Hoffnung ist das größte Geschenk

Lydia Rieß 

 

Im vergangenen Jahr drehte der Musiker Chris Lass gemeinsam mit der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ein Video, in dem zwei Mädchen einander durch ein Geschenk näherkommen. lebenslust hat nach dem Grund für das Video gefragt – und warum Hoffnung ein so wichtiges Geschenk ist.

Chris, was war der Grundgedanke deines Videos?

Ich kenne die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, seit ich ein kleiner Knirps bin, und fand es total stark, darauf hinzuweisen. Wir haben den Song „Power of Prayer“ von meinem Album ausgewählt, das seinerzeit herauskam, also „Kraft des Gebets“. Dazu haben wir eine Geschichte entwickelt, in der es darum geht, etwas zu verschenken, an andere zu denken, für andere da zu sein. Das passt gut zum Thema „Gebet“, denn beim Beten dreht man sich nicht nur um sich selber, sondern tut das für andere, als Fürbitte. Außerdem finde ich: Für andere zu beten ist gut, aber auch etwas für sie zu tun, ist genauso gut, wenn nicht noch besser!

Manche sagen, kleine Gesten wie die Geschenke von „Weihnachten im Schuhkarton“ verändern nicht viel.

Dahinter steckt der Gedanke: „Man muss Großes tun, damit sich Großes bewegt.“ Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das nicht stimmt. Wer bemisst, was groß und was klein ist? Dinge beginnen oft im Kleinen, bevor sie groß werden. Gerade bei der Aktion geht es ja darum, Kindern eine Freude zu machen und ihnen Hoffnung zu schenken. Ihnen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind und dass es Menschen gibt, die sie wertschätzen. Was das für ein Leben bedeuten kann, ist unermesslich und kann in der Verkettung am Ende etwas ganz Großes bewirken!

Als ich noch ein Kind war, haben wir in unserer Gemeinde diese Kartons gepackt für andere Kinder, und wir haben jedes Mal auch Feedback bekommen. Das war immer stark zu sehen, dass da Kinder sind, die sich total freuen!

Wie kann man konkret Hoffnung schenken, nicht nur an Weihnachten, sondern im Alltag?

Indem man anderen Mut zuspricht, anstatt ihre Hoffnungen und Träume in Frage zu stellen. Das würde dazu führen, dass die Menschen um uns herum mutiger werden und Dinge erleben und schaffen, die sie über sich hinauswachsen lassen – und damit auch andere inspirieren. Ich singe viel mit Leuten gemeinsam. Wenn die dann erleben, dass sie eine Atmosphäre verändern mit ihrer Stimme, ihren Liedern, ihren Botschaften – das ist großartig!

So haben wir es auch beim Video erlebt: Mitten im Dreh schüttete es auf einmal so heftig aus allen Wolken, dass alle so durchnässt waren, dass ans Weiterdrehen nicht zu denken war. Gott sei Dank gab es ganz in der Nähe ein Luxushotel, in dem normalerweise nur die ganz „Großen“, Reichen und Berühmten unterkommen. Und die Angestellten dort waren tatsächlich so lieb und haben unsere ganzen Klamotten in den Trockner geschmissen und uns ein paar Föne gegeben – wir haben uns auf den Toiletten eingeschlossen und uns gegenseitig trockengeföhnt. Als die Sonne wieder rauskam, konnten wir weiterdrehen. Sie haben also das Video für uns gerettet, indem sie uns so beschenkt haben.

Warum ist Hoffnung so wichtig für Menschen?

Ich persönlich glaube, dass Hoffnung der Motor ist, der uns erlaubt, Dinge anzupacken. Hoffnung ist die Kraft, die uns erlaubt, Probleme anzugehen, unser Leben zu verändern, den Glauben nicht zu verlieren an andere Menschen und sich selbst. Man sagt ja nicht umsonst: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, ein biblisches Zitat. Ich glaube, dass das wirklich so ist: Wenn wir anderen Menschen Hoffnung zusprechen und sie ermutigen, dann ist das wahrscheinlich das größte Geschenk, das man jemandem machen kann.

