass in einem Torbogen am Kirchplatz einer Dortmunder Kirche das Kamel als Steinplastik abgebildet ist.

Bei landeskundlichen oder archäologischen Erklärungen für Bibeltexte findet man in den Kommentaren immer eins von beiden: Entweder den Hinweis auf einen archäologischen Fund, eine Ausgrabung – oder den Verweis auf einen alten Text, der vom betreffenden Sachverhalt spricht. Für das antike Jerusalem würde man vielleicht bei sehr alten Talmudsprüchen oder beim Geschichtsschreiber Josephus suchen. Bloß: Für dieses angebliche Tor gibt es nicht den geringsten historischen Hinweis! Weder hat jemand im Laufe der Geschichte es gesehen noch einen antiken Text als Beleg gefunden.

Auf Knien laufen?

Es handelt sich bei der Stadttor-These also um eine Art Ente, eine Falschmeldung. Genauer: eine urban legend, eine umlaufende Legende, die seit Jahrzehnten ungeprüft weitererzählt und abgeschrieben wird. Gerade die Bibel hat allerlei solcher urban legends an sich gezogen.

Das harte Wort von Jesus wäre durch diese vermeintliche Erklärung leichter geworden. Aber schon einfaches Nachdenken weckt Zweifel: Hätte man damals wirklich so ein unpraktisch kleines Tor gebaut? Wozu wäre das gut gewesen? Und – wenn ein Kamel sich niederkniet, wie sollte es dann noch durch das Tor kommen? Auf Knien laufend? Oder robbend?

Auch die Ankertau-Deutung hilft nicht

Übrigens ist auch eine andere Erklärung für das Jesuswort kaum zutreffend: Das Wort „Kamel“ („kamelos“) soll im Griechischen damals „kamilos“ ausgesprochen worden sein, was auch Ankertau bedeutet. Dagegen spricht dreierlei: An anderer Stelle meint Jesus sicher ein Kamel, wenn er Kamel sagt (Matthäus 23,24). Das Ankertau würde die Sache ja nicht besser machen, denn es geht genauso wenig durch ein Nadelöhr wie das Höckertier. Und schließlich: Jesus benutzte oft groteske Worte, um auf eine bestimmte Wahrheit aufmerksam zu machen, so zum Beispiel das Wort vom Balken im Auge (Matthäus 7,3). Ähnlich gelagert ist auch das Wort von Salz. Wenn es kraftlos geworden sei, kann es nicht mehr salzen (Matthäus 5,13). Was ist gemeint? Nun, Salz kann einfach seine Salzkraft nicht verlieren. So lautet auch eine alte rabbinische Äußerung sinngemäß: So wie eine Mauleselin (die ja biologisch unfruchtbar ist) keine Nachgeburt haben kann, so kann Salz nicht unsalzig werden. Es ist unmöglich.

Die gleiche Unmöglichkeit meinte Jesus auch mit seinem Bildwort vom Kamel im Nadelöhr.

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Es gibt keine biblischen Prinzipien

Von Dr. Ulrich Wendel

Man begegnet ihr immer wieder: der Redeweise von „biblischen Prinzipien“. In zahlreichen Predigten, aber auch in Büchern und Schulungskonzepten. Da gibt es zum Beispiel „biblische Prinzipien für gelungene Kommunikation“ nach Epheser 4, ferner biblische Prinzipien für den Umgang mit Geld (unter dem Titel „Mäuse, Motten und Mercedes“) oder auch biblische Geschäftsprinzipien: „Die Bibel, das beste Managementhandbuch der Welt!“ Nicht zu vergessen die biblischen Prinzipien des Gemeindewachstums.

Keine Frage, Prinzipien sind nützlich. Weil man wenige allgemeine Grundsätze dann auf seine spezielle Situation anwenden kann. Ein Prinzip passt „im Prinzip“ erst mal immer und überall. Es ist handhabbar und funktioniert aus sich heraus.