 

Dieses Interview erschien im Magazin lebenslust. Jetzt kostenlos testen: www.bundes-verlag.net/lebenslust

Bethlehem im Ruhrgebiet

Ingrid Jope

 

Weihnachten erlebt: Wenn Kinder zur Krippe kommen

Wenige Tage nach Heiligabend lud ein strahlender Winterhimmel zu einem ausgiebigen Spaziergang ein. Der Himmel zeigte sein schönstes Blau bei klirrender Kälte. Um möglichst viel heißbegehrte Wintersonne zu spüren, suchten wir anhand einer Wanderkarte einen unbekannten Weg, der uns auf einem Höhenzug entlangführte. Mein Mann und ich spazierten auf dem Asphalt. Unsere beiden Kinder schlugen sich durchs Dickicht. Da steckte unser vierjähriger Sohn – noch ganz unter dem Eindruck des Weihnachtsmusicals in unserer Kirchgemeinde – seine große Schwester mit der Idee an: „Komm, wir sind Hirten und wandern nach Bethlehem!“ Gesagt, getan. Beide stapften mit Stöcken in der Hand und rotwangigen Gesichtern über Stock und Stein, zwischen Bäumen und Büschen entlang. Es war ein beschwerlicher Weg durchs Gelände, aber die Kinder hatten übereifrig ihren Spaß und wiederholten immer wieder: „Wir sind Hirten! Wir wandern nach Bethlehem!“ Schließlich überquerte der Wanderweg einen Hof, offensichtlich eine Schreinerei. Da ruft unsere Tochter plötzlich: „Da, der Stall!“ Und tatsächlich stand am Wegesrand eine lebensgroße Krippenszene aus einfachen Holzfiguren als Weihnachtsdekoration. Die Kinder rannten begeistert darauf zu. Fast andächtig beugten sie sich über die Krippe und schenkten dem „Jesuskind“ ihre Wanderstöcke. Auch wir Eltern waren überrascht von diesem schönen Zufall und berührt davon, wie aus dem kindlichen Spiel plötzlich Ernst wurde. Ja, das Erlebnis wurde uns zu einem eindrücklichen Bild: Jesus, der Sohn Gottes, ist nicht nur an den Feiertagen im Glanz des Weihnachtsbaumes zu finden. Sondern er ist da, wenn wir uns auf unserem Lebensweg vorwärts mühen. Manchmal verlaufen unsere Tage wie ein Spaziergang im strahlenden Sonnenschein: Wir haben vieles, wofür wir danken können. Wir haben Menschen um uns, mit denen wir unser Glück teilen. Aber nicht selten kämpfen wir uns Schritt für Schritt nach vorne. Wir stolpern über Wurzeln, verletzen uns an Dornen und setzen nur mühsam einen Fuß vor den anderen, kurz davor, aufzugeben. Wir werden von Sorgen niedergedrückt und zweifeln, weil wir manches nicht verstehen. Und gerade auf diesem mühsamen Weg durchs Dickicht unseres Lebens will Jesus uns begegnen. Er will uns zeigen, wie sehr Gott uns liebt. Er will uns umarmen und trösten, wenn wir uns an den Leidenspunkten unseres persönlichen Weges reiben. Er will uns befreien, wo Schuldgefühle uns die Luft abschnüren, und uns vergeben, wo wir tatsächlich schuldig geworden sind. Dafür ist Gott Mensch geworden. Er will uns seinen Frieden schenken – mitten in den Fragen und Widersprüchlichkeiten unseres Daseins. Das ist der tiefe Sinn von Weihnachten, der bis in die dunkelsten Winkel unseres Lebens leuchtet: Gott ist da. Wenn wir ihm unser Herz öffnen, wird unser ganzer Lebensweg eine Weihnachtswanderung.

 

Denn uns wurde ein Kind geboren,

uns wurde ein Sohn geschenkt.

Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft.

Er heißt: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedensfürst. (Jesaja 9,5)

 

 

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Wenn Gott mir die eigenen Grenzen zeigt

Veronika Smoor

 

Sich Ziele zu setzen, hilft bei der Fokussierung. Doch was, wenn die gesteckten Ansprüche zu hoch sind? Die Bloggerin Veronika Smoor hatte sich zu viel vorgenommen.

Nachweihnachtszeit 2006. Ich sage den Feiertagspfunden den Kampf an, ziehe meine alten Joggingtreter an und laufe eine Runde durch den stillen Wald. Mein Kopfkino dreht seine eigenen Runden, während ich Meter um Meter zurücklege: Ich sehe mich in den Hochhausschluchten New Yorks joggen, mit tausenden anderen Läufern. Der New York Marathon! Genau das will ich sein: eine erfolgreiche Läuferin, Teilnehmerin an der Mutter aller Marathons. Ich kann alles sein, wenn ich nur genug Willenskraft und Selbstdisziplin aufbringe. 2007 – hier kommt mein besseres, trainiertes, schlankes, cooles Ich!

Mehr Lähmung als Motivation

Kaum bin ich wieder zu Hause, stürme ich ins Wohnzimmer und verkünde der um den Plätzchenteller versammelten Familie, dass ich den New York Marathon laufen werde. Sie trauen mir viel zu. Und doch lachen sie mich ein bisschen aus. Sollen sie ruhig. Sie werden schon sehen.

Am nächsten Tag fahre ich in die Stadt. Mein neues Ich benötigt neue Laufschuhe. Ein paar Mal gehe ich dann sogar joggen. Anfangs mit großer Motivation. Dann mit jedem Mal ein bisschen halbherziger. Ich kaue auf dem Bild, das ich von mir selbst geschaffen habe, entschlossen herum. Aber mit der Zeit lähmt es mich mehr, als dass es mich beflügelt. Das Jahr 2007 verstreicht. Ich bin zwar auf Reisen, aber New York ist nicht dabei. Gut, dann wird eben 2008 mein großes Jahr. Ich brauche einfach noch ein bisschen Zeit, um mich in Topform zu bringen. Dann werde ich schwanger, und statt Lauftraining steht Geburtsvorbereitung auf dem Plan.

Unnötig viel Energie

Hand aufs Herz. Ich bin keine Marathon-Läuferin. Das habe ich spätestens bei einem Fünf-Kilometer-Lauf vor zwei Jahren gemerkt. Ich wurde bereits auf den ersten 500 Metern von einer Seniorin mit Walkingstöcken überrundet. Das war für mich mehr der Walk of Shame als ein Triumphzug.

„Gott hat mein Wesen mit Grenzen ausgestattet, die mich nicht einengen, sondern befreien.“

Ich hatte ein Bild von meinem Selbst gemalt, das mit der Realität nichts zu tun hat. Unnötig viel Energie hat es gefressen, mich in eine falsche Richtung gelenkt, an mir selbst verzweifeln lassen. Als Kind der Selbstverwirklichungsgeneration war mir meine eigene Identität zu wenig, ich wollte mich neu erschaffen. Aber oft sind unsere Wunschbilder nichts anderes als eine Flucht: Ich wäre gerne anders, als ich tatsächlich bin. Hinter meinem Wunsch, Marathon zu laufen, versteckte sich die Sehnsucht nach einem anderen Körper. Nach Gesehenwerden. Nach Außergewöhnlichkeit.