Genau das ist es, was mich misstrauisch macht gegenüber der inflationären Verwendung von sogenannten biblischen Prinzipien. Denn der Glaube, den die Bibel beschreibt, ist nicht handhabbar und funktioniert auch nicht aus sich heraus. Er „funktioniert“ überhaupt nicht, sondern er lebt aus der Begegnung mit Gott.

Gott zeigt sich in der Bibel nicht in abstrakten Prinzipien, sondern durch sein Handeln in der Geschichte. Das ist ein pulsierendes Geschehen. Der lebendige Gott bleibt sich treu – aber er unterwirft sich keinen Prinzipien. Wer biblische Prinzipien sucht, läuft Gefahr, ein Christentum zu produzieren, das letztlich ohne Gott auskommt. Man hat ja Prinzipien…

Außerdem: Sind die Bibeltexte, die für bestimmte Prinzipien herhalten müssen, nicht oft willkürlich ausgewählt? Wer sagt denn, dass ein bestimmtes Prinzip gerade in diesem Briefabschnitt von Paulus oder in jenem Spruch Salomos steckt? Was ist mit den vielen anderen Texten, die auch noch etwas zu sagen haben? Fallen die aus dem Prinzip heraus? Oft fügen sich die Texte der Bibel eben in kein Prinzip ein.

Natürlich gibt es wiederkehrende Grundmuster, wie Gott handelt. So z.B. das Muster von Saat und Ernte: Was der Mensch sät, wird er ernten (vgl. Galater 6,7-8; 2. Korinther 9,6). Aber hier gibt es auch zahlreiche Ausnahmen. Und das wichtigste Grundmuster der Bibel ist kein Prinzip, sondern ein Geschenk: Gott ist Liebe. Die wichtigste Berufung ist keine Maxime, sondern der Ruf eines liebenden Gottes: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben.“

Wie wir als Christen leben sollen, sei es im Blick auf Kommunikation, Geld, Geschäftsverhalten oder Gemeindewachstum, es wird immer nur gehen im engen Gespräch mit Gott. Und nie ohne den Heiligen Geist.

Gottes Wort ist nicht unübersichtlich, nicht unberechenbar. Aber auch nicht starr festgelegt auf Prinzipien. Sondern reich und weit und lebendig und von Gottes Charakter durchdrungen. Es ist jedem Prinzip überlegen.

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Gabriel, der Mann Gottes

von Gabriel Furchert

Namen sind mehr als Schall und Rauch: Sie können ihren Träger sympathisch und klug wirken lassen – oder auch das Gegenteil bewirken. Dabei haben Namen ihre ganz eigene Bedeutung. Viele stammen aus der Bibel und tragen oft eine Botschaft in sich.

„Daniel, Daniel, Daaaanieeeeeel – Sag mal hörst Du schwer?“ Dieser Satz, so oder in ähnlicher Form dargebracht, war vor allem in meiner Schulzeit ein Dauerbrenner und sollte mich lange begleiten. Zumeist gepaart mit meiner Antwort: „Nee, meinen Ohren geht es bestens, aber mein Name ist Gabriel.“ „Ach ja, der Erzengel“, worauf ich mir als Kind ein „Na meistens Scherzbengel“ nicht verkneifen konnte. Später wurde ich flexibler, auf Daniel hörte ich bald automatisch und die Geschichte von der Löwengrube hörte ich an manchen Tagen auch lieber als den Erzengel.

War ich ein glücklicher Erzengel? Als Kind hatte ich da so meine Schwierigkeiten. Der einzige Gabriel auf dem Schulhof, kein bejubelter Namensvetter in Funk, Fernsehen oder Sport. Und ein eindeutig biblischer Name schien Mitte der 80er in der DDR für Neugeborene wohl auch nicht im Trend gewesen zu sein. Mich umgaben Sebastian, Katharina, Susanne und Henning. Dazu mein gelocktes, fast goldenes Haar – nein der brave Engel wollte ich an den meisten Tagen einfach nicht sein. Ich erinnere mich noch an den verzweifelten Versuch, meine Freunde so umzuerziehen, dass sie mich mit Mike ansprachen, was ich als Kind besonders cool fand.