Selbstgeschaffene Sackgasse

Bis vor kurzem war ich überzeugt, ich sei eine extrovertierte Frau, die alles auf die Reihe bekommt. Entsprechend war mein Verhalten: immer laut, immer der Mittelpunkt, immer eine Meinung, immer rennen, erledigen, kontrollieren. Die Tatsache, dass ich mich die ganze Zeit über ausgebrannt, gereizt und müde fühlte, schob ich zur Seite. Bis es nicht mehr ging und ich mich einer Therapeutin anvertraute. Die half mir, mein verzerrtes Selbstbild zurechtzurücken: „Sie sind halt eher auf der introvertierten, sensiblen Seite angesiedelt.“

Diese Therapeutin hat mich an die Hand genommen, mit sanfter Gewalt in eine andere Richtung gedreht und aus meiner selbst geschaffenen Sackgasse herausgeführt. Mir wurde weit und frei ums Herz, weil ich endlich die Wahrheit über mich erkannte. Mir wurde klar, dass ich meine Seele jahrelang regelrecht vergewaltigt hatte, nur um meinem Selbstbild zu entsprechen. Ich konnte loslassen. Endlich. Um das zu sein, was ich tatsächlich bin. Manchmal extrovertiert (ja, ich kann eine Party durchaus rocken!). Aber eben auch ganz oft auf der stilleren Seite des Lebens. Auch hinter diesem falschen Selbstbild versteckte sich eine Sehnsucht: relevant zu sein. Und eine Angst: Kontrollverlust.

Befreiende Grenzen

Falsche Selbstbilder können krank machen. Uns an dem Leben, das Gott uns geschenkt hat, vorbeileben lassen. Ein Freund von mir – im Herzen eine Künstlerseele – hatte jahrelang das Bild von sich als Geschäftsmann. Er hatte sich in ein Bild gepresst, das ihm nicht entsprach. Nach vielen Jahren in der Geschäftswelt ist er ausgebrannt, weil er ignoriert hat, was er tatsächlich ist: eine sensible Seele mit der Sehnsucht nach Schönheit, nicht nach geschäftlichen Erfolgen.

Meine Therapeutin und der Fünf-Kilometer-Lauf haben mir meine Grenzen aufgezeigt. Und mich damit ein Stück weit in meine Identität geführt. Gott hat mein Wesen mit Grenzen ausgestattet, die mich nicht einengen, sondern befreien. Die mir Form und Halt geben. Ich muss nicht das Leben jeder Party sein. Ich muss nicht der multitaskende Powermensch sein. Ich muss nicht die sehnigstraffe Marathonläuferin sein.

Heilende Massage

Um unsere eigene Identität herauszuschälen, müssen wir immer wieder Inventur betreiben. Uns die Frage stellen: Welche falschen Sehnsüchte treiben mich? Was bin ich? Und was bin ich nicht? Vielleicht spüren wir, dass Gott schon lange Zeit seinen Daumen auf einer Stelle hat, die uns eigentlich wehtut. Wir winden uns unter seinem sanften Druck, wollen ausweichen und festhalten. Weil wir eben gern Erfolg, Anerkennung, Selbstverwirklichung, Kontrolle haben. Sein Druck ist eine heilende Massage, die uns vom Schmerz befreien will. Ich erlebe immer wieder: Wenn ich ihm nachgebe, falsche Bilder loslasse, dann erfahre ich niemals Verlust, sondern immer Befreiung. Dann erst kann ich Frieden mit meinem Ich, mit meinem Schöpfer finden. Dann fühle ich mich endlich nicht mehr wie ein zerquetschtes Puzzleteil, das man gewaltsam in ein fremdes Puzzle zwängt.

Nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe, ziehe ich meine alten, ausgetretenen Laufschuhe an. Ich will eine Runde durch den Wald laufen. Einfach aus Freude daran, dass ich es kann. Und nicht, weil ich einen Marathon laufen muss.

Dieser Artikel ist im Magazin Family bzw. Family NEXT erschienen. Jetzt kostenlos testen:

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Die Autorin Veronika Smoor textet in ihrem Blog unter www.veronikasmoor.com.