Just in dem Moment wo sich das Bewusstsein dafür, einen besonderen Namen zu tragen, in meinem Kopf Bahn brach und mich stolz und erhobenen Hauptes den Schulalltag meistern ließ, passierte es: Meine neue Mathelehrerin am Gymnasium fing plötzlich an mich „Gabi“ zu rufen. Stets mit einem Lächeln im Gesicht und einer kitschig sanften Stimme, als wolle sie mir damit eine ganz besondere Liebkosung zuteilwerden lassen. Ganz neue Zeiten brachen an. Von der 4 in Mathe wollte ich runter, daher war Widerspruch nicht angebracht. Mitschüler fanden ebenfalls schnell Gefallen daran und so war ich irgendwann zu dritt: Gabriel, Daniel und Gabi – fast schon ein kleiner Hauskreis.

Zuweilen sorgte das auch für ordentliche Verwirrung – und wurde doch zum Segen. Denn meine Frau lernte ich zu dieser Zeit kennen. Sie 14, ich 18. Geschickt vermittelte sie ihren Eltern, dass sie am Abend noch bei Gabi sei. „Alles kein Problem – Mädels unter sich ging“, wohl durch den elterlichen Kopf. Das ermöglichte uns das Kennenlernen. Die Überraschung war später groß und sollte auch zehn Jahre danach noch als Anekdote bei unserer Trauung für Erheiterung sorgen.

Und heute? Bin ich immer noch zu dritt, manchmal ist auch Samuel dabei. Schätzen gelernt habe ich Gabriel aber schon lange. Eines aber hat sich nicht geändert – der Scherzbengel.

 

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Tobi, der Blinde?

von Tobias Hambuch

Namen sind mehr als Schall und Rauch: Sie können ihren Träger sympathisch und klug wirken lassen – oder auch das Gegenteil bewirken. Dabei haben Namen ihre ganz eigene Bedeutung. Viele stammen aus der Bibel und tragen oft eine Botschaft in sich.

Mein Name ist doch super, dachte ich immer. Ich heiße nicht Lukas, Johannes oder Mose und bin damit nicht nach einem hinlänglich bekannten Bibelbuch benannt. Andererseits ist mein Name dennoch biblisch, denn in den Apokryphen gibt es doch dieses kleine, aber feine Buch: Tobi(t). Da ist er schon, mein Spitzname! Alles bestens also: Mein Name hat biblisches Fundament und ist gleichzeitig nicht schnöde und langweilig, weil er in jedem dritten Kapitel vorkommt – wie beispielsweise Allerweltsnamen à la Nebukadnezar, Melchisedek und Co.

Wenn ich in die weite Welt hinausschaue, mache ich eine weitere durchaus interessante Beobachtung: Einen Politiker, Schauspieler oder Sportler, der regelmäßig in den Gazetten auftaucht und dabei den Vornamen Tobias trägt, gibt es nicht (belehrt mich gerne eines Besseren!). Damit will ich keinesfalls ausdrücken, dass jeder Tobi(as) nur Durchschnitt und nicht besonders erwähnenswert wäre. Vielmehr scheinen die Tobis dieser Welt nicht so stark interessiert am Blitzlichtgewitter, neigen also eindeutig zur Bescheidenheit.

Nähern wir uns nun aber diesem Tobit, Sohn eines Tobiel, und seinem Sohn Tobias (sehr erfindungsreiche Familie!). Denn da kommen doch tatsächlich die ersten Makel an der Perfektion dieses ach so wunderschönen Vornamens ans Tageslicht: Tobit ist alles andere als der Held der Bibel, der voller Tatendrang und Furchtlosigkeit ins Ungewisse schreitet – er ist zuallererst blind! Wie bitte? Blind? Das ist für mich auf den ersten Blick nicht die beste Voraussetzung, um etwas bewegen zu können. Möglicherweise soll mir das aber auch einfach einen Hinweis darauf liefern, woher meine Hornhautverkrümmung rührt und warum ich eine Brille auf der Nase trage! Spannend ist: Tobit wird durch Zutun seines Sohnes Tobias von seiner Blindheit geheilt und wird 112 Jahre alt. Das sind doch mal Aussichten! Gerne komme ich da nach meinen Namensvetter.

Kommen wir zum Schluss noch zur ursprünglichen Wortherkunft. Das Hebräische „tobijah“ bedeutet „Gott ist gut und gnädig“. Das spricht eine klare Sprache: Meine Eltern sehen mich als Geschenk Gottes an. Wahnsinn! Außerdem ist es eine über mein Leben ausgesprochene, gültige Wahrheit – schön, dass ich diese noch 88 Jahre lang kräftig auskosten darf.

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Daniel – Gott ist mein Richter

von Daniel Wildraut

Namen sind mehr als Schall und Rauch: Sie können ihren Träger sympathisch und klug wirken lassen – oder auch das Gegenteil bewirken. Dabei haben Namen ihre ganz eigene Bedeutung. Viele stammen aus der Bibel und tragen oft eine Botschaft in sich.

„Grüß Donald Duck von mir“, oder: „Was hast du heute schon erfunden?“ So oder so ähnlich reagierten vor mehr als 45 Jahren die weniger bibelfesten Menschen, wenn sie zum ersten Mal meinen Vornamen hörten. Das war eine Anspielung auf Daniel Düsentrieb, den genialen aber auch zerstreuten Erfinder aus den „Donald Duck“-Comics. Obwohl ich den Spitznamen „Düsentrieb“ nicht unbedingt schmeichelhaft fand, war er mir immer noch lieber als „Dany + Sahne“. Erinnern Sie sich an diesen Pudding? Ich schon!

Gehen wir einen Schritt in der Chronologie zurück. Meine Eltern hatten sich überlegt, ihrem Erstgeborenen einen biblischen Namen zu geben. Und da ihre eigenen Vornamen mit „D“ anfingen (Dorothea und Detlef), passte „Daniel“ ganz gut dazu. In meinem Geburtsjahr 1968 rangierte „Daniel“ in der Liste der beliebtesten Vornamen für Jungen jenseits von Platz 70. Und so blieb die oben genannte Comicfigur neben dem biblischen Propheten einige Jahre lang mein einziger mir bekannter Namensvetter.

Dies änderte sich Mitte der 70er-Jahre drastisch. Innerhalb kurzer Zeit schoss mein Name an die Spitze der Beliebtheitsskala und hielt sich zwanzig Jahre lang in den Top 10. Wenn ich als Teenager in der Stadt unterwegs war, hörte ich ständig irgendwelche Mütter nach ihrem (kleinen) „Daniel“ rufen. Es schien fast so, als wären Jungs zu dieser Zeit gleich rudelweise auf diesen Namen getauft worden. Unglaublich!

Kurze Randnotiz: Als Mädchen wäre mir Ähnliches nicht passiert, denn dann hätte ich „Delia“ geheißen. Und dieser Name hat es bis heute noch in keinem Jahr unter die beliebtesten 250 Mädchen-Vornamen geschafft.

Bleibt die Frage nach meinem biblischen Namenspatron. Als Kind kannte ich die Geschichte des Propheten Daniel in- und auswendig. Toller, mutiger Kerl! Ich selbst betonte allerdings stets, niemals in einer Löwengrube landen zu wollen. So erzählt es meine Mutter. Später, als Teenager, als ich mich gerade bewusst dem christlichen Glauben zugewandt hatte, war mir die Bedeutung des Namens („Gott ist/sei mein Richter“) eine Zeit lang sehr wichtig.

Ich mag meinen Vornamen – auch heute noch. Aber inzwischen denke ich nur noch selten über ihn oder seine Bedeutung nach. Eine besondere Verbundenheit mit der biblischen Gestalt verspüre ich nicht. Prophetische Gaben? Bei mir Fehlanzeige! Gut, ich mag Löwen. Aber das hängt vermutlich nicht mit meinem Vornamen zusammen. Oder doch?

 

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